24. Februar 2021

Neue S3-Leitlinie: Parodontitis Stadium I bis III

Die neue Leitlinie zur Behandlung von Parodontitis Stadium I bis III ist die deutsche Implementierung der S3-Leitlinie „Treatment of Stage I-III Periodontitis“ der European Federation of Periodontology (EFP). Die Empfehlungen in der Übersicht.

Lesedauer: 3 Minuten

Die DG PARO bezeichnet die neue Leitlinie als eine der “sicherlich wichtigsten zahnmedizinischen Publikationen”. Sie umfasst 157 Seiten, ist gut strukturiert, evidenz- und konsensbasiert. Originalempfehlungen der EFP-Leitlinie vom Juli 2020 wurden auf ihre Anwendbarkeit im deutschen Gesundheitssystem hin überprüft und teilweise angepasst. „Die neue Leitlinie ist diagnosebezogen und ermöglicht nun den Kollegen in der Praxis eine breite und umfangreiche Basis für eine evidenzbasierte Entscheidungsfindung in allen Phasen der Parodontaltherapie“, erläutert DG PARO-Präsidentin Professor Bettina Dannewitz.1

  • 36 Fachgesellschaften, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) sowie Patientenorganisationen waren an der Entstehung der deutschen Leitlinienversion beteiligt. Mitglieder des Steuerungskomitees waren der Leitlinienbeauftragte Prof. Moritz Kebschull, DG PARO-Präsidentin Prof. Dannewitz sowie Prof. Søren Jepsen als Verbindung zur EFP.

    Der Adaptionsprozess mit Blick auf das deutsche Gesundheitssystem wurde methodologisch vom Institut für medizinisches Wissensmanagement der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF-IMWi) begleitet und überprüft.

Neue Leitlinie ersetzt 2 noch gültige DG-PARO-Leitlinien

Die derzeit noch gültigen Leitlinien zur subgingivalen Instrumentierung sowie zum adjuvanten Einsatz von systemisch wirksamen Antibiotikain der Parodontaltherapie, werden durch die neue S3-Leitlinie ersetzt. Weiterhin gültig sind die beiden Leitlinien der DG PARO zur Therapie und Prävention der Gingivitis mittels mechanischen sowie chemischen häuslichen Biofilmmanagement.

Gliederung analog des Klassifikationssystems

Nach der Diagnose sollten Patienten nach einem stufenweise ablaufenden, aufeinander aufbauenden Therapiekonzept behandelt werden. Dabei sind die Therapiestufen vom Schweregrad abhängig und jedes Stadium bedarf unterschiedlicher Interventionen.

„Wir unterscheiden in unserer Leitlinie sehr deutlich zwischen den Phasen der aktiven Parodontaltherapie (APT) in den Therapiestufen eins bis drei sowie der Phase der unterstützenden Parodontaltherapie (UPT) –also der lebenslangen Begleitung der Patienten“, macht Prof. Søren Jepsen aufmerksam.

Die wichtigsten Empfehlungen im Überblick

Therapiestufe 1: Für die Grundlage der Parodontaltherapie bleibt die wichtigste Empfehlung die kontinuierliche Anleitung zu häuslichen Mundhygienemaßnahmen. „Das Rückgrat ist das mechanische Biofilmmanagement – häuslich oder professionell”, so Prof. Christof Dörfer, Sprecher der Arbeitsgruppe Therapiestufe eins. Auch andere Risikofaktoren wie Rauchentwöhnung und Diabeteskontrolle dürften nicht aus den Augen gelassen werden.

Therapiestufe 2: Die subgingivale Instrumentierung soll mit hand- oder maschinell-betriebenen Instrumenten entweder alleine oder in Kombination durchgeführt werden – beides ist also sinnvoll und empfehlenswert. Wichtig ist Prof. Jepsen für diesen Teil der Leitlinie aber der Hinweis auf die deutliche Kontraindikation zur systemischen Antibiotikagabe. Diese sollte aufgrund von Bedenken bezüglich der Gesundheit des Patienten und den Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung nicht routinemäßig zusätzlich eingesetzt werden.

Therapiestufe 3: Ebenfalls überdenken sollte man im Übergang zur nächsten Therapiestufe die Indikation zu parodontalchirurgischen Interventionen, wenn die individuelle Mundhygiene nicht ausreichend effektiv ist. „Eine chirurgische Therapie macht nur Sinn, wenn der Patient eingebunden werden kann“, resümiert Arbeitsgruppenleiter Prof. Peter Eickholz. „Und diese Eingriffe sollten dann nur bei Resttaschen größer als sechs Millimeter und von dafür qualifizierten Zahnärzten durchgeführt werden!“

Therapiestufe 4: Für den Teil der unterstützenden Parodontaltherapie weist Leitlinienkoordinator Prof. Kebschull noch einmal darauf hin, dass das beste Therapie-Outcome immer diejenigen haben werden, die es schaffen, den Patienten durch regelmäßiges Einbestellen, Schulung und Motivation zu einer Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient zu motivieren. „Wir dürfen nicht nur auf den Mund schauen, sondern müssen unseren Patienten immer wieder motivieren, eine Adhärenz mit unseren Maßnahmen zu zeigen – denn das, was wir als Parodontologen erreichen, ist nur von kurzer Dauer. Was der Patient täglich Zuhause erzielt, hat eine erheblich größere Auswirkung auf die Entwicklung seiner Parodontitis“, weiß Prof. Kebschull.

Experten-Videos als Service für die Kollegen

In kurzen Videos der DG PARO stellen die Autoren und Autorinnen die Entstehung und Bedeutung der Leitlinie in knapp 15 Minuten vor. Außerdem gibt es pro Therapiestufe jeweils ein zehnminütiges Video mit den wichtigsten Empfehlungen.

S3-Leitlinie ab sofort online abrufbar: Die Inhalte der neuen S3-Leitlinie Parodontitis Stadium I bis III sind auf den Internetseiten der AWMF, DGZMK und DG PARO zugänglich.

Ausblick: Ergänzend zur jetzt veröffentlichten Leitlinie wird demnächst mit der Erstellung einer weiteren begonnen, die sich mit der Behandlung der Parodontitis im Stadium IV beschäftigen wird.

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG.

coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653