19. Juni 2020

Zahnärztin muss 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen

Eine Zahnärztin wurde in einem aktuellen Rechtsstreit dazu verpflichtet 10.000 Euro Schmerzensgeld sowie die Nachbehandlungskosten an die Patientin wegen fehlerhafter Zahnbehandlung zu zahlen (Az. 5 U 64/16). 1 Alexa Frey, Fachanwältin für Medizinrecht, erläutert hier die Einzelheiten.

Lesedauer: 2 Minuten

Sich erst einmal „an die neuen Zähne gewöhnen“

Eine Patientin hatte sich bei einer Zahnärztin ihre etwa 20 Jahre alte zahnärztliche Versorgung erneuern lassen. Die Zahnärztin wählte dafür eine Versorgung in zwei Behandlungsschritten. Die Klägerin machte geltend, die Behandlung habe zu einem schiefen Biss geführt und eine erhebliche akute cranio-mandibuläre Dysfunktion (CMD) hervorgerufen. Die ersten Beschwerden hätten sich bereits während der Behandlung entwickelt. Als die Patientin die Zahnärztin auf die Beschwerden ansprach, gab diese an, sie müsse sich erst einmal „an die neuen Zähne gewöhnen“.

Der Biss zu niedrig eingestellt

Das OLG Köln stellte einen Behandlungsfehler derart fest, dass der Biss der Patientin zu niedrig eingestellt und dadurch der fachzahnärztliche Behandlungsstandard unterschritten worden sei. Bei einer Kompletterneuerung einer alten zahnärztlichen Versorgung müsse der Behandler – beim Auftreten von Anzeichen für eine CMD – vor der endgültigen Eingliederung der neuen Versorgung einen CMD-Schnelltest durchführen. Unterlässt er dies, liegt ein Behandlungsfehler vor.

10.000 Euro Schmerzensgeld

Der fehlerhafte Biss habe bei der Patientin eine akute, schwerwiegende CMD ausgelöst. Sie habe dauerhaft unter Schmerzen gelitten und sei im Berufs- und Privatleben stark beeinträchtigt gewesen. Das Gericht hielt daher ein Schmerzensgeld in Höhe von 10.000 Euro für angemessen. Da die Unbrauchbarkeit des Zahnersatzes vorlag, mussten auch die Kosten der Nachbehandlung durch die Zahnärztin getragen werden.

Zahnersatz: Immer an CMD denken

Es empfehlt sich daher, bei Zahnersatz in jedem Behandlungsstadium an die CMD zu denken und bereits bei der Anamnese nach spezifischen Beschwerden zu fragen. Bei bekannter CMD sollte ein umfassendes Behandlungskonzept unter möglicher Beteiligung von Physiotherapie, Psychotherapie etc. erfolgen (s. hierzu auch aktuelle S3-Leitlinie Bruxismus). Treten während der Behandlung Anzeichen für eine CMD auf, sollte – vor der endgültigen Eingliederung – ein CMD-Schnelltest gemacht werden.

Alexa Frey ist selbständige Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht. Sie berät Leistungserbringer im Gesundheitswesen in Fragen des Arzthaftungsrechts, IT-Rechts, Datenschutz, Vertrags- und Gesellschaftsrecht, Vergütungsrecht und Medizinstrafrecht. Kontakt: frey@wws-ulm.de

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1. OLG Köln, 08.04.2020 – 5 U 64/16

Bildquelle: © GettyImages/yoh4nn

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