Mozart auf dem Zahnarztstuhl lindert die Angst
Angst vor dem Zahnarztbesuch ist weit verbreitet und kann dazu führen, dass notwendige Behandlungen verschleppt werden. Das Hören von Musik während zahnärztlicher Behandlungen kann die Angst lindern – vor allem wenn die Musik den persönlichen Vorlieben entspricht.
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KV448 auf das Angstempfinden von Patientinnen und Patienten. (Foto: Getty Images | Murat Taner)
Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Marc Fröhling
Trotz der Möglichkeit der Lokalanästhesie ist der Zahnarztbesuch für etwa 30 % kleiner
Kinder und 15 % der Erwachsenen mit Angst und Schrecken verbunden. Zahlreiche
Faktoren wie die Geräusche der Instrumente, Gerüche von Blut und Füllmaterialen, Angst vor Würgereiz und Atemproblemen sowie Taubheitsgefühl und einsetzende Schmerzen nach Abklingen der Lokalanästhesie tragen dazu bei. Bei Kindern kommt oft noch die unbekannte Umgebung mit für sie unverständlichen Prozeduren und die Angst vor Kritik wegen mangelnder Zahnpflege hinzu. Mit verschiedenen Strategien versuchen die Praxisteams die Angst zu lindern, dazu gehört auch das Hören von Musik während des Eingriffs.
In einer Metaanalyse hat das Team um Kung-Chien Shih von der Abteilung für
Anästhesiologie am China Medical University Hospital in Taiwan jetzt untersucht, inwieweit
das Hören von Musik bei zahnärztlichen Eingriffen mit Lokalanästhesie die Angst bei
Erwachsenen und Kindern mindern kann. Insgesamt konnten dazu 24 kontrollierte klinische
Studien mit 1.830 Teilnehmenden ausgewertet werden, davon 15 Studien mit Kindern und 9
mit Erwachsenen.
Deutliche Reduktion des Angst-Scores bei Erwachsenen
Die Ablenkung durch Musik scheint bei vielen Menschen zu funktionieren – der Angst-Score
nahm im Vergleich zu Patientengruppen ohne Musik signifikant ab (SMD für Standard mean
difference -0,50). In der Subgruppenanalyse zeigte sich, dass sich bei Erwachsenen die
Angst durch Musik stärker positiv beeinflussen lässt als bei Kindern (SMD -0,51 vs. -0,47). Die Angstlinderung bei Kindern erreichte in dieser Metaanalyse keine Signifikanz, was nach
Meinung der Autorin auch mit der schwierigen Bewertung von Angstreaktionen bei kleinen
Kindern zusammenhängen kann.
Selbstgewählte Musik lindert die Angst am stärksten
Auch der Einfluss verschiedener Musikrichtungen wurde analysiert. Am stärksten war der
angstlösende Effekt bei von den Patientinnen und Patienten selbst ausgewählter Musik (SMD -1,01). Ansonsten schnitt bei Erwachsenen von den Musikrichtungen klassische Musik am besten ab (SMD -0,69), während andere Musikrichtungen wie Populär oder Instrumentalmusik z.T. gar keine angstlösende Wirkung zeigten. Ein in drei Studien untersuchtes audiovisuelles Angebot erwies sich als noch wirksamer als alleinige Musik.
Klassische Musik von Mozart besonders günstig
Das Team empfiehlt, ängstlichen Zahnarztbesucherinnen und -besuchern, zur Entspannung
das Hören von Musik anzubieten – möglichst nach eignen Musikpräferenzen. Ansonsten
scheint klassische Musik die beste Wahl zu sein. Hier weist die Autorin auf die bereits in
anderen Studien belegten positiven Effekte von Mozarts Musik und insbesondere der Sonate
KV448 hin, für die eine Veränderung der neurophysiologischen Aktivität im Gehirn mit
Förderung der Entspannung und Steigerung der kognitiven Fähigkeiten gezeigt wurde. Kindern sollte man die Wahl der Musik lieber selbst überlassen oder ein audiovisuelles
Angebot zur Ablenkung machen.
Viele Fragen bleiben noch offen und geben Raum für weitere Studien. So wurde z.B. nicht
untersucht, welchen Effekt Hörbücher oder Naturgeräusche wie Wellen haben und welchen
Unterschied es macht, ob man die Musik, über Lautsprecher oder Kopfhörer hört.


