14. Oktober 2019

DGU 2019

Nierenkarzinom: Langzeitmorbidität durch systemische Tumortherapien?

Verursachen systemische Tumortherapien relevante Langzeitmorbidität? Welche Rolle spielt das Geschlecht des Patienten bei einer Nierenteilresektion? Und ist die perioperative Systemtherapie des Nierenzellkarzinoms vorteilhaft?

Über diese und weitere Entwicklungen im Bereich der Nierenkarzinome haben wir mit Prof. Thomas Steiner, Chefarzt der Urologie am Helios Klinikum Erfurt, gesprochen.

Lesedauer: 2 Minuten

Interview und Redaktion: Marina Urbanietz, Kamera: Andreas Gill

Langzeiteffekte der Therapie bei Nierenzellkarzinomen

Tyrosinkinase-Inhibitoren: Mit den verbesserten Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahren ändert sich auch die Einstellung zu den Langzeitnebenwirkungen der Behandlung bei Nierenzellkarzinom. Prof. Steiner betont in erster Linie die Kardiotoxizität der Tyrosinkinase-Inhibitoren, die in den letzten 10 Jahren bei Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom sehr breit eingesetzt wurden.

Aktuelle Studien zeigen, dass Patienten über die Zeit zunehmend hypotone Komplikationen entwickeln, die auch schwer ausgeprägt sein können. Bei einigen Patienten konnte nach einer Therapie mit 6 Zyklen eine Störung der Ejektionsfraktion des Herzens festgestellt werden (Touyz R, Herrmann J. npj Precision Oncology (2018)). 1 Dieser Prozess ist multimodal und multikausal mit einer Vielzahl von Ursachen. Manche Faktoren kann man beeinflussen, andere nicht. Wichtig ist dabei jedoch, die Patienten über die Notwendigkeit einer internistischen Betreuung aufzuklären und ihnen klare Empfehlungen hinsichtlich der Anpassung ihres Lebensstils an die Hand zu geben (Markman TM, Markman M. F1000 Faculty Rev-120 (2019)). 2

Urologie 2019: Alle wichtigen Themen im Überblick

Neue Therapien im Bereich der Uroonkologie, Inkontinenz und Urolithiasis; die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakarzinom oder die Reform der Notfallversorgung – hier finden Sie alle wichtigen urologischen Themen mit Expertenmeinungen und praxisrelevanter Einschätzung der coliquio-Mitglieder.

Checkpoint-Inhibitoren: In der Zeit der kombinierten Checkpoint-Inhibitoren und bald auch der Kombination von Checkpoint- und Tyrosinkinase-Inhibitoren wird das Management der Toxizität zunehmend anspruchsvoll. Es ist inzwischen bekannt, dass solche Nebenwirkungen, wie beispielsweise Hautreaktionen, relativ schnell nach dem Therapiebeginn mit den kombinierten Checkpoint-Inhibitoren eintreten (Eigentler TK1 et al. Cancer Treatment Reviews (2016)).3 Aktuelle Arbeiten zeigen nun, dass bei bestimmten Therapieschemata auch Endokrinopathien (z. B. Diabetes Mellitus, Hypothyreose, Hyperthyreose, Nebenniereninsuffizienz, etc.) auftreten können, die lebenslang bestehen bleiben. So z. B. unter der Kombination Nivolumab 3 mg/kgKG + Ipilimumab 1 mg/kgKG in bis zu 35 % der Fälle (n=509) (Grimm M.-O. et al. Der Urologe (2018)). 4

Geschlecht, Rezidivrisiko & perioperative Systemtherapie

  • Rolle des Geschlechtes des Patienten bei einer Nierenteilresektion 00:00 – 00:58
  • Nierenteilresektion vs. Totalresektion: Wann ist Rezidivrisiko höher? 00:58 – 01:55
  • Perioperative Systemtherapie: Aktueller Stand 01:55 – 03:30

Videodauer: 3,5 Minuten

Take-Home-Messages:

  • Systemische Tumortherapie verursacht relevante Langzeit-Morbidität
  • Vermeidung “Übertherapie”
  • Tumornachsorgeuntersuchungen (fachspezifisch; allgemeinmedizinisch/internistisch; psychoonkologische Betreuung; Anpassung des Lebensstils)

  1. Touyz R, Herrmann J. Cardiotoxicity with vascular endothelial growth factor inhibitor therapy. npj Precision Oncology (2018).
  2. Markman TM, Markman M. Cardio-oncology: management of cardiovascular toxicity. Version 1. F1000Res. 2019; 8: F1000 Faculty Rev-120. doi: 10.12688/f1000research.14542.1
  3. Eigentler TK1 et al. Diagnosis, monitoring and management of immune-related adverse drug reactions of anti-PD-1 antibody therapy. Cancer Treatment Reviews (2016).
  4. Grimm M.O. et al. Therapie mit PD-1/PD-L1- und CTLA-4-Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Der Urologe (2018).

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