28. August 2020

S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen

Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. wurde die erste S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms erstellt. Ziel der Leitlinie ist es, die Versorgung von Betroffenen in frühen und späteren Erkrankungsstadien zu optimieren und somit eine verbesserte Lebensqualität zu erreichen. Zudem wurden in die Behandlungsempfehlungen auch psychoonkologische Maßnahmen integriert. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Screening auf psychosoziale Belastungen

Die Erkrankung beeinflusst die Lebensqualität und Sexualität der Betroffenen. Bereits mit Diagnosestellung sollen die Behandler die Patienten deshalb angemessen aufklären: „Dazu gehört, die Patienten über fertilitätserhaltende Maßnahmen, aber auch über soziale, finanzielle und psychoonkologische Unterstützung zu informieren“, sagt Leitlinienkoordinator Prof. Dr. Oliver Hakenberg von der Universitätsmedizin Rostock. Darüber hinaus sollen alle Patienten ein Screening auf psychosoziale Belastungen erhalten.

Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Erkrankungsstadien

Neben der Patientenaufklärung und psychoonkologischen Aspekten gibt die Leitlinie zudem Behandlungsempfehlungen zu verschiedenen Erkrankungsstadien: „Ist die Erkrankung noch nicht weit fortgeschritten, stehen die lokale Tumorkontrolle und der Organerhalt im Vordergrund“, sagt Hakenberg. Für die Behandlung des Primärtumors stehen verschiedene Therapien zu Verfügung, etwa eine Operation, Laserablation, Strahlentherapie und eine medikamentöse Therapie. Selbst in einem frühen Erkrankungsstadium können sich in den Leistenlymphknoten Mikrometastasen ansiedeln. Aufgrund der schlechten Prognose bei einem Lymphknotenrezidiv sollten deshalb alle Lymphknotenmetastasen entfernt werden.

Interdisziplinäres Tumorboard zur Therapieentscheidung

Das metastasierte Peniskarzinom stellt aufgrund der schlechten Prognose und der begrenzten Studiendaten eine besondere Herausforderung dar. „Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung und auch im Falle einer multimodalen Therapie sollte in jedem Fall ein interdisziplinäres Tumorboard zur Therapieentscheidung herangezogen werden“, so Hakenberg.

Die Leitlinie ist auf dieser Webseite kostenfrei abrufbar. Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier herunterladen.

Das Peniskarzinom gehört zu den seltenen Tumorerkrankungen. Laut dem Robert Koch-Institut sind in Deutschland im Jahr 2014 insgesamt 950 Männern neu daran erkrankt. Im gleichen Jahr verstarben 197 Betroffene an einem Peniskarzinom.

  1. Neu: S3-Leitlinie zum Peniskarzinom erschienen; idw; 27.08.2020.

Bildquelle: © GettyImages/ermingut

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