Generell unterscheide man bei der neurogenen Dysfunktion des unteren Harntrakts eine Füll- oder auch Speicherphase sowie eine Entleerungs- bzw. Miktionsphase, heißt es in der Leitlinie. Diese beiden Phasen gingen normalerweise ineinander über und führten zu einer restharnfreien Blasenentleerung (< 50 ml). Während der Füllphase komme es im Normalfall zu einem ersten Harndrang ab einer Blasenfüllung von ungefähr 150 ml (sehr variabel), der im Verlauf der weiteren Blasenfüllung zurückgehe und kurz vor dem Erreichen der maximalen Blasenkapazität wieder zunehme. Die Miktion erfolge, indem sich der Blasenhals („innerer Sphinkter“) öffnet, der M. sphincter urethrae externus relaxiere und eine parasympathisch gesteuerte Detrusorkontraktion zu einer restharnfreien Blasenentleerung führe.
Die neuronale Steuerung dieses Ablaufs kann den Autorinnen und Autoren zufolge auf verschiedenen Ebenen geschädigt werden. Die resultierenden neurogenen Funktionsstörungen lassen sich im Wesentlichen nach dem Läsionsort in unterschiedliche Schädigungsbilder einteilen. Der strukturierten Anamnese kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Die Abgrenzung zu anderen, nicht neurogenen Ursachen kann klinisch eine Herausforderung sein.
Hierbei sei entscheidend, dass alle nervalen Schädigungen unterhalb des sakralen Miktionszentrums (S2–S5) zu einer peripheren, also schlaffen Lähmung führten (hypoaktiver Detrusor oder Sphinkter), während Läsionen oberhalb des sakralen Miktionszentrums in der Regel in einer spastischen Lähmung resultierten (hyperaktiver Detrusor und/oder Sphinkter).
So stelle sich z. B. infolge einer traumatischen Querschnittlähmung nach dem spinalen Schock eine Detrusor- und Sphinkterhyperaktivität ein, während bei peripheren Problemen, z. B. Operationen im kleinen Becken oder bei einer Polyneuropathie, ein hypoaktiver Detrusor bzw. Sphinkter zu beobachten sei. Auch Läsionen innerhalb des Pons, in dem das suprasakrale Speicher- und Miktionszentrum lokalisiert sei, könnten zu Störungen der unteren Harntraktfunktion führen. Aufgrund der vielfältigen Funktionen des pontinen Miktionszentrums könnten alle Formen der neurogenen Dysfunktion des unteren Harntrakts auftreten.
Neu in der Leitlinie sind nach Angaben der Autorinnen und Autoren:
Hier die den Autorinnen und Autoren zufolge wichtigsten Empfehlungen der aktualisierten Leitlinie: