08. Oktober 2020

DGU-Kongress 2020

Metastasierendes Prostatakarzinom: Bald nur noch was für Spezialisten!?

Durch neue gentechnische Therapeutika hat die Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms enorme Fortschritte gemacht. Doch nun müssen Urologen auch genetische Diagnosen bewerten und mit Gentherapeutika wie PARP-Inhibitoren umgehen. Das gelingt jedoch nur in spezialisierten Zentren.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Neuer Ansatz

Neben der Hormon- und Chemotherapie bildet die Gentherapie neuerdings die dritte Säule bei der medikamentösen Therapie des weit fortgeschrittenen Prostatakarzinoms, berichtet Professor Thorsten Schlomm (Charité Berlin) in seinem Übersichtsvortrag auf dem diesjährigen DGU-Kongress.

Gezielte Therapie

Hormon und Chemotherapie werden ohne wesentliche Tumorzellspezifizierung nach dem ,,Gießkannenprinzip” eingesetzt, meint Schlomm. Gentechnische Präparate erfordern dagegen das Prinzip ,,erst genau zielen und dann abdrücken”. Und genau Zielen heißt Genom-Analyse des Tumors. Karzinomzellen weisen vermehrt Gendefekte auf. Die führen dazu, dass ihr Stoffwechsel von dem gesunder Körperzellen abweicht. 

Genetische Achillesferse

Gesucht werden also Mutationen in der Tumorzelle, die genutzt werden können, um die Tumorzelle zu inaktivieren. Der Vorteil dieser Genanalyse: Es kann auf ältere Paraffinschnitte zurückgegriffen werden. Die Patienten werden nicht durch zusätzliche Biopsien belastet. Doch diese Analytik hat auch ihren Preis (ca. 3000 € pro Test). Eine der Schwachstellen im Genom der Tumorzellen ist die eingeschränkte Reparatur von Doppelstrangbrüchen der DNA.

Zulassungsverfahren

Fällt der Reservemechanismus (Gen BRCA 1 / 2) durch Mutation in der Tumorzelle aus, sind die Karzinomzellen auf die Polymerase PARP angewiesen und damit durch selektive PARP-Inhibitoren angreifbar. Kurz vor der FDA-Zulassung steht der PARP-Inhibitor Rucaparib. Eine FDA- als auch eine EMA-Zulassung besitzt Olaparib aus der gleichen Wirkgruppe. Diese Medikamente sind hochpreisig. Ihre erstattungsfähige Indikationsstellung gelingt deshalb nur Spezialisten im Rahmen eines Tumorboards.

Optimierungspotenzial

Professor Schlomm schätzt, dass derzeit rund 70.000 ,,kastrationsresistente” Patienten potenzielle Nutznießer der Gentherapeutika sein könnten. Doch in der Praxis fehlt es an Laborkapazität, sodass nur 5 % tatsächlich von der Therapie profitieren. Allein progessionsbedingt verpasst so die Hälfte der Betroffenen diese Therapieoption. ,,Wenn alles optimal läuft, könnte es gelingen, rund 10 % der Betroffenen einer Gentherapie zuzuführen”, schätzt der Berliner Experte.

  1. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU), 24.-26.09.2020. Vortrag: Neue und bewährte Strategien beim Prostatakarzinom – welche Chancen bieten sich für Patienten heute und morgen? Thorsten Schlomm (Berlin).

Bildquelle: © GettyImages/ktsimage

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