17. Juli 2020

Nierenzellkarzinom

Harnleiter- und Hodenmetastasen treten Jahrzehnte nach Erstdiagose auf

Auch noch Jahrzehnte nach der Diagnose und Ersttherapie eines Nierenzellkarzinoms kann es zu Spätmetastasen kommen. Dass dies auch seltene Lokalisationen wie Harnleiter und Hoden betreffen kann, zeigt ein aktueller Fallbericht aus der Fachzeitschrift “Der Urologe” (de Jonge, L. et al.). 1

Lesedauer: 2 Minuten

Mikroskopische Aufnahme eines Nierenzellkarzinoms (<span>RCC</span>)
Mikroskopische Aufnahme eines Nierenzellkarzinoms (RCC)

Redaktion: Maria Weiß

Vorgeschichte

Als sich der Patient mit einer schmerzlosen Makrohämaturie in der Klinik für Urologie am Klinikum Nürnberg vorstellte, hatte er schon eine lange Vorgeschichte bezüglich eines Nierenzellkarzinoms (NZK). 1994 wurde bei ihm erstmal ein NZK rechts diagnostiziert und es erfolgte eine Tumornephrektomie rechts. Lymphknoten- und Fernmetastasen lagen zu diesem Zeitpunkt nicht vor und der Tumor konnte im Gesunden (R0) entfernt werden. Zehn Jahre später traten Metastasen beidseits pulmonal und im rechten Schilddrüsenlappen auf, die alle R0-reserziert werden konnten. Weitere vier Jahre später wurde ein metachroner Zweittumor der linken Niere diagnostiziert, der nierenerhaltend enukleiert werden konnte und mit sechs Zyklen Sunitinib behandelt wurde.

Über Jahrzehnte immer wieder einzelne Metastasen

Nachdem er drei Jahre bei guter Lebensqualität rezidivfrei blieb, entwickelt er ab 2012 immer wieder Metastasen in verschiedenen Lokalisationen wie Lunge, Nebenniere, HWS und Gehirn. Interdisziplinär entschied man sich in dieser Situation zu einer Immun-Checkpoint-Blockade und einer stereotaktischen Bestrahlung zur Lokaltherapie.

Im Januar 2019 stellte er sich dann mit einer Makrohämaturie bei sonstiger Beschwerdefreiheit vor. Lisa Dejonge und ihre Kollegen stellten jetzt Raumforderungen im linken Harnleiter und rechtem Hoden fest, die sich bioptisch erneut als Metastasen eines klarzelligen NZK entpuppten. Die Harnleitmetastase wurde ureterorenoskopisch mittels Laserkoagulation entfernt und es wurde eine Orchiektomie durchgeführt, die Nivolumab-Therapie unter engmaschiger CT-Kontrolle wurde fortgeführt.

Sechs Monate nach der Operation war der Patient rezidivfrei und im guten Allgemeinzustand. Insgesamt hat er bisher 25 Jahre nach Erstdiagnose und 15 Jahre nach der ersten Metastasierung überlebt.

R0-Resektion bietet die besten Überlebenschancen

Rezidive sind nach potenziell kurativer Nephrektomie bei NZK mit einer Rate von 30 bis 50 % nicht selten. Die meisten Metastasen treten zwar innerhalb der ersten zwei Jahre auf – bei ca. 11 % kommt es aber erst nach zehn Jahren zu Spätmetastasen. Die meisten findet man in Lunge, Lymphkoten, Leber, Knochen und Gehirn – aber im Prinzip können alle Organsysteme betroffen sein. Bei entsprechenden Symptomen sollte daher auch Jahrzehnte nach Erstdiagnose eines NZK an die Möglichkeit einer Metastasierung gedacht werden, schreibt die Urologin.

Die therapeutische Maßnahme mit den besten Überlebenschancen ist die komplette R0-Resektion der Metastase. Ist eine vollständige Operation nicht möglich, stellt die stereotaktische Radiotherapie eine Alternative dar. Grundsätzlich sollten alle Therapieentscheidungen bei Spät- und Oligometastasierung individuell und im interdisziplinären Team getroffen werden.

  1. L. de Jonge et al; Harnleiter- und Hodenmetastase 25 Jahre nach Nephrektomie – Langjähriges Überleben mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom; Der Urolologe (2020); DOI: https://doi.org/10.1007/s00120-020-01147-3

Bildquelle: © GettyImages/OGphoto

Jetzt kommentieren

Möchten Sie den Beitrag kommentieren?

Angemeldete Mitglieder unserer Ärzte-Community können Beiträge kommentieren und Kommentare anderer Ärzte lesen.


Jetzt kommentieren

Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist 
coliquio GmbH gemäß §4 HWG. coliquio GmbH
Turmstraße 22
78467 Konstanz
www.coliquio.de

Tel.: +49 7531 363 939 300
Fax: +49 7531 363 939 900
Mail: info@coliquio.de

Vertretungsberechtigte Geschäftsführer:
Felix Rademacher, Martin Drees
Handelsregister: Amtsgericht Freiburg 
Registernummer: HRB 701556
USt-IdNr.: DE256286653