- die Zusammensetzung des Mikrobioms bei einer Depression, Schizophrenie, Angststörungen und Autismus-Spektrum-Störungen verändert ist.
- Die mikrobielle Diversität konsistent reduziert ist.
- Das Firmicutes/Bacteroidetes-Verhältnis verändert ist.
Des Weiteren zeigen Schlüsselbefunde, dass
- psychiatrische Personengruppen eine erhöhte Darmdruchlässgkeit (Leaky-Gut-Syndrom) aufweisen.
- eine Dysbiose mit den Entzündungsmarkern IL-6, TNF-alpha und CRP korreliert.
- eine bidirektionale Kommunikation via Vagusnerv, Immunsystem und Metaboliten besteht.
- das Mikrobiom die Neurotransmittersynthese von Serotonin, GABA und Dopamin beeinflusst.
Der Einfluss von Probiotika auf die Depression
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in einer therapeutischen Dosis und einer ausgewählten Komposition verabreicht werden – wahlweise nach einer Eradikation. Häufig handelt es sich dabei um Lactobacillus und Bifidobacterium. Sie sollen den Darm kolonisieren, wobei ihre Wirkweise, z. B. durch kompetitive Inhibition, Immunmodulation und Metabolitenproduktion noch Gegenstand der Forschung sind.
Laut Prof. Walter braucht es gute randomisierte kontrollierte Untersuchungen. Eine davon stellte er vor. In der doppelverblindeten und placebokontrollierten Studie erhielt die Personen der Interventionsgruppe (n = 49) über 8 Wochen adjunktiv zu Antidepressiva Probiotika. Im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Placebo (n = 46) reduzierten sich die depressiven Beschwerden signifikant, ließ die Angstsymptomatik nach und konnte eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms nachgewiesen werden. Darüber hinaus erwies sich die Therapie als gut verträglich ohne unerwünschte Arnzeimittelnebenwirkungen. Auch eine Metanalyse mit insgesamt 50 Studien und 1.600 Personen zeigte in Bezug auf Depression und Angststörung einen signifikant positiven Effekt.
Studien zeigen Limitationen auf
Auch wenn die Studien signifikante Effekte zeigen, schließt Prof. Walter seinen Vortrag ab, sind sie dennoch limitiert u. a. weil
- sie eine kurze Beobachtungsdauer haben,
- die Stichproben klein sind,
- Langzeit-Follow-up-Daten fehlen,
- je nach Erkrankungsdauer unterschiedliche oder mehrere Antidepressva eingenommen wurden und sich die Kombinationen der Probiotikastämme unterscheiden,
- unklar ist, welches die optimale Stammauswahl wäre,
- Prädiktoren des Ansprechens fehlen,
- die Studiendesigns heterogen sind,
- Langzeiteffekte nach Absetzen unbekannt sind,
- die Interaktion von Probiotika mit Antidepressiva unzureichend untersucht ist.