Eine Übersichtsarbeit betont den Vorteil der Oralisierung, insbesondere bei Blutstrom- und Knocheninfektionen.1 Auch Jung ging auf ein Fallbeispiel einer Blutstrominfektion mit S. aureus ein, eine Infektion die in den vergangenen Jahren an Häufigkeit zugenommen hat und mit einer hohen Mortalität assoziiert ist. Im vorgestellten Fall handelt es sich um:
Im Verlauf erhält der Patient zunächst Ampicillin/Sulbactam i.v. und wird nach dem Erregernachweis auf Cefazolin i.v. umgestellt. Die Viggo wird sofort entfernt und das Fieber lässt unmittelbar nach. Die Folgeblutkulturen sind negativ. Jung stellte dann die Frage, wie die antiinfektive Therapie fortgeführt werden sollte.
Die SABATO-Studie untersuchte die frühe Oralisierung (nach 5-7 Tagen) bei unkomplizierten S.aureus Blutstrominfektionen.2 In dieser zeigte sich, dass es keine signifikanten Unterschiede beim primären Endpunkt (S. aureus-assoziierte Komplikationen innerhalb von 90 Tagen) zwischen der Gruppe mit oraler Therapie und jener mit i.v.-Behandlung gab. Bei unkomplizierten Infektionen ist ein Wechsel auf die orale Therapie gut vertretbar, so Jung. Allerdings ist ein klinisches Assessment und eine enge Kontrolle auf Komplikationen notwendig.
Der neue Standard bei dieser Art von Infektionen ist daher eine Woche i.v. Cefazolin, gefolgt von einer Woche p.o. Cotrimoxazol.
Auch bei der Endokarditis zeigte die POET-Studie aus Dänemark, dass die orale Gabe gegenüber einer i.v. Antibiose nicht unterlegen ist.3
Jung gibt folgende Empfehlungen für den praktischen Alltag in der Klinik:
Jung steigt mit einer provokanten These in das Thema ein. Eine vollständige Einnahme von Antibiotika (7,10 oder 14 Tage), auch bei Besserung der Beschwerden, sei nicht evidenzbasiert.4 Eine zu lange Einnahme könne sogar zu Resistenzen führen.
Die Verordnung für 5 oder 7 Tage ist vor allem historisch bedingt, nicht durch Daten belegt. Entscheidend sollte stattdessen das klinische Bild und der Zustand des Patienten sein, auch wenn Gewohnheiten anders sind.
Eine Individualisierung der Therapie ist jedoch nötig, mit unterschiedlichen Dauern der Behandlung, abhängig vom Fokus, Erreger und dem Patientenzustand. Zunehmend sind auch randomisierte Studien verfügbar, die eine kurze Dauer im Vergleich mit dem Standard untersuchen.
Dabei zeigte sich häufig, dass eine
kürzere Gabe mit besseren oder vergleichbaren Ergebnissen einhergeht. Insgesamt liegen Daten für 26 Erkrankungen vor, es werden jedoch noch weitere Daten benötigt.