26. November 2020

Mundspüllösungen gegen SARS-CoV-2

Welche Inhaltsstoffe zeigen eine viruzide Wirkung?

Laut walisischen Forschern können bestimmte Inhaltsstoffe von Mundwässern SARS-CoV-2-Viren in vitro innerhalb von 30 Sekunden abtöten. Die Studie erschien bislang erst auf einem Preprint-Server. Doch die Forscher planen bereits erste klinische Studien.

Lesedauer: 2,5 min

Die folgende Studie wurde auf dem Preprint-Server bioRxiv veröffentlicht und hat noch kein wissenschaftliches Begutachtungsverfahren durchlaufen. Redaktion: Dr. Nina Mörsch

7 Mundspüllösungen aus dem Handel

Die Wissenschaftler um Dr. Richard Stanton von der Universität von Cardiff, Großbritannien, testeten 7 handelsübliche Mundwasserformulierungen auf ihre viruziden Eigenschaften in Bezug auf SARS-CoV-2. Sie führten das Experiment unter in-vitro-Bedingungen durch, die ein 30-sekündiges Gurgeln im Nasenrachenraum simulieren sollten.

Die Mundwässer und ihre Inhaltsstoffe
Corsodyl7 % v/v Ethanol, 0,2 % (w/v) Chlorhexidin, Pfefferminzöl
Dentyl Dual Action 0,05 – 0,1 % (v/v) Cetylpyridiniumchlorid (CPC), außerdem Isopropylmyristat, Mentha Arvensis Extrakt
Dentyl Fresh Protect0,05 – 0,1 % (v/v) Cetylpyridiniumchlorid, außerdem Xylitol
Listerine Cool mint21 % (v/v) Ethanol, außerdem: Thymol, Eukalyptol, Methylsalicat und Menthol
Listerine Advances Gum Treatment23 % (v/v) Ethanol, außerdem: Ethyllaurylarginat (LAE),
SCD Max0,07 – 0,1 % (v/v) Cetylpyridiniumchlorid und Natriumzitrat 0,05 %, außerdem: Natriummonofluorphosphat
Videne7,5 % Povidon-Iod (PVP-I), 8,25 mg/ml Iod entsprechend

Das Ergebnis

  • Die beiden Dentyl-Mundwasser (Dentyl Dual Action, Dentyl Fresh Protect) mit Cetylpyridiniumchlorid (CPC) sowie Listerine Advanced mit Ethyl-Lauroyl-Arginat (LAE) führten zu einer vollständigen Eliminierung des Virus.
  • Eine mäßig viruzide Wirkung zeigten das jodhaltige Videne, SCD Max (CPC und Natriumzitrat) und Listerine Cool Mint, das 21 % v/v Alkohol und ätherische Öle enthält.
  • Ethanol allein mit <23 % hatte hingegen keinen Einfluss auf die Virusinfektiosität. Daraus schließen die Forscher, dass ätherische Öle oder LAE für eine optimale Wirksamkeit erforderlich zu sein scheinen.
  • Chlorhexidin zeigte kaum einen Effekt auf SARS-CoV-2.

Fazit der Autoren

Die hier vorliegenden Daten untermauern aus Sicht der Autoren, die zunehmenden Hinweise auf einen viruseliminierenden Effekt von herkömmlichen Mundspüllösungen gegen SARS-CoV-2. Die drei untersuchten Produkte mit der höchsten viruziden Wirksamkeit enthielten entweder 0,07-0,1 % CPC (Dentyl Dual Action, Dentyl Fresh Protect) oder 23 % Ethanol mit LAE (Listerine Advanced).

Wichtig sei dabei die Erkenntnis, dass die antiviralen Wirkungsmechanismen der Mundspülungen von der Lipidzusammensetzung der Virushülle und ihrer Empfindlichkeit gegenüber Tensiden und membranzerstörenden Substanzen abhängig sind, erklären die Forscher. Da diese Membran von Wirtszellmembranen abstamme, sei es unwahrscheinlich, dass sie durch Virusmutationen verändert wird.

Nächster Schritt: In vivo-Studien

Die Autoren weisen auf die Ergebnisse zweier vorläufiger in vivo-Studien mit allerdings sehr geringen Patientenzahlen hin: Diese legten nahe, dass Mundspülungen mit PVP-I und Chlorhexidin auch bei Covid-19-Patienten die Virusmenge reduzieren können. Allerdings fielen die Auswirkungen der Mundspülungen sehr unterschiedlich aus.

Auch erlaubten diese Studien bislang keine Aussagen darüber, wie effektiv Mundwässer in vivo bei der Verringerung des Virustiters und der Übertragung sein könnten. Entscheidend sei zu wissen, so die walisischen Forscher weiter, wie schnell infizierte Zellen nach einer Mundspülung neue Viren ausscheiden und “die Mundhöhle mit lebenden Viren wieder auffüllen”.

In einer zwölfwöchigen randomisierten und kontrollierten Studie am Universitätsklinikum in Cardiff untersuchen die Forscher deshalb, wie lange die viruzide Wirkung der Mundspülungen unter “echten” Bedingungen anhält und ob eine Behandlung zu einem verminderten Ansteckungsrisiko im klinischen Umfeld beitragen kann (z.B. klinische Untersuchungen des Oropharynx, Besuch von vulnerablen Personen oder Patienten).

Die Ergebnisse sollen Anfang 2021 veröffentlicht werden. Die Autoren geben an, dass die Unternehmen, deren Mundspülungen genutzt wurden, zwar Informationen für die Studie zur Verfügung stellten, diese allerdings nicht finanziell unterstützten.

Bochumer Forscher kamen bereits im Sommer zu ähnlichen Ergebnissen wie ihre walisischen Kollegen. Mehr dazu lesen Sie hier: SARS-CoV-2 – Mundspülungen könnte Risiko senken.

  1. Evelina Statkute et al. The Virucidal Efficacy of Oral Rinse Components Against SARS-CoV-2 In Vitro. bioRxiv 2020.11.13.381079; doi: https://doi.org/10.1101/2020.11.13.381079

Bild: © GettyImages/surasak tapanavongvet

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