Größere Prostata schützt vor fortgeschrittenen Tumor-Stadien
Ein größeres Prostatavolumen bietet offenbar einen Schutz vor fortgeschrittenen Prostatakarzinom-Stadien. Dies geht aus einer Studie der Indiana University School of Medicine hervor, die kürzlich in The Prostate veröffentlicht wurde. 1
Lesedauer: ca. 2 Minuten

Autorin: Andrea Hertlein | Redaktion: Marina Urbanietz
Operative Hürden bei großem Prostatavolumen
Die Forscher haben einen signifikanten Zusammenhang zwischen Prostatagröße und onkologischen Ergebnissen bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakrebs festgestellt. Dies könnte die Risikobewertung sowie zukünftige Behandlungsstrategien bei Prostatakrebs maßgeblich beeinflussen.
Unter der Leitung von Zain Abedali untersuchten die Wissenschaftler retrospektiv Daten von 3425 Patienten mit einem lokalisierten Prostatakarzinom, die sich einer roboterassistierten Prostatektomie unterzogen hatten. Sie erfassten präoperative, operative und postoperative Variablen, darunter das pathologische Stadium, das Risiko für positive Schnittränder und das Auftreten eines biochemischen Rezidivs (BCR). Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 52 Monate.
Die radikale Entfernung der Prostata mit Hilfe eines Roboters wird zunehmend bei der Therapie von Prostatakrebs eingesetzt, stellt jedoch bei Patienten mit vergrößerter Prostata besondere Herausforderungen dar. Dazu gehören vor allem eine eingeschränkte Mobilität und schlechtere Sichtbarkeit während des Eingriffs.
Schutz vor positiven Schnitträndern
Die Studie konnte zeigen, dass eine vergrößerte Prostata das Risiko für ein fortgeschrittenes pathologisches Krebsstadium (≥T3) sowie für positive Schnittränder – also den Verbleib von Krebszellen an den Rändern des entfernten Gewebes – signifikant senkt. Mit einer Odds Ratio von 0,989 (p<0,001) für das pathologische Stadium und 0,990 (p<0,001) für positive Absetzungsränder zeigte sich ein klarer protektiver Effekt eines größeren Prostatavolumens. Mit mehr Gewebe zwischen der Kapsel und dem Tumor könne eine größere Drüse das Risiko verringern, verbleibende Tumorzellen am Rand zu hinterlassen, schreiben die Studienautoren.
Allerdings stellte die Studie auch fest, dass mit zunehmender Prostatagröße das Risiko eines biochemischen Rezidivs (BCR) leicht anstieg. Das biochemische Rezidiv beschreibt einen erneuten Anstieg des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) im Blut, was auf ein Wiederauftreten des Tumors hinweisen kann. Dieser Anstieg war jedoch eher moderat und vor allem bei Patienten mit niedrigerem Krebsrisiko (Gleason-Grade 1 und 2) signifikant.
Protektiver Effekt vor allem bei geringem und mittlerem Risiko
Besonders deutlich waren die protektiven Effekte einer größeren Prostata bei Patienten, die in die Gleason-Gradgruppen 1 und 2 eingestuft wurden. Die Ergebnisse könnten künftig die chirurgische Planung und Risikobewertung von Prostatakrebspatienten beeinflussen, so die Wissenschaftler. Vor allem bei Patienten mit niedrigem bis mittlerem Risiko könnten größere Prostatadrüsen das Fortschreiten des Krebses verlangsamen und die Notwendigkeit für zusätzliche Behandlungsschritte nach der Operation verringern. Weitere Studien seien jedoch erforderlich.
Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.
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