29. Januar 2019

Wie viel Digitalisierung braucht die Zahnarzt-Praxis?     

 „Wie viel Digitalisierung muss, respektive sollte in der eigenen Praxis sein?“ „Wie sieht es mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis dabei für die Praxis aus?“ „Wie ist bei Neuanschaffungen oder Umrüstungen von digital arbeitenden bzw. gesteuerten Geräten, Hilfsmitteln und Datenverarbeitungssystemen am vorteilhaftesten zu verfahren?“

Lesedauer: 3 Minuten

Dieser Gastbeitrag von Dr. Markus Firla entstand in Kooperation mit Fabian Gehling und Daniel Gebing, ambiFOX GmbH.

Die richtigen Fragen stellen

Aus Sicht der Autoren empfiehlt sich als erster Schritt eine Check-Liste mit entsprechend zielführenden Fragen, um so eine Standortbestimmung der anvisierten Digitalisierungsschritte zu erlangen. Eine solche Check-Liste kann selbst erstellt werden oder von fachkundiger Seite bezogen werden. Nach Ansicht des zahnärztlichen Autors, eignen sich beispielsweise zahnärztliche, im örtlichen Kollegenkreis unterhaltene „Qualitätszirkel“ sehr gut dafür, eine anfängliche bis unter Umständen sogar vollumfängliche Auflistung der Vor- und Nachteile hinsichtlich notwendiger oder wünschenswerter Digitalisierungsmaßnahmen in der eigenen oder Kollegen-Praxis festzulegen.

Anhand so einer Checkliste können Sie dann essentielle Fragen beleuchten, wie etwa:

  1. Ist dieser Schritt der digitalen Aus- bzw. Umrüstung bzw. praxisinternen computergestützter Arbeitsverfahren tatsächlich verbindlich durch gesetzliche Regelungen vorgeschrieben oder nicht?
  2. Gibt es etwa Druck seitens „zuarbeitender Dritter“ (Dental-Depot, gewerbliches Dental-Labor, Software-/Hardware-Betreuer, Dienstleister von outgesourcten Arbeits- oder Verwaltungsprozessen) eine aufwand- und kostenträchtige Digitalisierungsmaßnahme vorzunehmen?
  3. Welchen Nutzen hat die Praxis von diesem weiteren Schritt in die Digitalisierung?
  4. Aufwand- und Kosten für die Anschaffung, die (bauliche) Vorbereitung der Installation und für diese dann selbst?
  5. Betriebsaufwand und Zusatzkosten für Unterhalt sowie Erhalt der Funktionstüchtigkeit?
  6. Cave: „Spielkind-Problematik“! – Zahnärzte sind meist leidenschaftliche „Bastler und Tüftler“ und sind sehr schnell für „technisches – heutzutage nicht selten digitales – Spielzeug“ sowie „Computerspiele“ zu begeistern.  

Bei einem derartigen fragenspezifisch fokusierten Vorgehen ist es auch dem zahnärztlichen „Nicht-Fachmann“ für das jeweilig anvisierte Digitalisierungsprojekt möglich abzuschätzen, ob die Anschaffung bzw. Veränderung für die Praxis wirklich sinnvoll und zweckmäßig, also letztendlich nutzbringend und kostengünstig ist.

Natürlich ist auch die Frage der Profitabilität sowie Rentabilität des geplanten Digitalisierungsvorhabens von Bedeutung. Auch rein „werbewirksame“, Praxismarketing relevante Aspekte der ins Auge gefassten Digitalisierungsmaßnahmen erlangen immer mehr Wichtigkeit, wollen aber ebenso vernünftig abgewogen werden, wie direkt greifbar nutzbringende Veränderungen der digitalen Infrastruktur in der Praxis.

Lohnen sich teure Aus- oder Umrüstungen?

So lässt sich aus zahnmedizinischer Sicht beispielsweise aufzeigen, dass es je nach Praxisstruktur und Patientenaufkommen gut überdacht sein will, ob eine 3D-Röntgenanlage überhaupt ein notwendiges Praxis-Gerät darstellt. Und ebenso rational kalkuliert muss sein, wie lange dieses Gerät in Betrieb bleiben muss – nicht zu vergessen: und wie oft es im Laufe der „Geräte-Lebenszeit“ denn dann auch eingesetzt worden sein muss –, um sich bezahlt gemacht zu haben.

Ein weiteres Beispiel ist die Einbeziehung digitaler Geräte zur CAD/CAM-Erstellung von zahntechnischen Werkstücken direkt, gemeint ist hier „chairside“ in der Zahnarztpraxis. Da solche computergesteuerten Fertigungsmaschinen nicht nur teuer in der Anschaffung sind, sondern auch eine gute Kenntnis, respektive Einarbeitung in das Bedienen und Agieren am Patienten erfordern, will ein derartig großer Schritt in Richtung digitaler zahntechnischer Workflow für eine Zahnarztpraxis sehr wohl überlegt sein.

Nicht ganz so kostenintensiv und auch nicht so dramatisch in der Frage, ob das angeschaffte Equipment sich tatsächlich amortisieren kann, ist es um Investitionen in digitale IT-Geräte oder Verfahren bestellt. IT-Geräte und Verfahren werden in Praxen meist nicht zur Umsatzerzielung genutzt, erleichtern aber dennoch das Management digitaler Daten. Als Musterbeispiel sei hier das Nutzen einer sogenannten Daten-„Cloud“ genannt, mit Hilfe derer als „digitales Outsourcen des Verarbeitens von Daten“, die Kosten für die Hardware einer Praxis langfristig deutlich reduziert werden können.

Hilfreiche Checklisten anfordern

Zur näheren Selbst-Beurteilung können von den Autoren unterschiedliche Check-Listen angefordert werden, die die Entscheidungen von verantwortlichen Inhabern zahnmedizinischer Dienstleistungseinrichtungen erleichtern, ob und in welchem Maße weitere Schritte hin zur verstärkten Digitalisierung ihrer zahnärztlichen Arbeitsbereiche durchgeführt werden sollten.

Dr. Markus Th. Firla ist seit 1994 als Zahnarzt in seiner eigenen Praxis in Hasbergen-Gaste tätig. Außerdem ist er seit vielen Jahren als zahnmedizinischer Fachjournalist und beratender Zahnarzt für Hersteller von Dentalprodukten engagiert. Diese Tätigkeiten werden über seine Agentur WeCoMed GmbH – Consulting & Services verfolgt. Ebenso ist er Gutachter des Medizinischen Diensts der Krankenkassen (MDK).

Fabian Gehling - staatlich geprüfter Betriebswirt – hat sich vom Auszubildenden bis zum Geschäftsführer hochgearbeitet. Bereits seit Jahren bestimmt er die technische Ausrichtung und Entwicklung des Hosting Bereichs. Hierbei hat er sich besondere Expertise in den Bereichen Storage, Virtualisierung und System Konzeptionierung erworben. Kontakt: f.gehling@ambifox.de

Daniel Gebing – Diplom Wirtschaftsinformatiker – hat schon während seines Studiums im Jahre 2001 das Unternehmen ambiFOX (zum damaligen Zeitpunkt KRP-IT) mitgegründet und zu einem Spezialisten für Full-Server Outsourcing im Bereich von sensiblen Kunden- / Mandaten-Daten aufgebaut. Er selber hat besondere Expertise in den Bereichen Netzwerk, Firewall & Cloud-Solutions. Kontakt: d.gebing@ambifox.de

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