29. April 2020

Mesotheliom des Hodens: Immer als Verdacht auf Berufskrankheit anzeigen

Forschende des Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) betonen: Ein Mesotheliom des Hodens muss, wie alle anderen Mesotheliome auch, immer den Unfallversicherungsträgern als Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit gemeldet werden. Diese Erkenntnisse wurden im Rahmen der Jahrestagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie vorgestellt.1,2

Lesedauer: 3 Minuten

Kein ICD10-Code für Mesotheliome der Tunica vaginalis des Hodens

Die gesetzlichen Unfallkassen erkannten zwischen 2014 und 2018 bei 4.865 Patienten ein Mesotheliom als Berufskrankheit an. Bei der überwiegenden Mehrheit (4618) handelt es sich um Tumoren der Lunge. Deutlich weniger Fälle wurden als Mesotheliome des Bauchfells (190) sowie des Herzbeutels (22) bestätigt. 14 Fälle wurden ohne Angabe des befallenen Organs erfasst. Fallzahlen für Mesotheliome der Tunica vaginalis des Hodens (Ausstülpung des Bauchfells) liegen jedoch nicht vor, da es bislang keinen entsprechenden ICD10-Code für diese Erkrankung gibt, den die Unfallversicherungsträger anwenden könnten.

3 von 4 Mesotheliome des Hodens als Berufskrankheit anerkannt

Von den Beschäftigten des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin in Castrop-Rauxel, dessen Schwerpunkt die Zusammenhangsbegutachtung von Berufserkrankungen ist, wurden im Zeitraum von 2014 bis 2019 vier Fälle eines Mesothelioms des Hodens begutachtet. Es wurden drei der vier Mesotheliome des Hodens von den Unfallversicherungsträgern als Berufskrankheit anerkannt. Der vierte Fall konnte bei fehlender Mitwirkung des Betroffenen nicht eingestuft werden. Auffällig: Alle vier Fälle wurden zunächst unter einer Verdachtsdiagnose behandelt, die nicht im Zusammenhang mit einem Mesotheliom des Hodens stand.

Dunkelziffer höher als bisher bekannt

Die Autor/innen vermuten, dass die Dunkelziffer von Mesotheliomen der Tunica vaginalis des Hodens höher ist als bisher bekannt. Sie gehen davon aus, dass nicht jedes Mesotheliom im Bereich des Hodens erkannt wird. Demnach unterbleibe auch die Verdachtsanzeige auf das Vorliegen einer Berufskrankheit. Doch genau das muss bei einem Mesotheliom der Tunica vaginalis des Hodens – wie bei allen anderen Mesotheliomen auch – grundsätzlich immer getan werden. Es ergibt sich die Forderung, dass grundsätzlich jedes operativ entfernte Gewebe histopathologisch untersucht wird. Es sei unhaltbar, dass diese früher geübte Praxis dem Kostendruck im Gesundheitswesen zum Opfer gefallen ist. Bei Anerkennung einer Berufskrankheit stehen den Betroffenen umfangreiche Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherungsträger zu. Je nach Schwere der Erkrankungen kann eine Rentenzahlung gewährt werden.

Berufsgruppen, die besonders asbestexponiert sind

Überwiegend sind Männer in höherem Alter betroffen, die beruflich asbestexponiert tätig waren. Als Berufsgruppen sind u.a. Schlosser, Schweißer, Elektriker, Installateure, Dachdecker, Maurer, Bauarbeiter, Kraftfahrzeugtechniker und Fliesenleger zu nennen. Hervorzuheben ist, dass bereits geringste Asbestexpositionen ausreichen können, um ein Mesotheliom auszulösen. Daher besteht bei jedem Mesotheliom grundsätzlich der Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit.

Über das Projekt:
An dem während der Jahrestagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie vorgestellten Poster haben Expertinnen und Experten des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin (Castrop-Rauxel), einer Urologischen Praxis (Sankt Augustin) und des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund zusammengearbeitet. Für die Präsentation hat das Team den zweiten Posterpreis der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie erhalten.

  1. Ebbinghaus-Mier, D., Ebbinghaus, R., Prager, H.-M., Schöps, W., Golka, K.: Das Mesotheliom der Tunica vaginalis des Hodens – ein Fall für die Meldung eines Verdachtes auf eine Berufskrankheit. Meeting Abstract. 66. Kongress der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Urologie. Bochum, 12.-13.03.2020. doi: 10.3205/20nrwgu52
  2. Mesotheliom des Hodens: Immer als Verdacht auf Berufskrankheit anzeigen; idw; 17.04.2020.

Bildquelle: © GettyImages/Korrawin

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