Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2026 sprach Frau Dr. oec. troph. Sandra Ulrich-Rückert vom Universitätsklinikum Frankfurt unter anderem über die vielfältigen Interaktionen zwischen chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und Ernährungsfaktoren, die von möglichen Beteiligungen an der Pathogenese über die krankheitsassoziierte Mangelernährung bis hin zu Ernährungstherapien reichen. Schwerpunkt des Vortrags war eine Einordnung möglicher unterstützender Ernährungstherapien zur Remissionsinduktion.
Exklusive Enterale Ernährung
Frau Dr. Ulrich-Rückert ging in ihrem Vortrag zunächst auf die bekannte und bereits etablierte Exklusive Enterale Ernährung (EEN) ein, die insbesondere im pädiatrischen Bereich verankert ist. Dabei betonte sie, dass sich diese Form der Ernährungsmaßnahme sowohl über eine Sonde als auch über Trinknahrung umsetzen lässt. Die EEN wirkt über 3 Wege:
- Ausschluss möglicher proinflammatorischer Faktoren
- Korrektur einer potenziellen Mangelernährung
- Korrektur möglicher Dysbiosen
Vor- und Nachteile der EEN
Die Vorteile der EEN sah Frau Dr. Ulrich-Rückert unter anderem in einer ähnlichen Remissionsinduktion und zugleich höheren Rate mukosaler Heilung (89 % vs. 17 %) im Vergleich zu einer Steroidbehandlung. Zeitgleich lässt sich durch eine EEN der Ernährungsstatus verbessern mit dem positiven Effekt, dass mit dieser Therapieform keine Nebenwirkungen verbunden sind. Allerdings gebe es auch Nachteile. Diese liegen in einer geringen Akzeptanz und einer intensiven Schulung sowie engmaschigen Betreuung der Betroffenen. Bei Kindern, so Frau Dr. Rückert lässt sich die EEN noch gut umsetzen, da sich diese der Therapie wenig entziehen können, wohingegen bei Erwachsenen eine große Aussteigerquote vorhanden ist. Darüber hinaus fehlen geeignete Strategien für die Zeit nach einer EEN-Therapie.
Crohn´s Disease Exclusion Diet
Es gibt eine Vielzahl an Ernährungsformen, die sich in den letzten Jahren rund um die CED etabliert haben. Die Crohn´s Disease Exclusion Diet (CDED) sei dabei aktuell eines der etabliertesten Ernährungskonzepte, so Frau Dr. Ulrich-Rückert. Basis dieser Ernährung bildet die EEN, die die Hälfte des Energie- und Nährstoffbedarfs liefert und durch Lebensmittel ergänzt wird.
Nicht erlaubt sind unter anderem Gluten, Milchprodukte oder rotes Fleisch. Obligatorisch hingegen sind täglich Hähnchenbrust (150-200 g), die einmal in der Woche durch mageren Fisch ersetzt werden kann, sowie 2 Eier, 2 Bananen, 1 frischer Apfel und 2 Kartoffeln. Darüber hinaus gibt es weitere Produkte, die täglich in gewissen Mengen erlaubt sind wie 2 Gurken, 3 EL Honig oder weißer Reis in unbegrenzter Menge. Ulrich-Rückert wies darauf hin, dass die genauen Mengenvorgaben sowohl von Vor- als auch von Nachteil sein können. Für einige Betroffene sei genau diese strenge Vorgabe besser in den Alltag zu integrieren als die offeneren Angaben anderer Konzepte.
Tasty & Healthy Diet
Im weiteren Verlauf stellte Frau Dr. Ulrich-Rückert unter anderem noch die Tasty & Healthy Diet (T&H) vor, die sich bei verschiedenen Beschwerden wie Laktoseintoleranz, Zöliakie oder Morbus Crohn umsetzen lässt und ohne Trinknahrung auskommt. Dieses Ernährungskonzept schließt Faktoren wie prozessiertes Essen, Gluten, rotes Fleisch und Milchprodukte außer Naturjoghurt aus.
Ulrich-Rückert führte an dieser Stelle die Ergebnisse einer Studie auf, die zeigen, dass die T&H nach 8 Wochen bei 56 % der Teilnehmenden eine symptomatische Remission erreichte, im Vergleich zu EEN mit 38 % Remission. Die T&H trug zu einer deutlich größeren Mikrobiomvielfalt bei als die EEN – zudem war die Akzeptanz/Compliance in der T&H Gruppe signifikant höher. Einen Nachteil der T&H Diet sieht Frau Dr. Ulrich-Rückert in der offeneren Struktur im Vergleich zur CDED, bei der beispielsweise klarer vorgegeben ist, wie viel Protein täglich aufgenommen werden soll.
Low-FODMAP-Diät
Frau Dr. Ulrich-Rückert ging zum Schluss noch kurz auf die Low-FODMAP-Diät als Ernährungskonzept zur Behandlung einer CED ein. Dabei betonte sie, dass es bisher keine Hinweise auf eine entzündungshemmende Wirkung oder Remissionsinduktion bei einer aktiven CED gibt. Allerdings zeige sich eine Reduktion gastrointestinaler Beschwerden wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Die Low-FODMAP-Diät sollte daher nur kurzfristig bei ruhender CED und gleichzeitig bestehendem Reizdarmsyndrom in Betracht gezogen werden. Die Referentin kritisierte zudem die aus ihrer Sicht zu pauschale Umsetzung der Low-FODMAP-Diät, die eine ganze Reihe von Lebensmitteln ausschließt, die für den Einzelnen vielleicht gar nicht relevant sind. Außerdem sei die Frage nach der Wiedereinführung einer umfangreicheren Kost häufig nicht ausreichend berücksichtigt.
Welche Ernährung zum Remissionserhalt?
Aktueller Wissensstand sei, dass die Mediterrane Diät für den Remissionserhalt geeignet ist, so Frau Dr. Ulrich-Rückert. Vor diesem Hintergrund stellte sie den Canadian Food Guide vor, der auf bunten und vielfältigen Lebensmitteln basiert und bei dem die Hälfte des Tellers mit Gemüse und Obst bedeckt sein sollte, wobei der Schwerpunkt auf dem Gemüse liegt. Darüber hinaus sollte ein Viertel des Tellers mit einer Proteinquelle wie Fisch, Hülsenfrüchten oder Tofu und ein Viertel mit Vollkornlebensmitteln wie Vollkornreis bedeckt sein.
CDED - Wissenschaftliche Studien und LeitlinienDie CDED hat bereits in mehreren Studien sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen positive Effekte gezeigt. Frau Dr. Ulrich-Rückert verwies in diesem Zusammenhang auf eine Auswertung, der zufolge die Remissionsrate nach 6 Wochen unter Umsetzung der CDED bei etwa 60 bis 80 % liegt. Zudem stellte sie eine Studie vor, in der Remissionsraten sowie Calprotectinverläufe unter CDED oder EEN miteinander verglichen wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass die CDED insbesondere im Hinblick auf eine langfristige Anwendung über 12 Wochen der EEN in beiden Punkten überlegen ist, da es unter EEN wiederholt zu Therapieabbrüchen kommt.
Darüber hinaus betonte Frau Dr. Ulrich-Rückert, dass die CDED bereits in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) und der European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) als mögliche Therapieoption aufgenommen wurde. Nach ihrer Einschätzung lässt sie sich sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen mit eher milden bis moderaten Krankheitsverläufen einsetzen, wobei sie eine Kombinationstherapie gegenüber einer Monotherapie als sinnvoller erachtet.