Zahnärztliche Existenzgründungen: Kaufpreise weiter gestiegen
Die Kaufpreise für zahnärztliche Praxen steigen seit Jahren kontinuierlich. Allerdings fiel der Anstieg 2023 mit 5 % moderater aus als im Jahr zuvor. Neugründungen sind dabei mit Abstand am teuersten, Frauen zeigen sich zudem deutlich zurückhaltender. Das zeigt die aktuelle Analyse der apoBank, die auf die zahnärztlichen Existenzgründungen im Jahr 2023 blickt.
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Der folgende Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank). Redaktion: Marc Fröhling
Inzwischen zahlen Zahnärztinnen und Zahnärzte für ihre Niederlassung in einer Einzelpraxis durchschnittlich 247.000 € (Übernahmepreis). Das geht aus der Analyse der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hervor, die jährlich die begleiteten zahnärztlichen Existenzgründungen auswertet – im Folgenden die wichtigsten Ergebnisse für das Jahr 2023. Nach wie vor lassen sich die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte nieder, indem sie eine Praxis übernehmen und diese als Einzelpraxis fortführen. 2023 haben 64 % diesen Weg in die Selbständigkeit gewählt.

Im Zuge der Praxisübernahme entscheiden sich viele Existenzgründer gleichzeitig für neue Anschaffungen und Umbaumaßnahmen. Die dafür getätigten durchschnittlichen Investitionen sind 2023 leicht gestiegen und lagen bei 216.000 €, so dass eine Niederlassung in einer zahnärztlichen Einzelpraxis samt Kaufpreis im Schnitt 463.000 € kostete.

Gut ein Fünftel investiert über 600.000 € in die Praxisübernahme
Doch eine differenzierte Betrachtung der gesamten Praxisinvestitionen – Übernahmepreise eingerechnet – offenbart eine deutliche Spannbreite: Während 14 % der Existenzgründenden maximal 200.000 € in die Hand genommen haben, zahlte auf der anderen Seite gut ein Fünftel (22 %) mehr als 600.000 € für den Kauf und die entsprechende Ausgestaltung der Einzelpraxis nach eigenen Wünschen. Insgesamt investierten 58 % der zahnärztlichen Praxisgründer unterhalb des Durchschnitts, 42 % lagen darüber.

Neugründungen mit Abstand am teuersten, Kooperationen am günstigsten
Die kostenintensivste Art der Niederlassung ist eine komplette Neugründung einer Zahnarztpraxis: Die durchschnittlichen Gesamtinvestitionen für eine Einzelpraxis lagen 2023 bei 770.000 € und blieben damit auf ähnlich hohem Niveau wie schon im Jahr zuvor. Allerdings entscheiden sich nur wenige Existenzgründer für diesen Weg: 2023 waren es lediglich sechs Prozent. Deutlich günstiger ist es, Kooperationen einzugehen, denn die Investitionen für die Übernahme einer vorhandenen Praxis mit weiteren Praxispartnern lagen im Schnitt je Inhaber bei 388.000 € bzw. bei 402.000 € beim Einstieg in eine vorhandene Praxis.

„Gerade diese wenigen Existenzgründerinnen und Existenzgründer, die komplett neu gründen, haben ganz individuelle Vorstellungen von ihrem zukünftigen Praxis-, Behandlungs- und Raumkonzept“, erklärt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmarkt & Beteiligungen. „Sie sind dann auch bereit, hohe Investitionen in Kauf zu nehmen. Hinzu kommt, dass die Praxisräumlichkeiten bei Neugründungen häufig sehr großzügig ausfallen, auch, um sich die zukünftige Möglichkeit einer Expansion, beispielsweise über angestellte Zahnärzte oder Zahnärztinnen, offen zu halten. Auf der anderen Seite bieten gerade Übernahmen bzw. ein Einstieg in eine vorhandene Praxis gute Möglichkeiten, behutsam in vorhandene Strukturen hineinzuwachsen und nicht bei null anzufangen.“
Der Analyse 2023 liegt eine Stichprobe von rund 450 durch die apoBank begleiteten und auswertbaren zahnärztlichen Existenzgründungen zugrunde. Die Daten wurden anonymisiert von der apoBank ausgewertet.
Frauen zurückhaltender
Auch wenn unter den Neuapprobierten und den angestellten Zahnärzten der Frauenanteil deutlich überwiegt, ist das Geschlechterverhältnis unter den Existenzgründern seit Jahren ähnlich gleich verteilt – 2023 waren 48 % weiblich. Auffällig ist allerdings, dass sich die von Frauen getätigten Praxisinvestitionen im Schnitt rückläufig entwickelt haben. So gaben Zahnärztinnen für die klassische Praxisübernahme mit anschließender Einzelpraxisniederlassung 425.000 € aus (2022 waren es noch 439.000 €). Bei ihren männlichen Kollegen sind die durchschnittlichen Investitionen dagegen kontinuierlich weiter gestiegen und lagen 2023 bei 498.000 € - also rund 17 % höher als bei Frauen.

Dabei sind es nicht die Investitionen in Modernisierung, bei denen Zahnärztinnen zurückhaltender agieren – im Gegenteil, hier gaben sie mit durchschnittlich 162.000 € sogar etwas mehr aus als ihre männlichen Kollegen (154.000 €). Es ist vielmehr der Kaufpreis, der den Unterschied ausmacht: Frauen entscheiden sich bei ihrer Einzelpraxisniederlassung häufiger für günstigere Praxen und zahlten 2023 im Schnitt einen Übernahmepreis von 212.000 € – das sind 24 % weniger als Zahnärzte mit 280.000 €.

„Ob Ärztin, Apothekerin oder Zahnärztin – wir beobachten in allen Heilberufsgruppen, dass Frauen bei den gezahlten Übernahmepreisen häufig zurückhaltender agieren. Sie kaufen meist kleinere Praxen bzw. Apotheken und starten lieber mit geringeren finanziellen Verbindlichkeiten“, erklärt Zehnich. „Im Austausch mit unseren Kundinnen merken wir auch, dass sie oft noch sensibler auf externe Rahmenbedingungen reagieren. Gerade wenn beispielsweise gesundheitspolitische Entwicklungen den Praxisalltag erschweren, kann es durchaus vorkommen, dass eine prinzipiell positive Einstellung zur Selbständigkeit ins Wanken kommt.“
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