18. August 2020

Neues aus der Forschung

Porno-Zuschauer haben häufiger Erektionsstörungen

Können Pornos bei Erektionsstörungen helfen – oder bewirken sie vielleicht genau das Gegenteil? Forscher kamen jetzt bei einer Befragung Tausender Männer zu überraschenden Ergebnissen.1,2

Lesedauer: 2,5 Minuten

Umfrage mit 3267 Teilnehmern

An der Umfrage hatten insgesamt 3267 Männer vor allem aus Belgien und Dänemark teilgenommen. In der Studie sollten nur Männer teilnehmen, die in den vier Wochen davor Sex hatten. Forscher aus diesen beiden Ländern und Großbritannien hatten die Untersuchung mit 118 Fragen erstellt. Alle Fragen finden Sie hier >> Die Ergebnisse haben Wissenschaftler auf dem diesjährigen Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie vorgestellt.

23 % der Männer unter 35 Jahren berichten über Erektionsstörungen

,,Männer schauen ziemlich viel Pornos, im Durchschnitt etwa 70 Minuten pro Woche, normalerweise für 5 bis 15 Minuten”, berichtete Studienleiter Gunter de Win von der belgischen Universität Antwerpen. Der Spitzenwert lag bei mehr als 26 Stunden pro Woche. Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 23 Prozent der Männer unter 35 Jahren berichteten über Erektionsstörungen beim Sex mit Partnern.

Signifikanter Zusammenhang zwischen Ansehen von Pornos & Erektionsstörungen

,,Es ist eine Befragung und keine klinische Studie. Und es könnte sein, dass die Männer, die geantwortet haben, nicht repräsentativ für die ganze männliche Bevölkerung sind”, räumte Professor de Win ein. Aber: Die Stichprobe sei groß und sie zeige einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Zeit, die für das Ansehen von Pornos genutzt werde, und Erektionsstörungen beim Sex mit Partnern. ,,Es besteht kein Zweifel, dass Pornos die Art und Weise beeinflussen, wie wir Sex sehen”, so der Forscher. Viele Männer hätten angegeben, derzeit extremere Pornos als früher anzuschauen, um überhaupt noch erregt zu werden. 90 Prozent der Teilnehmer spulten vor, um die am stärksten erregenden Szenen früher zu sehen.

Ärzte, die Männer mit Erektionsproblemen behandelten, sollten daher nachfragen, ob ihre Patienten viele Pornofilme konsumierten, rät de Win. Es gab zunächst keine Aussagen darüber, ob umgekehrt Erektionsstörungen auch zu häufigeren Pornokonsum führen.

Hilfe für Patienten: Auf dem Internet-Portal “Impotenz-Selbsthilfe” finden Betroffene wissenswerte Infos zum Thema Erektionsstörungen – Ursachen, Möglichkeiten zur Behandlung sowie Tipps von anderen Betroffenen. In einem anonymen Bereich des Portals können Patienten sich untereinander austauschen und persönliche Fragen stellen. Zur Webseite >>

Impotenz durch regelmäßigen Pornokonsum?

,,Es gibt mehrere Studien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen”, sagte Psychotherapeutin Tabea Freitag aus Hannover, die die Fachstelle Mediensucht ,,return” gegründet hat. ,,Impotenz in der Partnerschaft durch regelmäßigen Pornokonsum ist ein häufiges Problem.” Sie verweist noch auf eine andere negative Folge: ,,Gewalt und Erniedrigung ist zum normalen Bestandteil der Mainstream-Pornografie geworden. Vor allem jüngere Männer erwarten zunehmend von ihren Partnerinnen, schmerzhafte Praktiken mitzumachen.”

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Psychologen am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung konnten mit einem Magnetresonanztomografen sogar Veränderungen der Gehirnstruktur bei Männern nachweisen, die viele Pornos guckten. Pornos könnten positive und negative Auswirkungen haben. Sie würden auch als Hilfsmittel bei der Behandlung sexueller Funktionsstörungen verwendet, sagte Maarten Albersen von der belgischen Universität Löwen. ,,Die neue Studie trägt zu einer laufenden Debatte zu diesem Thema bei.” Es handele sich um einen kontroversen Bereich, betonte der Urologe, der nicht an der Befragung beteiligt war. ,,Das letzte Wort zu diesem Thema ist noch nicht gesprochen.”

  1. Forscher: Porno-Zuschauer haben häufiger Erektionsstörungen; dpa; Juli 2020.
  2. More porn, worse erectile function, 17.07.2020

Bildquelle: © gettyImages/Marcos Calvo

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