„Kann ein alter Hund neue Tricks lernen?“, so die zentrale Frage von Dr. George Schwartz. Er ist Kardiologe an der University of Colorado Anschutz und Leiter der Kardiologie am Rocky Mountain Regional Veterans Affairs Medical Center in Aurora, Colorado (USA). Dr. Schwartz: „Ich denke, wir sollten an den Daten dranbleiben – aber auf jeden Fall sollten wir genau hinschauen.“
Der Hintergrund seiner Einschätzung: Ergebnisse der META-AF-Studie legen nahe, dass Metformin das Risiko eines erneuten Vorhofflimmerns oder anderer atrialer Arrhythmien deutlich verringern könnte. Die Daten wurden jüngst auf den Scientific Sessions der American Heart Association (AHA) vorgestellt.1
Deutlich weniger Rezidive unter Metformin
Studienleiter Dr. Amrish Deshmukh von der University of Michigan Health in Ann Arbor (USA) berichtete, dass Personen, die vor und nach einer Katheterablation Metformin bekommen hatten, ein Jahr nach dem Eingriff nur halb so häufig erneute Arrhythmien von mindestens 30 Sekunden Dauer aufwiesen wie Personen in der Kontrollgruppe ohne Metformin.
„78 % der Teilnehmenden waren frei von erneuten Arrhythmien, verglichen mit 58 % in der Kontrollgruppe“, erklärte Dr. Deshmukh beim Kongress. META-AF war eine randomisierte, offene Studie mit übergewichtigen oder adipösen Personen ohne Diabetes.
Gute Verträglichkeit – und ein klarer Effekt trotz kleiner Stichprobe
„Die meisten Teilnehmenden haben Metformin gut vertragen. Wir konnten keine großen Änderungen des Gewichts oder des Blutzuckers beobachten, um den Effekt zu erklären“, sagte Dr. Deshmukh.
Die Studie umfasste 49 Personen in der Metformin-Gruppe und 50 in der Gruppe mit Standardversorgung ohne Metformin. Die Teilnehmenden begannen bis zu 6 Wochen vor dem Eingriff mit Metformin, wurden auf die maximal tolerierte Dosis eingestellt und führten die Therapie über ein Jahr fort. Zur Überwachung nutzten sie Handheld-EKG-Geräte, nahmen aber auch regelmäßig an Kontrolluntersuchungen teil. In der Kohorte befanden sich nahezu gleich viele Personen mit paroxysmalem und persistierendem Vorhofflimmern.
Ein wichtiger sekundärer Endpunkt war der sogenannte AF-Burden, also der Anteil der Tage mit Vorhofflimmern. Auch hier schnitt Metformin besser ab: 8 % vs. 16 % unter Ablation allein (p = 0,02). Unterschiede beim Gewicht (-6 kg vs. -2 kg) und beim HbA1c waren statistisch nicht signifikant. Ebenso waren die Punktwerte auf der Atrial Fibrillation Severity Scale vergleichbar.
In der Kontrollgruppe bekamen Teilnehmende numerisch häufiger Therapien mit antiarrhythmischen Medikamenten, erneute Ablationen beziehungsweise Kardioversionen, die Unterschiede erreichten jedoch keine statistische Signifikanz.
Erstaunlich hohe Abbruchrate
Bemerkenswert: 12 Personen in der Metformin-Gruppe brachen die Einnahme innerhalb des Jahres ab – einige nicht wegen Unverträglichkeit, sondern weil sie symptomfrei wurden und den weiteren Nutzen nicht erkannt haben.
Damit war die Abbruchrate von rund 25 % in der Studie erstaunlich hoch, verglichen mit ähnlichen Arbeiten. „Wenn man ein zugelassenes Medikament für eine neue Indikation einsetzt, ist die Akzeptanz möglicherweise geringer – sowohl in der Forschung als auch im Praxisalltag“, vermutet Dr. Schwartz. Metformin ist ein bekanntes Diabetes-Medikament. Personen ohne diese Stoffwechselerkrankung erkennen oft nicht, warum die Behandlung für sie weiterhin wichtig ist.
Metformin im Zeitalter moderner Stoffwechseltherapien
Trotz „zahlreicher Einschränkungen“, darunter das offene Studiendesign und die hohe Abbruchrate, zeige die Intention-to-treat-Analyse einen erkennbaren Vorteil, betonte Dr. Schwartz.
Auch in Zeiten von GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren für Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verliert Metformin damit kaum etwas von seiner Relevanz. Studien hatten bereits darauf hingedeutet, dass Metformin auch bei Personen ohne Diabetes antiarrhythmische Effekte hat.2 Ein weiterer Vorteil: Metformin ist deutlich günstiger als moderne GLP-1- oder SGLT2-Therapien.
Dr. Schwartz: „Ich denke definitiv, dass es sich lohnt, bei diesem alten Hund nachzusehen, ob er neue Tricks lernen kann.“
Fazit
Neuen, bei den Scientific Sessions 2025 der American Heart Association (AHA) präsentierten Daten zufolge könnte das seit Langem zugelassene orale Antidiabetikum Metformin dabei helfen, bei übergewichtigen oder adipösen Personen nach einer Katheterablation das Risiko für weitere atriale Arrhythmien zu verringern.
Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.de erschienen.