Bei Menschen mit Diabetes kann als Folge erhöhter Blutzuckerspiegel auch im Kammerwasser des Auges die Glukosekonzentration ansteigen und so dazu führen, dass die Linsenfasern quellen und degenerieren. In der Folge trübt sich die Augenlinse typischerweise frühzeitig ein – auch Cataracta diabetica genannt. Unabhängig davon, ob im Einzelfall eher eine Cataracta diabetica oder eine „normale“ Cataracta senilis vorliegt, besteht die Therapie immer in der operativen Linsenentfernung und Implantation einer intraokularen Kunstlinse. 1
Im Fall einer solchen Katarakt-OP haben Menschen mit Diabetes allerdings ein erhöhtes Komplikationsrisiko, insbesondere für das Fortschreiten einer vorbestehenden diabetischen Retinopathie (DR). Diesen Zusammenhang untersuchte aktuell eine Forschungsgruppe aus den USA in einer retrospektiven Studie. Welchen Einfluss hat moderne Katarakt-Chirurgie auf die Progression einer nicht-proliferativen DR bei Menschen mit Typ 2-Diabetes?
Nach einer Katarakt-OP war das Fortschreiten einer vorbestehenden nicht-proliferativen DR hin zu einer proliferativen Form wahrscheinlicher als ohne OP. Forschende hatten retrospektiv gesammelte Daten aus mehreren Zentren von über 7.000 Patientinnen und Patienten zwischen 2004 und 2024 ausgewertet. Eingeschlossen waren Menschen mit Typ 2-Diabetes mit bereits diagnostizierter nicht-proliferativer DR, die sich entweder einer Katarakt-OP unterzogen oder nicht operiert wurden. Während einer Nachbeobachtungszeit von einem Jahr zeigten operierte Augen eine signifikant höhere Konversionsrate hin zu einer proliferativen DR (Hazard Ratio 1,45). Im Vergleich zur Kontrollgruppe war , das Risiko für eine Glaskörpereinblutung ebenfalls erhöht (Hazard Ratio 1,92).
Augenärztliche Kontrollintervalle bei Patientinnen und Patienten mit nicht-proliferativer DR liegen meist zwischen 6 und 12 Monaten, abhängig vom Schweregrad der Fundus-Veränderungen. Regelmäßige Untersuchungen der Netzhaut dienen zum einen dem frühzeitigen Erkennen möglicher Komplikationen wie eines diabetischen Makulaödems. Zum anderen gilt es eine mögliche Progression einer nicht-proliferativen DR hin zu einer proliferativen Form nicht zu verpassen, denn eine rechtzeitig Laser-Therapie kann zu diesem Zeitpunkt einen irreversiblen Visusverlust verhindern.
Die vorliegende Studie belegt, dass im ersten Jahr nach Durchführung einer Katarakt-OP ein erhöhtes Progressionsrisiko einer vorbestehenden nicht-proliferativen DR hin zu einer proliferativen Form besteht. Daher schlussfolgern die Autoren, dass für den langfristigen Visuserhalt auch nach unkomplizierter Katarakt-OP, postoperative Fundus-Kontrollen unerlässlich sind.