04. Mai 2021

Neue einheitliche Empfehlungen

Zähne von Geburt an mit Fluorid schützen

Lange schon forderten Fachkräfte einheitliche Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings-und frühen Kindesalter. Nun wurden die neuen Empfehlungen vorgestellt und in der Monatsschrift Kinderheilkunde veröffentlicht. 1

Lesedauer: 3 Minuten

Vertreterinnen und Vertreter der relevanten Fachgesellschaften und -organisationen haben die Empfehlungen gemeinsam entwickelt. Diesen Prozess hat das Netzwerk Gesund ins Leben koordiniert.*

„Das ist ein Meilenstein für die frühkindliche Gesundheitsprävention und hilft allen sehr dabei, die Maßnahmen zur Kariesprävention im individuellen Alltag von Familien mit Babys und kleineren Kindern besser zu verankern. Kinder-und Jugendärzt:innen, Zahnärzt:innen, die Fachkräfte der Gruppenprophylaxe, Hebammen und alle, die junge Familien beraten, sprechen gleiche Empfehlungen aus und ihre Beratungen ergänzen sich“, so Netzwerk-Leiterin Maria Flothkötter.

Fast die Hälfte der 6-7-Jährigen von Karies betroffen

Die Karieshäufigkeit im Milchgebiss ist seit Mitte der 1990er Jahre nur um etwa 35 Prozent zurückgegangen. Fast die Hälfte der 6 bis 7-Jährigen ist von Karies betroffen – besonders häufig Kinder aus sozioökonomisch benachteiligten Familien.

Aktuelle Empfehlungen: Fluorid spielt eine Schlüsselrolle

Neben der Begrenzung des Verzehrs von Süßigkeiten und süßen Getränken und der regelmäßigen Zahnreinigung spielt die Fluoridanwendung eine wichtige Rolle in der Kariesprävention.

  • Bereits ab der Geburt bis zum Zahndurchbruch wird Fluorid empfohlen: zunächst als tägliche Kombinationstablette mit 0,25 mg Fluorid mit 400-500 I.E. Vitamin D, bei Bedarf aufgelöst in ein paar Tröpfchen Wasser.
  • Ab Durchbruch des ersten Zahnes bis zum Ende des ersten Lebensjahres wird das Kind behutsam an das Zähneputzen herangeführt. Eltern haben für die Fluoridanwendung zwei Wahlmöglichkeiten, die sie individuell in der Kinderarztpraxis bei einer Vorsorgeuntersuchung besprechen und mit Zahnarzt- oder ärztin bei der ersten zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung (ZFU, ab dem sechsten Lebensmonat möglich): Entweder geben sie weiter die Tablette mit Fluorid und Vitamin D und beginnen das erste Zähneputzen ohne Zahnpasta oder mit einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid. Alternativ nehmen sie ab dem Zahndurchbruch nur Vitamin D als Tablette und putzen die Zähne mit einer bis zu reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid (parts per million, ppm) bis zu zweimal täglich.
  • Ab dem ersten Geburtstag gilt dann: Zweimal täglich putzen mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit Fluorid. Es ist wichtig, dass die Eltern die Zahnpasta genau dosieren. Lawrenz: „Die empfohlene Zahnpastamenge darf nicht überschritten werden, um eine zu hohe Fluoridaufnahme zu vermeiden. Denn Säuglinge und Kleinkinder können Zahnpasta noch nicht ausspucken.“ Zahnpasten aus Tuben mit kleinerer Öffnung und solche mit neutraler Farbe und neutralem Geschmack sind zu bevorzugen. Sie sollten für alle Kinder zwischen null und sechs Jahren 1.000 ppm Fluorid enthalten. Zahnmediziner Schiffner: „Einen Wunsch an die Tuben-Hersteller hätten wir noch: genauere Dosierungsmöglichkeiten!
  • Nach dem zweiten Geburtstag werden die Zähne zweimal täglich zu Hause mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta geputzt. Das Kind lernt das Putzen, die Eltern putzen die Kinderzähne sauber. Hinzu kann ergänzend ein drittes Zähneputzen in Kindergarten und Kitas kommen.

Eltern-Beratungen sind elementar

Elementarer Bestandteil der Gesundheitsprävention sei die Beratung und Aufklärung beiden kinder-und jugendärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und die praktische Schulung der Eltern bei den zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen, so Flothkötter. Darüber hinaus hätten Familien Anspruch auf zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat ihres Kindes.

Behutsam Zähneputzen ohne Widerstand

Um Zahnpflege zur Gewohnheit zu machen, sei es wichtig, das Kind behutsam und spielerisch an die Zahnbürste und das Zähneputzen heranzuführen und zu gewöhnen, so die Experten. Keinesfalls dürfe gegen den Widerstand des Kindes geputzt werden. Ein Lied, ein lustiger Reim oder eine Geschichte könnten dabei helfen.

Weitere Informationen

Die einheitlichen Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings-und frühen Kindesalter gibt es kostenlos zum Bestellen oder Herunterladen unter: www.ble-medienservice.de (Bestell-Nr. 0250). Unter www.gesund-ins-leben.de/kariespraevention gibt es Fotos zur sicheren Dosierung, eine Informationsgrafik zu den Empfehlungen und Details zur Pressekonferenz und zum Fachgespräch.

*Das Netzwerk ist im zur Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gehörenden Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) angesiedelt und eine Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

  1. Neue einheitliche Empfehlungen: Zähnevon Geburt an mit Fluorid schützen; Gesund ins Leben; 30.04.2021.

Bildquelle: © gettyImages/ferlistockphoto

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