Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, doch die frühzeitige Diagnose bleibt eine Herausforderung, da es in rund der Hälfte der Fälle anfallsartig auftritt und oft asymptomatisch verläuft. Ein langfristiges, idealerweise kontinuierliches Herzrhythmus-Monitoring wäre gerade bei Personen mit hohem Risiko wünschenswert, doch Devices wie implantierbare Loop-Rekorder sind invasiv und teuer, was sie für den breiten Einsatz unattraktiv macht. Könnten Wearables wie die Apple-Watch, welche dank Photoplethysmographie-Sensoren ein nichtinvasives Monitoring ermöglichen, hier die Lösung sein? Genau das hat die niederländische EQUAL-Studie untersucht; die Ergebnisse wurden jüngst
im renommierten Fachmagazin JACC publiziert.
1In die prospektive, multizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie wurden 437 Patientinnen und Patienten ≥ 65 Jahre ohne vorbekanntes VHF eingeschlossen, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko hatten, d. h. einen CHA2DS2-VASc-Score ≥ 2 (Männer) bzw. ≥ 3 (Frauen). Die Teilnehmenden im Wearable-Arm (n = 219) erhielten eine Apple-Watch und wurden gebeten, diese mindestens 12 Stunden pro Tag zu tragen, während sie wach sind, und bei Symptomen oder nach einer Benachrichtigung der Apple-Watch über die Detektion eines unregelmäßigen Herzschlags ein 30-sekündiges 1-Kanal-EKG abzuleiten. Die Smartwatch-EKGs wurden automatisch an ein Telemonitoring-Zentrum übermittelt und dort innerhalb von 24 h ausgewertet; im Fall einer positiven Diagnose gab es ein festes Protokoll für das weitere Vorgehen, die letztendliche Therapieentscheidung lag aber immer beim behandelnden Team. Die Kontrollgruppe (n = 218) erhielt eine Routineversorgung, zu der die üblichen Möglichkeiten wie 12-Kanal-EKG, Holter-Monitoring etc. nach Ermessen des behandelnden Teams gehörten.
Das mediane Alter der Teilnehmenden betrug 75 Jahre, 46,7 % waren weiblich. Nach 6 Monaten betrug die kumulative Inzidenz für neu aufgetretenes VHF im Apple-Watch-Arm 9,6 % (n = 21), im Kontrollarm dagegen 2,3 % (n = 5); das entspricht einer absoluten Risikodifferenz von 7,3 Prozentpunkten (p = 0,001). Die Hazard Ratio betrug 4,4.
Auffällig war, dass asymptomatisches VHF ausschließlich in der Apple-Watch-Gruppe detektiert wurde, in der Kontrollgruppe dagegen wurde kein einziger Fall berichtet. In der Apple-Watch-Gruppe gaben nur 42,9 % der Teilnehmenden (n = 9 von 21) an, während der VHF-Episode Symptome verspürt zu haben. Zudem wurde in der Apple-Watch-Gruppe bei einem höheren Anteil der Personen mit VHF-Diagnose ein paroxysmales VHF diagnostiziert (90,5 % vs. 80,0 %).
Doch die Technik hat auch ihre Grenzen: Bei den 204 Personen, die erfolgreich die Apple-Watch bis zum Ende trugen, konstatierte der Apple-Watch-Algorithmus in 38 Fällen auf Basis der abgeleiteten EKGs ein VHF. Das Telemedizin-Team bestätigte diese Beurteilung allerdings nur in 20 Fällen. Bei 175 Teilnehmenden fand der Algorithmus in den abgeleiteten EKGs keine Hinweise auf VHF, das Telemedizin-Team identifizierte jedoch bei 1 Person VHF, das vom Algorithmus als Tachykardie klassifiziert worden war.
Zu den Schwächen der Studie gehört die recht geringe Anzahl an VHF-Ereignissen, was die statistische Aussagekraft einschränkt. Zudem war die Studie nicht ausreichend gepowert, um klinische Langzeitergebnisse wie die Schlaganfallrate zu untersuchen. Und da die Teilnehmenden aus nur 2 spezialisierten Kardiologie-Kliniken rekrutiert wurden und alle Zugang zu einem Apple-Watch-kompatiblen Handy hatten, bleibt unklar, inwiefern sich die Ergebnisse, zum Beispiel in Bezug auf andere Personengruppen und Settings, verallgemeinern lassen.
In dieser Studie erwies sich bei Menschen mit erhöhtem Schlaganfallrisiko die Kombination aus Smartwatch-basierter passiver VHF-Detektion mit getriggerter Smartwatch-EKG-Ableitung und zentralisiertem Telemonitoring zur Beurteilung der EKG-Aufzeichnungen mit festen Protokollen für die weitere Versorgung als klar überlegen gegenüber dem derzeitigen Standard-Vorgehen. Insbesondere bei Fällen von paroxysmalem und asymptomatischem VHF scheint die Smartwatch-basierte Strategie besser abzuschneiden. Ob die bessere Detektion von VHF allerdings auch einen Einfluss auf harte klinische Endpunkte wie die Schlaganfallrate hat, muss erst noch in weiteren Studien gezeigt werden.