Die Alzheimer-Diagnostik beruhte bislang primär auf klinischer Beurteilung und dem Ausschluss anderer Ursachen. Der direkte Nachweis der zugrunde liegenden Pathologie – Amyloid-Beta-Plaques und Tau-Protein-Aggregationen – war bislang auf aufwendige PET-Untersuchungen oder invasive Liquoranalysen beschränkt. Mit der FDA-Zulassung von Bluttests für phosphoryliertes Tau (pTau217 und pTau181) im Jahr 2025 steht erstmals eine minimalinvasive und potenziell kostengünstige Methode zur Verfügung. Die Tests sind für Patienten mit bereits bestehenden kognitiven Symptomen vorgesehen und dienen dem Nachweis einer Alzheimer-typischen Pathologie. Zu Sensitivität und Spezifität gibt es bisher noch keine klaren Angaben.
Gerade in der Primärversorgung besteht die Gefahr, dass solche Tests bei unspezifischen Gedächtnisbeschwerden eingesetzt werden. In Bevölkerungsgruppen mit niedriger Prätestwahrscheinlichkeit steigt dadurch die Rate falsch-positiver Ergebnisse. Neben psychischer Belastung können Fehldiagnosen auch praktische Konsequenzen haben, etwa für Versicherungen oder die Fahrtauglichkeit. In einer zitierten Studie mit 554 Patienten aus Hausarztpraxen verweigerten zwei Drittel der Personen mit positivem Demenzscreening die weiterführende Blutdiagnostik.
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Einfluss somatischer Erkrankungen auf die Biomarkerwerte. Niereninsuffizienz kann pTau-Konzentrationen erhöhen und zu falsch-positiven Ergebnissen führen. Adipositas begünstigt durch einen Verdünnungseffekt falsch-negative Resultate. Auch Arzneimittelinteraktionen sind relevant. Das Herzinsuffizienz-Medikament Sacubitril/Valsartan etwa beeinflusst direkt das Verhältnis der gemessenen Amyloid-Proteine (Amyloid-β 42/40-Ratio) im Blut, indem es ein bestimmtes Enzym hemmt. Daher ist es unerlässlich, blutbasierte Biomarker stets unter Berücksichtigung der klinischen Symptomatik und der internistischen Begleitumstände zu bewerten.
In 10 bis 20 % der Fälle liefern die Bluttests sogenannte Grauzonen-Werte, die weder eine eindeutige Bestätigung noch einen sicheren Ausschluss der Erkrankung zulassen. In diesen unklaren Situationen sind weiterführende Untersuchungen wie Liquoranalysen oder PET-Scans notwendig. Wenn diese erweiterten diagnostischen Möglichkeiten fehlen, können die Bluttests die diagnostische Unsicherheit eher erhöhen als Klarheit schaffen. Die Bluttests sind daher lediglich als Ergänzung in der Alzheimer-Diagnostik zu sehen. Sie ersetzen keinesfalls die klinische Beurteilung oder die umfassende neurologische Diagnostik.