Ein Vorwort von Prof. Dr. med. C. J. Krones und Prof. Dr. med. D. Vallböhmer
Warum ist „der Chefarzt“ so oft ein Mann, obwohl heute zwei Drittel der Medizinstudierenden Frauen sind? Diese Frage ist mehr als eine statistische Auffälligkeit – sie verweist auf ein strukturelles Problem, das gerade chirurgische Fachdisziplinen seit Jahrzehnten begleitet.
Auf dem Weg in Führungspositionen verlieren wir hochqualifizierte Ärztinnen. Nicht, weil ihnen Kompetenz, Ehrgeiz oder Führungswille fehlen, sondern weil sich entlang der Karriereleiter Hürden auftürmen, die häufig unsichtbar bleiben. Diese „gläserne Decke“ entsteht nicht durch eine einzelne Entscheidung, sondern durch viele kleine Benachteiligungen, die sich im Laufe eines Berufslebens summieren.
Der Fachkräftemangel prägt die Zukunft der medizinischen Versorgung. Umso weniger können wir es uns leisten, auf einen großen Teil unseres Potenzials zu verzichten. Chancengleichheit in der Chirurgie ist deshalb keine Frage irgendeiner politischen Symbolik, sondern eine Voraussetzung für Exzellenz, Innovation und eine zukunftsfähige chirurgische Versorgung.
Der vorliegende Beitrag beleuchtet die Ursachen dieser Entwicklung und zeigt mögliche strukturelle Veränderungen auf, damit die Frage „Warum ist der Chefarzt selten eine Frau?“ eines Tages ihre Aktualität verliert.