Milchprodukte spielen eine große Rolle in der westlichen Ernährung und es gibt viele Studien, die mögliche Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Milchprodukten und gesundheitlichen Faktoren untersuchen. Die Ergebnisse sind aber z.T. widersprüchlich, was auch damit zusammenhängen kann, dass sich Milchprodukte im Herstellungsprozess, der Zusammensetzung und dem Gehalt an Fett und anderen Nährstoffen stark unterscheiden.
Dies gilt auch für einen möglichen Zusammenhang mit Demenz. Insgesamt wurde ein protektiver Effekt von Milchprodukten in asiatischen, nicht aber in europäischen Populationen gezeigt. Nach allen bisherigen Ergebnissen scheint der Genuss von Käse das höchste Potenzial zu haben, vor einem kognitiven Abbau zu schützte – für Milch und Joghurt ist der Zusammenhang nicht eindeutig.
Schwedische Kohortenstudie über 25 Jahre
Käse ist aber auch nicht gleich Käse, vor allem im Fettgehalt unterscheiden sich die Sorten. Die „Malmö Diet an Cancer Corhort“ – eine Langzeit-Kohortenstudie aus Schweden – bot aufgrund der detaillierten Ernährungsprotokolle die Möglichkeit, zwischen den gesundheitlichen Auswirkungen verschiedener Käsesorten zu unterscheiden. Die zwischen 1991 und 1996 in die Studie aufgenommenen Teilnehmenden wurden hier mit Hilfe des schwedischen Gesundheitsregisters über rund 25 Jahre nachverfolgt und die Häufigkeit von vaskulärer Demenz und Alzheimer-Demenz in diesem Zeitraum registriert.
In
die aktuelle Analyse von Yufeng Du, Department of Clinical Sciences Malmö an der Lund University in Schweden, und seiner Artbeitsgruppe gingen die Daten von insgesamt 27.670 Individuen ein, von denen 3.208 im Beobachtungszeitraum eine Form von Demenz entwickelten.
Käse mit hohem Fettgehalt mit geringerem Demenzrisiko assoziiert
Das Ergebnis: Der tägliche Konsum von mindestens 50 g Käse mit hohem Fettanteil (> 20 % Fett) war im Vergleich zu einem geringeren Konsum (< 15 g/d) mit einem 13 % geringerem Risiko für eine Demenz assoziiert, das Risiko für eine vaskuläre Demenz war um 29 % reduziert. Unter Nicht-Trägern des APOE ε4-Gens zeigte sich bei hohem Konsum fetthaltiger Käsesorten auch eine um 13 % geringere Rate an Alzheimer-Demenz.
Für den Konsum von fettarmen Käsesorten und Sahneprodukten, Milch (Vollfett und fettarm), fermentierten Milchprodukten und Butter ergab sich kein Zusammenhang mit dem Demenzrisiko.
Limitationen
Als Limitationen gibt das Autorenteam u.a. an, dass die Ernährungsgewohnheiten nur zu Studienbeginn erfasst wurden und sich im Laufe der Zeit verändert haben können. Außerdem wurde innerhalb der Käsesorten nur zwischen einem Fettgehalt über oder unter 20 % differenziert, nicht aber zwischen verschiedenen Käsesorten oder Arten des Konsums. Zudem wurde bei Studienbeginn der kognitive Status nicht erhoben, der bekanntermaßen Ernährungsgewohnheiten beeinflusst und auch mit dem Demenzrisiko assoziiert ist. Zudem gelten die Ergebnisse nur für die schwedische Bevölkerung und lassen sich nicht ohne weiteres auf andere Populationen übertragen.
Was genau den protektiven Effekt bewirkt, bleibt unklar
Viele Fragen bleiben auch nach dieser Studie noch offen, wie
Prof. Dr. Perry Wilson in einem Kommentar zu der Studie auf Medscape darstellt. Anders als einzelne Vitamine oder chemisch definierte Nahrungsergänzungsmittel ist Käse eine sehr komplexe Mischung von Fetten, Proteinen, Enzymen, Salz, Vitaminen und Mineralien. Somit bleibt unklar, welcher Bestandteil genau für den protektiven Effekt verantwortlich ist. Wären es die Proteine, müsste auch fettarmer Käse einen positiven Effekt haben. Wäre es allein das Fett, sollte eigentlich auch Butter mit ihrem Fettgehalt von 80 % vor Demenz schützen. Denkbar wäre eine komplexe Interaktion verschiedener gehirnschützender Bestandteile, die so nur in fettreichen Käsesorten vorkommen – wahrscheinlich erscheint ihm dies aber nicht, schreibt Prof. Wilson.
Viele mögliche Einflussfaktoren
Ein möglicher Einflussfaktor könnte auch der sozioökonomische Status sein. Was täglich auf den Teller kommt, hängt auch davon ab, was man sich leisten kann. Fettreiche Käsesorten wie Mascarpone oder alter Cheddar sind oft teurer als fettärmere Sorten. Unterstützt wird diese Hypothese durch die Beobachtung, dass Konsumenten fettreicher Käsesorten im Schnitt jünger und häufiger männlich waren, einen niedrigeren BMI und häufiger einen Universitätsabschluss hatten. Auch die Rate an Hypertonie, Diabetes und Krebs war geringer. Zwar haben die Studienautoren diese Einflussfaktoren so weit wie möglich berücksichtigt, vollständig gelingt dies aber nicht immer. Eine weitere Einflussmöglichkeit: Wer als Brotbelag zu fettreichem Käse greift, verzichtet im Gegenzug vielleicht auf Wurst und andere Lebensmittel, die wirklich schlecht für das Gehirn sind.
Unterm Strich bleibe als die alte Weisheit, dass es nicht ein einzelnes Lebensmittel gibt, die einen sicher vor einer Demenz schützt – genauso wenig wie das eine Nahrungsergänzungsmittel, das einen für immer jung und fit hält. Wenn man wirklich etwas für seine Gesundheit tun will, muss man in der Regel seinen ganzen Lebensstil umstellen, eine dicke Käsestulle allein wird es nicht richten.