In zahlreichen Studien wurde bereits gezeigt, dass ein niedriges Stressniveau und eine optimistische Lebenseinstellung mit Langlebigkeit assoziiert sind. So wurden z.B. in den 1930er Jahren 678 junge Novizinnen (damals im Mittel 22 Jahre alt) aufgefordert,
ihre Autobiographie bis zum Eintritt ins Kloster aufzuschreiben. Diese Aufzeichnungen wurden 60 Jahre später von einem Forscherteam analysiert. Dabei zeigte sich, dass ein Überwiegen positiver Emotionen wie Dankbarkeit im Vergleich zu negativen Gefühlen wie Verärgerung in diesen jungen Jahren mit einem im Mittel zehn Jahre längerem Leben assoziiert war.
Auch eine UK-Studie ergab, dass überwiegend optimistische Menschen unabhängig von anderen Faktoren 11 – 15 % länger leben als eher pessimistisch eingestellte Zeitgenossen.
Dies wurde in einer weiteren Studie mit 160.000 Frauen verschiedener ethnischer Herkunft aus dem Jahr 2022 nochmals bestätigt. Hier zeigte sich, dass Optimistinnen eine deutlich größere Chance haben, über 90 Jahre alt zu werden.
Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen sind negative Auswirkungen von Stress und Ärger auf das Herz. Menschen mit einer eher positiven Lebenseinstellung sind meistens besser in der Lage,
negative Emotionen wie Ärger und Wut zu kontrollieren. Ärger führt –
insbesondere bei Männern – zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Bereits ein kurzer Wutanfall kann sich hier
negativ auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirken.Eine chronische Belastung durch Stress und Ärger erhöht das Risiko für Erkrankungen des Herzens, Schlaganfälle und Typ-2-Diabetes. Diese drei Erkrankungen sind immerhin für etwa 75 % aller vorzeitigen Todesfälle verantwortlich oder
tragen zumindest dazu bei. „Mensch ärger dich nicht“ scheint somit ein guter Ratschlag für ein längeres Leben zu sein.
Es gibt aber auch eine
zelluläre Erklärung für den Einfluss von Stress auf die Lebenserwartung. Bei jungen gesunden Menschen sind die Telomere noch lang und robust – mit dem Alter werden sie kürzer und ausgefasert. Dieser Prozess wird durch Stress beschleunigt, was die Kommunikation zwischen den Zellen und deren Erneuerung erschwert. Es scheint also so zu sein, dass stressinduzierte Emotionen wie unkontrollierter Ärger den Alterungsprozess beschleunigt. Dies wird durch Untersuchungen unterstützt, in denen gezeigt wurde, dass stressreduzierende Maßnahmen wie
Meditation positiv mit der Telomerlänge assoziiert sind.Ein weiterer Fakt könnte sein, dass optimistische Menschen einen gesünderen Lebensstil mit gesunder Ernährung und viel Bewegung aufweisen. Dies könnte zu einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos und damit ebenfalls zu einer verlängerten Lebenserwartung beitragen.
Was kann man also tun, wenn Wut und Ärger über einen kommen? Den Ärger herauszulassen, indem man z.B. auf einen Punchingball oder das Sofakissen eindrischt, scheint zumindest in Punkto Lebensverlängerung nicht der richtige Weg zu sein – die Stressantwort ist hier eher verlängert und die kardiovaskuläre Belastung bleibt hoch. Wesentlich sinnvoller bei Wut und Ärger sind tiefe Atemzüge oder andere Entspannungstechniken wie Yoga, die langfristig die Belastung des Herz-Kreislaufsystems reduzieren und dadurch die Lebenserwartung verlängern.