16. Oktober 2019

DGU 2019

Sorgenkind PSA-Test: Großangelegte Studie will Antworten liefern

Der PSA-Test zur Früherkennung des Prostatakarzinoms wird trotz Empfehlungen nationaler und internationaler Fachgesellschaften von deutschen Krankenkassen nicht erstattet. Gegner des PSA-Screenings befürchten eine Überversorgung. Die PROBASE-Studie mit über 45.000 Patienten will nun letzte Zweifel aus dem Weg räumen.

Lesedauer: 3 Minuten

Der folgende Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung über die PROBASE-Studie. 1 Redaktion: Marina Urbanietz

PSA-Test ab 45 oder 50?

Ziel der PROBASE-Studie (Risk-adapted prostate cancer early detection study based on a “baseline” PSA value in young men – a prospective multicenter randomized trial) ist eine Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe des PSA-Werts. Es wird untersucht, ob der erste PSA-Test im Alter von 45 Jahren erfolgen sollte oder ob ein Beginn des risikoadaptierten Screenings im Alter von 50 Jahren ausreicht.

Die Studie soll zeigen, ob Männer, die das risikoadaptierte PSA-Screening im Alter von 50 Jahren beginnen, bis zum Alter von 60 Jahren nicht häufiger ein metastasiertes Prostatakarzinom entwickeln, als Männer, bei denen eine vergleichbare Vorsorge im Alter von 45 Jahren anfängt. Außerdem soll untersucht werden, ob der verzögerte Beginn des Screenings die Rate an unnötigen diagnostischen und therapeutischen Interventionen zukünftig deutlich reduzieren kann.

Urologie 2019: Alle wichtigen Themen im Überblick

Neue Therapien im Bereich der Uroonkologie, Inkontinenz und Urolithiasis; die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakarzinom oder die Reform der Notfallversorgung – hier finden Sie alle wichtigen urologischen Themen mit Expertenmeinungen und praxisrelevanter Einschätzung der coliquio-Mitglieder.

Soll PSA-Test Kassenleistung werden? Das sagen Ihre Kollegen

Der Stellenwert des PSA-Screenings in regelmäßigen Abständen bei allen Männern ab einem bestimmten Alter ist eins der meistdiskutierten Themen – auch auf dem diesjährigen DGU-Kongress. Im folgenden Video berichten vier Ärzte über Ihre Erfahrungen:

Videodauer: 3 Minuten

Auch im coliquio-Forum wurde das Thema bereits diskutiert. Was Ihre Kollegen über den PSA-Test sagen, lesen Sie hier.

Bis heute über 45.000 Männer in die Studie eingeschlossen

Für die Studie werden die Teilnehmer randomisiert im Verhältnis 1:1 zwei Gruppen zugeordnet: Gruppe A erhält den ersten PSA-Test im Alter von 45 Jahren, Gruppe B hingegen erst im Alter von 50 Jahren. Das sich anschließende risikoadaptierte PSA-Screening ist in beiden Gruppen identisch: Bei Männern mit einem Ausgangs-PSA-Wert <1,5 ng/ml werden weitere PSA-Tests nur im Abstand von fünf Jahren vorgenommen.

Bei Männern mit einem Ausgangs-PSA-Wert von 1,5-2,99 ng/ml, die ein höheres Erkrankungsrisiko haben, erfolgen die weiteren PSA-Messungen im Abstand von zwei Jahren. Sobald der PSA-Wert über 3 ng/ml liegt – zu Beginn oder in den Nachfolgetests – schließen sich weiterführende Untersuchungen an. Auch eine MRT-Untersuchung der Prostata wird im Rahmen der Studie für Patienten vor einer Gewebeentnahme in der Hochrisikogruppe angeboten.

Die Studie hat ab 2014 an vier Studienzentren bundesweit (Universitätsklinikum Düsseldorf, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinikum rechts der Isar der TU München, Medizinische Hochschule Hannover) über einen Zeitraum von fünf Jahren planmäßig insgesamt bis jetzt über 45.000 Männer eingeschlossen. Die Studie wird noch bis zum 31.12.2019 rekrutieren und danach ausgewertet. Die rekrutierten Männer werden insgesamt 15 Jahre nachbeobachtet.

4 PSA-Tests bis zum 60. Lebensjahr könnten ausreichen

Schon jetzt ist ersichtlich, dass die Hypothese der Studie bezüglich der Risikogruppengröße bestätigt wurde. Etwa 90% der Männer werden zur niedrigsten Risikogruppe gehören (d. h. vier PSA-Tests bis zum 60. Lebensjahr wären wahrscheinlich ausreichend, um die Entstehung eines Prostatakrebses im Alter von > 60 Jahren auszuschließen).

PSA-Screening künftig ab 50?

Wenn sich dieses Ergebnis bei genauer Analyse auch in der Gruppe der 50-jährigen Probanden bestätigt, könnte die Prostatakarzinom-Vorsorge künftig fünf Jahre später beginnen, da derzeit in der Deutschen S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom empfohlen wird, Männer im Alter ab 45 Jahren mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren über die Vor- und Nachteile des PSA-Screenings aufzuklären.2 Zudem wäre ein risikoadaptiertes Screening Standard und würde für über 90% der Männer einen Großteil unnötiger Diagnostik und Therapie verhindern.

Darüber hinaus hat die PROBASE-Studie den Aufbau einer großen deutschen Biobank ermöglicht, mit der sich künftig zahlreiche weitere Fragen zum Prostatakarzinom erforschen lassen.

  • Das Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Bosbach, ehem. MdB, und wird von der Deutschen Krebshilfe (DKH) gefördert. Unter Leitung von Prof. Dr. Peter Albers vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Prof. Dr. Nikolaus Becker / Prof. Dr. Rudolf Kaaks aus der Abteilung für Krebsepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg prüfen drei weitere deutsche Zentren (Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend, TU München-Klinikum rechts der Isar; Prof. Dr. Markus Hohenfellner, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Markus Kuczyk, Medizinische Hochschule Hannover) diesen Ansatz zur Optimierung des PSA-Screenings,der bisher noch in keiner Studie weltweit systematisch und prospektiv untersucht wurde.

Wissenschaftliche Stellungnahme der DGU zum Nutzen des PSA-Tests

Auf dem diesjährigen Urologen-Kongress hat Professor Dr. Oliver Hakenberg eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Nutzen des PSA-Tests vorgestellt, um die Aufnahme des Tests in die gesetzliche Krebsfrüherkennung zu beschleunigen.

  1. Pressemitteilung “PROBASE: Große deutsche Studie zum Prostatakrebs-Screening wird Ende des Jahres 2019 erfolgreich die Rekrutierung beenden”, 19. September 2019
  2. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. 2018

Bildquelle: © Getty Images/jarun011

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