02. Juli 2021

Pandemiebedingter „Hygiene-Zuschlag“ nicht ausreichend

Der Erweiterte Bewertungsausschuss hat die Zusatzkosten für den durch die Coronapandemie bedingten erhöhten Hygieneaufwand auf 98 Millionen Euro beziffert – aus Sicht der Urologen nur “ein Tropfen auf dem heißen Stein”.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Berufsverband sieht weiterhin Handlungsbedarf

Vor wenigen Tagen wurde ein Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses (E-BA) veröffentlicht, in dem die Kassen verpflichtet werden, in diesem Jahr zusätzlich zu der bereits vereinbarten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) weitere 98 Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Damit soll der durch die SARS-CoV-2 Pandemie bedingte erhöhten Hygieneaufwand in den Vertragsarztpraxen ausgeglichen sein. Der E-BA hat einen Sofortvollzug angeordnet. Mit der Maßgabe weitere fachgruppenspezifische Hygienezuschläge im EBM festzulegen. Der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BvDU) nimmt die Bereitschaft des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Kenntnis. Doch: „Für uns ist dieser Beschluss inakzeptabel. Dies ist nur ein kleiner Tropfen auf einen sehr heißen Stein“, stellt BvDU-Präsident Dr. Axel Schroeder in einer Pressemitteilung fest.

Unterdeckung der Kosten im Bereich Hygiene und Medizinproduktaufbereitung besteht weiterhin

In der Urologie gab es vor der Pandemie allein schon im Jahr 2018 eine Unterdeckung von 100 Millionen Euro lediglich bei der Medizinproduktaufbereitung der Endoskope. Die praxisbezogenen Anforderungen und Kosten für Hygiene und Medizinproduktaufbereitung sind nachweislich über Jahre hinweg angestiegen. Darauf hat der BvDU immer wieder aufmerksam gemacht und gefordert, dass das Geld auch der Leistung folgt.

„Die aktuelle Entscheidung deckt die enorm gestiegenen Hygienekosten nicht einmal annähernd. Wir sind sehr verärgert über die Ignoranz der Krankenkassen“ fasst Dr. Schroeder zusammen. „Der BvDU fordert die Kassenseite eindringlich auf, sich endlich mit konstruktiven Finanzierungsvorschlägen in die Gespräche einzubringen, die Blockadehaltung aufzugeben.

„Hygienekampagne“ wird fortgesetzt

Für den BvDU heißt das: Die Forderung nach einer adäquaten Vergütung der seit Jahren gestiegenen Aufwendungen einer qualifizierten Hygiene- und Medizinproduktaufbereitung bleibt weiterhin unser Engagement im Sinne der Patientensicherheit und der Interessenvertretung unserer Mitglieder. Deshalb wird der Berufsverband gemeinsam mit anderen fachärztlichen Berufsverbänden aus dem SpiFa-Verbund ab Mitte August mit einer 2. Welle seiner Hygienekampagne in Deutschland starten, um den Verhandlungen mit der Selbstverwaltung mehr Nachdruck zu verleihen.

Die Vorbereitungen im BvDU und SpiFa laufen, um Öffentlichkeit herzustellen, dass u.a. bestimmte endoskopische Leistungen ( z. B. Blasenspiegelungen) unter den derzeitigen Voraussetzungen nicht mehr im bisherigen Umfang erbracht werden können.

  1. Pandemiebedingter „Hygiene-Zuschlag“ nicht ausreichend; BvDu; 01.07.2021.

Bildquelle: © gettyImages/hidesy

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653