20. November 2020

BvDU-Umfrage

Digitalisierung – ja, aber mit Sinn und Verstand!

Rund 76 Prozent der niedergelassenen urologischen Fachärzte in Deutschland begrüßen die Einführung digitaler Technologien im Gesundheitswesen, so die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage mit 300 Teilnehmern. Die Umfrage wurde vom Berufsverband der Deutschen Urologen (BvDU) durchgeführt. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Diese digitalen Innovationen wünschen sich Urologen

Als besonders sinnvoll erachten die Befragten dabei Innovationen wie einen eMedikationsplan auf der Versichertenkarte (83 Prozent), den Notfalldatensatz (74 Prozent) sowie den Kommunikationsdienst im Medizinwesen (KIM) (48 Prozent). Rund ein Drittel stimmte jeweils für eRezept, eAU sowie ePA.

Darüber hinaus gewünscht wurden beispielsweise die Vernetzung von Kliniken, Praxen und Krankenkassen, Schnittstellen zur Versorgungsforschung und Krebsregister sowie die Möglichkeit zur Speicherung und Übertragung von Blutwerten, Pathologie-Befunden oder bildgebender Verfahren.

TI-Nutzen kritisch bewertet

Der BvDU hat aber noch genauer nachgefragt und wollte wissen: Gibt es aktuell einen konkreten Nutzen der Telematik Infrastruktur (TI) für den urologischen Praxisalltag und wird damit die Patientenversorgung verbessert?

Weniger positiv als die Digitalisierung insgesamt werden die Installationen der TI bewertet. Nur 54 Prozent der Urologen sehen darin einen Mehrwert für ihre Praxen, 46 Prozent sehen ihn gar nicht. „Die TI baut auf völlig veralteten zentralisierten Strukturen, unsicheren Konnektoren und einem anfälligen Netzwerk auf“, kritisiert Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen (BvDU) e.V. „Sie zieht Kosten und teure Sicherheitsmaßnahmen in den Praxen nach sich. Hinzu kommen die nicht geklärten Fragen zur Haftung, Kostenübernahme und Datensicherheit sowie deren Folgeabschätzung.“ Gut zwei Drittel (69 Prozent) aller befragten urologischen Praxen waren schon von Störungen des Netzwerks oder der Konnektoren betroffen.

Krankenkassen sollen TI finanzieren

Die Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer (93 Prozent) war sich einig: Die Investitionskosten für die Einführung neuer Techniken sollten durch die Krankenkassen getragen werden. Auch müsse nach Meinung von 74 Prozent der Urologen die Digitalisierung im EBM abgebildet werden, 60 Prozent forderten von Politik und KBV ein Moratorium bis zur Lösung der Probleme.

„Die neuen Technologien sollen uns Ärzte entlasten und nicht belasten“, so Schroeder. „Wir fordern einerseits, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Patienten darauf vorbereiten. Und andererseits benötigen wir Ärzte dringend klare Regelungen für Datenschutz, Haftung und Finanzierung.“ Sollte dies nicht zeitnah geschehen, würden sich sogar 73 Prozent der Befragten Widerstandsbekundungen in Form von Patienteninformationen (80 Prozent), Tagesaktionen wie beispielsweise Praxisschließungen (47 Prozent) oder Protestkundgebungen (35 Prozent) anschließen.

  1. Pressemitteilung des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. Urologen befürworten grundsätzlich Digitalisierung, 12.11.2020.

Bildquelle: © GettyImages/ipopba

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