Urologen kritisieren IGeL-Report 2024
Der kürzlich vom IGeL-Monitor veröffentlichte IGeL-Report 2024 stößt auf Kritik der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU). Die pauschale Verurteilung individueller Gesundheitsleistungen (IGeL) durch den Medizinischen Dienst Bund, Betreiber des IGeL-Monitors, diskreditiere den Stellenwert einzelner Maßnahmen wie den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs, so die DGU. Sie kritisiert außerdem die einseitige Berichterstattung vieler Medien, die den Report oft unreflektiert wiedergeben.
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Pauschale Kritik gefährdet Akzeptanz des PSA-Tests
„Indem Individuelle Gesundheitsleistungen wiederholt pauschal und undifferenziert als fragwürdig, wenig nützlich und teilweise schädlich diffamiert und Ärztinnen und Ärzten indirekt Angstmacherei aus monetären Interessen unterstellt wird, droht auch die Akzeptanz des PSA-Tests und damit das wichtigste Instrument zur Früherkennung der häufigsten Tumorerkrankung des Mannes Schaden zu nehmen“, sagt der Generalsekretär der DGU, Prof. Dr. Maximilian Burger. Die „tendenziell negative“ Bewertung des PSA-Tests durch den IGeL-Monitor kritisiert Burger als veraltet.
Der IGeL-Monitor bewertet aktuell 56 Individuelle Gesundheitsleistungen: „positiv“ beurteilt wurde keine Leistung, drei erhielten das Urteil „tendenziell positiv“, 23 IGeL das Ergebnis „unklar“ und weitere 30 Leistungen wurden entweder mit „tendenziell negativ“ oder mit „negativ“ bewertet.
Bewertung des PSA-Tests beruht auf veralteten Daten
Dabei beruft sich der IGeL-Monitor auf wissenschaftliche Evidenz und Leitlinienkonformität. „Im Fall des PSA-Tests beruht die Bewertung allerdings auf veralteten Daten, ist 2012 erstellt und zuletzt 2017 aktualisiert worden. Ignoriert wird zudem, dass laut der aktuellen S3-Leitlinie Prostatakarzinom Männern ab dem 45. Lebensjahr, die nach ergebnisoffener Aufklärung über die Vor- und Nachteile der Früherkennung von Prostatakrebs eine Früherkennungsuntersuchung wünschen, die Bestimmung des PSA-Wertes als Untersuchungsmethode angeboten werden soll“, betont der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., Prof. Dr. Bernd Wullich und verweist auf das „Positionspapier Risikoadaptierte Prostatakarzinomfrüherkennung 2.0“ der wissenschaftlichen Fachgesellschaft.
DGU fordert risikoadaptiertes PSA-Früherkennungsprogramm als Kassenleistung
Darin fordert die DGU, im Einklang mit der EU-Ratsempfehlung (2022/0290[NLE]), die Einführung eines organisierten risikoadaptierten PSA-basierten Prostatakarzinom-Früherkennungsprogramms als Leistung der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Der Algorithmus zur PSA-basierten Prostatakarzinomfrüherkennung ermögliche eine moderne Früherkennung, die sowohl zur Senkung der Mortalität und der palliativen Behandlungssituationen als auch der Überdiagnose und Übertherapie des Prostatakarzinoms beiträgt, so Prof. Wullich.
Dass der PSA-Test bereits jetzt bei einem Verdacht auf ein Prostatakarzinom und bei der Verlaufskontrolle eines Prostatakarzinoms zur Kassenleistung wird, unterstreicht seinen Stellenwert und die Unangemessenheit einer pauschalen Verurteilung aller IGeL.
Aufruf zu ausgewogener Berichterstattung über IGeL-Angebote
„Wir brauchen eine ausgewogene und transparente Berichterstattung über Individuelle Gesundheitsleistungen“, resümiert DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Axel Merseburger. „Dafür stehen die Vertretenden unserer Fachgesellschaft den Medienschaffenden jederzeit zu Hintergrundgesprächen und Interviews zur Verfügung.“




