Verluste über Schweiß individuell sehr unterschiedlich
Ein möglicher Risikofaktor ist ein erhöhter Mikronährstoffverlust, der nicht allein durch die Ernährung ausgeglichen werden kann. Dies geschieht z.B. durch eine vermehrte Schweißbildung, da mit dem Schweiß auch Mikronährstoffe wie Natrium, Kupfer, Zink und z.T. auch Eisen verloren gehen können. Wie viel davon verloren geht, hängt zum einen von der individuellen Schweißrate (bei Ausdauersport z.B. zwischen 0,4 und 1,8 l pro Stunde) und dem Trainingsumfang ab, zum anderen von dem individuell sehr unterschiedlichen Mineralstoffgehalt des Schweißes. Der Natriumgehalt des Schweißes kann z.B. um den Faktor 10 variieren. Bei längerer Belastungsdauer und zunehmender Hitzeakklimatisierung sinkt der Mineralstoffgehalt im Schweiß zudem, was eine individuelle Vorhersage des Verlustes über den Schweiß bei einer gegebenen körperlichen Belastung so gut wie unmöglich macht. Grundsätzlich ist es aber möglich, dass es bei einem moderaten bis hohen Belastungsumfang zu einem relevanten Verlust von Natrium, Kupfer und Zink kommt. Der Eisenverlust über den Schweiß ist zwar gering, kann aber zusammen mit anderen Faktoren einen Eisenmangel begünstigen. Von einem Verlust von Vitaminen über den Schweiß ist nicht auszugehen.
Ein erhöhter Mehrbedarf bei Sporttreibenden ist für die Vitamine Thiamin (Vitamin B1), Riboflavin (Vitamin B2) und Niacin belegt, der vermehrte Bedarf ist aber in der Regel mit der Ernährung abgedeckt.
Vorsicht bei restriktiver Ernährungsweise
Nicht immer gelingt es Sporttreibenden, sich isokalorisch und nährstoffbedarfsgerecht zu ernähren. Dies gilt vor allem dann, wenn durch restriktive Ernährungsweisen bestimmte Gewichtsziele erreicht werden sollen, weil die Leistung auch vom Körpergewicht bestimmt wird wie bei ästhetischen Sportarten. Auch bei bestimmten Trainingsarten wie Carboloading oder Train-Low-Techniken werden periodisch variierende Ernährungsziele verfolgt.
Hinzu kann die Lebensmittelauswahl auch bei Leistungssportlern und -sportlerinnen auch durch Unverträglichkeiten, ethische, religiöse oder andere persönlich Gründen eingeschränkt sein. Eine vegetarische Ernährung scheint auch im Leistungssport unproblematisch zu sein, wenn die Lebensmittelauswahl ausgewogen ist und kritische Nährstoffe wie z.B. Eisen regelmäßig überprüft werden. Zur veganen Ernährung im Sport gibt es wenig Daten, in jedem Fall muss wie immer bei veganer Ernährung Vitamin B12 supplementiert werden. Eine qualifizierte Ernährungsberatung im Leistungssport ist hier von hoher Bedeutung.
„Mengen-Zeit-Problem“ im Training
Häufig haben Leistungssportler und -sportlerinnen aufgrund ihres hohen Energiebedarfs ein „Mengen-Zeit-Problem“, d.h. es bleibt ihnen vor dem Training zu wenig Zeit für Nahrungszubereitung und -zufuhr und die Verdauung. Insbesondere für Obst und Gemüse werden die Empfehlungen aus Zeitmangel oft nicht erreicht, wodurch es z.B. zu einer kritischen Versorgung mit Folat kommen kann. Hier sollten persönliche Ernährungsberater mögliche Alternativen wie den Verzehrt gut gegarter und verträglicher Gemüsesorten z.B. in Form von Pürees, die Anreicherung der Nahrung mit Nüssen und Samen oder das Trinken von Obst- und Gemüsesäften nennen.
Besondere Risikokonstellationen
Besonders durch einen Eisenmangel gefährdet sind weibliche Ausdauersportelrinnen, bei den zu sportbedingten Eisenverlusten wie Marschhämolyse, gastrointestinalen Mikroblutungen oder belastungsinduziertem Anstieg des Hepcidinspiegels auch noch der Eisenverlust im Rahmen der Menstruation kommt. Bei Frauen, die aufgrund der gewählten Sportart besonders auf ihr Gewicht achten müssen, zeigt sich auch gehäuft ein Calciummangel. Eine suboptimale oder defizitäre Vitamin-D-Versorgung droht bei beiden Geschlechtern insbesondere bei Hallensportarten, dunkler Hautfarbe, hohem Körperfettanteil und strengen UV-Schutzmaßnahmen.
Welche Mikronährstoffe können zur Mangelware werden?
Natrium: In der Regel stellt der Natriumverlust über den Schweiß auch bei höheren Belastungen kein Problem dar – die durchschnittliche Natriumzufuhr in Deutschland liegt ohnehin über den Referenzwert, sodass nur überschüssiges Natrium ausgeschieden wird. Kritisch kann es aber bei sogenannten „Heavy-Salty-Sweatern“ werden, die man am sichtbaren Salzrand von Schweißflecken erkenn kann. Hier kann es bei lang andauernder körperlicher Belastung zu einer sportinduzierten vorübergehenden Hyponatriämie mit Symptomen wie Übelkeit, Kopfschmerzen und reduzierter Leistungsfähigkeit kommen. Durch die übermäßige Aufnahme natriumarmer Flüssigkeit kann das Problem noch verstärkt werden.
Antioxidativ wirksame Mikronährstoffe: Bei körperlicher Aktivität können vermehrt freie Radikale anfallen, die durch antioxidativ wirksame Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin E und Carotin unschädlich gemacht werden. Da körpereigene antioxidative Schutzmechanismen bei Sporttreibenden hochreguliert sind, reichen die für die Allgemeinbevölkerung geltenden Ernährungsempfehlungen in der Regel vollkommen aus. Falls sich Sporttreibende aber doch für eine Supplementierung entscheiden, sollten Tageshöchstmengen von 30 mg Vitamin E und 250 mg Vitamin C in Nahrungsergänzungsmitteln nicht überschritten werden, da sonst negative Effekte drohen.
Vitamin D: In der dunklen Jahreszeit ist in der Allgemeinbevölkerung und auch bei Sporttreibenden die Vitamin-D-Versorgung oft unzureichend. Da das Vitamin u.a. am Knochenstoffwechsel und der Muskelfunktion beteiligt ist, ist die ausreichende Versorgung beim Sport von hoher Bedeutung und die Hydroxyvitamin-D-Serumwerte sollten oberhalb von 50 nmol/l liegen.
Eisen: Der Eisenbedarf kann bei sportlicher Aktivität erhöht sein – gleichzeitig drohen bei hochintensiver Belastung und beim übermäßigem NSAR-Gebrauch Blutverluste. Kommt es dadurch zu einer Eisenmangelanämie, kann dies die Leistungsfähigkeit deutlich einschränken. Möglicherweise wirkt sich auch schon ein alleiniger Eisenmangel ohne Anämie negativ auf die Leistung aus, hier reicht aber i.d.R. die Empfehlung einer eisenreichen Ernährung. Eine Eisensupplementation sollte in jedem Fall ärztlich begleitet werden, da negative gesundheitliche Effekte nicht ausgeschlossen werden können.
Mikronährstoffe zur Infektprophylaxe
Eine sehr hohe Belastungsintensität wie beim Marathonlauf kann mit einem erhöhten Infektionsrisiko einhergehen. Häufig werden Vitamin C und Zink zur Infektionsprophylaxe eingenommen, der Effekt höherer Dosierungen ist aber unklar. Die empfohlenen Tageshöchstmengen (Vitamin C: 250 mg/d; Zink: 6,5 mg/d) sollten bei einer Supplementation nicht überschritten werden.
Nachweis von Defiziten
Bei Verdacht auf Mikronährstoffdefizite bei Sportlern und Sportlerinnen sind valide Verfahren wie gezielte Laboranalysen von Blut- oder Urinproben erforderlich. Ernährungsprotokolle oder Fragebögen reichen hierfür nicht aus und auch zweifelhafte Methode wie Haar- und Speichelproben sind abzulehnen. Therapeutische Mikronährstoffgaben sind nur bei nachgewiesenem Mangel und Supplemente nur bei unzureichender Zufuhr und erhöhtem Risiko für einen inadäquaten Versorgungszustand zu empfehlen.