Perioperative Antibiotika-Gabe bei Eingriffen an der Prostata
Mit einer perioperativen antibiotischen Prophylaxe (PAP) möchte man die Häufigkeit postoperativer Infektionen bei urologischen Eingriffen reduzieren – auf der anderen Seite soll ein übermäßiger Gebrauch von Antibiotika vermieden werden. Trotz der vorhandenen Richtlinien ist die Variabilität in der klinischen Praxis bei den verschiedenen urologischen Eingriffen hoch.
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autorin: Maria Weiß | Redaktion: Marina Urbanietz
PD Dr. med. Jonas Herrmann vom Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin fasst in einem aktuellen Übersichtartikel (Springer Medizin, Uro-News 10/2024)1 noch einmal die allgemeinen und spezifischen Empfehlungen der amerikanischen und europäischen urologischen Fachgesellschaften zusammen.
Allgemein wird empfohlen, eine PAP immer dann in Erwägung zu ziehen, wenn normale Gewebebarrieren eröffnet werden. Dazu gehören die Kontaminationsklassen sauber/kontaminiert (z.B. Nephrektomie, Zystektomie, Prostatektomie, transperineale Prostatabiopsie und endoskopische Eingriffe) und kontaminiert (z.B. transrektale Prostatabiopsie).
Bei urologischen Eingriffen der Kontaminationsklasse „sauber“ (z.B. Leisten- und Skrotaleingriffe ohne Infektion) ist eine PAP meist nicht erforderlich. Ausnahmen sind die Implantation von Prothesen sowie Leisten- und Perinealinzisionen, bei denen das Risiko für chirurgische Infektionen erhöht sein kann. Zystoskopien und urodynamische Untersuchungen erfordern keine PAP bei gesunden Erwachsenen, wenn keine infektiösen Anzeichen und Symptome vorliegen.
Einmalgabe von Antibiotika reicht meist aus
Bei unkomplizierten urologischen Fällen reicht die einmalige PAP-Gabe in der Regel aus. Die PAP sollte innerhalb einer Stunde vor Beginn der chirurgischen Maßnahme verabreicht werden und auf die am wahrscheinlichsten vorkommenden lokalen Erreger abzielen. Die PAP wird nach Verschluss der Wunde und Abschluss des Eingriffs beendet – auch wenn noch Drainagen liegen.
Eine Harnwegsinfektion sollte vor urologischen Eingriffen immer ausgeschlossen werden. Dazu müssen Patienten und Patientinnen nach entsprechenden Symptomen gefragt werden. Liegt zeitgleich zur geplanten OP eine Infektion vor, ist es bei elektiven urologischen Eingriffen sinnvoll, den Eingriff zu verschieben, zumindest bis eine ausreichende antimikrobielle Behandlung begonnen und in ausreichender Konzentration im Gewebe vorhanden ist. Asymptomatische Bakteriurie und/oder Fungurie erfordert meist keine PAP vor einem urologischen Eingriff mit niedrigem Risiko – eine Ausnahme sind Schwangere.
Empfehlungen bei spezifischen urologischen Eingriffen
Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)
Von der EAU wird mit hoher Evidenz eine PAP empfohlen. Geeignet sind Trimethoprim, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Cephalosporine der zweiten oder dritten Generation sowie Aminopenicillin mit Beta-Laktamase-Inhibitor.
HoLEP/ThuLEP (Laserenukleationen der Prostata)
Die EAU-Leitlinie spricht für die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata (HoLEP) und die Thulium-Laser-Enukleation der Prostata (ThuLEP) keine Empfehlung aus. Die amerikanische Leitlinie der AUA empfiehlt eine PAP, die ggf. an die Resistenzlage in Europa bzw. Deutschland angepasst werden müsste.
Transrektale Prostatabiopsie
Vor einer transrektalen Prostatabiopsie sollte immer eine an die lokale Resistenzlage angepasste antibiotische Prophylaxe durchgeführt werden. Ausschlaggebend für die Wahl der Antibiotika ist idealerwesie das Ergebnis eines Rektalabstriches oder einer Stuhlkultur. Ist dies nicht möglich, sollte eine augmentierte Prophylaxe mit mindestens zwei Antibiotikaklassen in Betracht gezogen werden (z.B. Cefuroxin und Gentamycin). Zusätzlich kann zur Reduktion der rektalen Keimlast eine Povidon-Iod-Gabe als Einlauf oder Suppositorium durchgeführt werden.
Transperineale Prostatabiopsie
Immer mehr Studien weisen darauf hin, dass hier im Routinefall keine PAP erforderlich ist. Ausnahmen können Patienten mit Immunschwäche oder Dauerkatheter sein, bei denen von einem erhöhten Infektionsrisiko ausgegangen werden muss. Die EAU wartet mit einer Empfehlung noch die Ergebnisse einiger laufender Studien ab.
Radikale Prostatektomie
Für die radikale Prostatektomie ist die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu schwach, um Empfehlungen für oder gegen eine PAP auszusprechen. Die AUA empfiehlt die Einmalgabe von Cefazolin oder alternativ Clindamycin und Aminoglykoside, Cefuroxim sowie Aminopenicillin mit Beta-Laktamase-Inhibitor und Metronidazol. Auch hier müssen die Antibiotikaresistenz-Unterschiede in Europa und Deutschland berücksichtigt werden.
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