15. April 2021

Prostatakrebs: Neues Verfahren könnte Diagnostik deutlich erleichtern

Forscher der Universität Witten/Herdecke entwickeln eine Untersuchungsmethode, bei der anhand kleiner Erbgutfragmente aus dem Urin zwischen Prostatkrebs (PCa) und einer benignen Prostatahyperplasie (BPH) unterschieden werden kann. Sicherheit und Komfort der Diagnostik sollen so für Betroffene künftig verbessert werden.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Unterscheidung zwischen PCa und BPH

Die Wissenschaftler um Lukas Markert und Dr. Andreas Savelsbergh nutzen Micro-RNAs (miRNA) und piwi-interacting-RNAs (piRNAs) für ihr Verfahren: Diese werden aus geringen Mengen einer Urinprobe gewonnen und vervielfältigt. Diese kleinen Fragemente regulieren das Abschreiben und den Transport von Gen-Informationen und können mit Hilfe des sogenannten Next-Generation-Sequencing in spezialisierten Laboren schnell und präzise ausgelesen werden.

Die RNA-Abschnitte scheinen an Entstehung und Krankheitsverlauf des PCa beteiligt zu sein. Die Forscher analysierten über 2.500 dieser kleinen RNAs und konnten ein Muster darin entdecken. Dafür wurden auch bioinformatische Algorithmen des maschinellen Lernens programmiert, die selbstständig die Daten durchforsteten. „Ändert sich die Zusammensetzung im Urin, spricht das anscheinend für oder gegen Prostatakrebs“, erläutert Lukas Markert. „Neben dem PSA-Wert und der Biopsie könnte dies als hilfreiches Diagnosekriterium in der Urologie etabliert werden.“

Vorteile bei Patientensicherheit

Die schmerz- und risikofreie Untersuchungsmethode hätte offensichtliche Vorteile für Patientensicherheit und -komfort. Markert: „Wir sind froh über die deutlichen Ergebnisse unserer Untersuchung und hoffen, dass sie bald Anwendung finden können. Trotzdem ist uns bewusst, dass wir nur einen Grundstein gelegt haben. Weitere Forschung an größeren Patientengruppen ist vorab notwendig, um die Arbeit zu bestätigen.“ Außerdem sei die Entwicklung eines klinischen Test-Kits auf Basis der Daten nötig. Dafür hoffen die Forscher auf interessierte Partner aus der Industrie oder ein versiertes Start-Up-Unternehmen.

  1. Neues Verfahren könnte Diagnostik bei Prostatakrebs deutlich erleichtern; Universität Witten/Herdecke; 08.04.2021.

Bildquelle: © gettyImages/magicmine

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