07. Dezember 2021

Mann mit kugelförmigen Gebilde am Penis und multiplen Metastasen

Bei Patienten mit einem malignen Tumor in der Anamnese und unspezifischen Beschwerden am Penis sowie während der Miktion sollte eine Metastasierung in Betracht gezogen werden, empfehlen die Urologin Dr.Tamara Tischler vom Zentralkrankenhaus Bozen und ihre Kollegen. Anlass ihrer Empfehlung ist die Krankengeschichte eines 64-jährigen Mannes.  1

Lesedauer: 2 Minuten

Der Patient und seine Geschichte

Der Patient kam wegen eines seit einem Monat bestehenden, schmerzlosen, kugeligen und gestielten Tumors an der Eichel ins Krankenhaus. Miktionsbeschwerden sowie Schmerzen im Bereich des Penis oder Perineums habe der Mann verneint, berichten die Urologin und ihre Kollegen in der Fachzeitschrift Aktuelle Urologie“

Zehn Jahre zuvor war der Mann wegen eines polymorphen Low-grade-Adenokarzinoms (PAC, pT2N2b-Tumor) der kleinen Speicheldrüsen der Zungenbasis behandelt worden (Glossektomie, beidseitige „Neck-Dissection“, Bestrahlung). Sechs Jahre nach dieser Therapie sei eine Metastase im rechten Humerus diagnostiziert worden (operative Therapie, Bestrahlung). 1,5 Jahre später seien multiple Knochen- und Lungenmetastasen festgestellt worden, im weiteren Verlauf dann auch eine temporale Hirnmetastase und noch mehr Lungen-Metastasen. 

Therapie, Diagnose und Verlauf

Der gestielte Tumor an der Eichel wurde vollständig reseziert. Die mikroskopische Untersuchung des Tumorgewebes ergab ein „schlecht differenziertes Karzinom mit soliden glandulopapillären Aspekten und Nekrosen”. Die Diagnose lautete: Metastase des PAC der Zungenbasis. Drei Monate nach der Tumor-Operation starb der Mann.

Diskussion

Trotz der reichen vaskulären und lymphatischen Versorgung des Penis seien Metastasen in den Penis selten, berichten Tischler und ihre Kollegen. In 75–93% der Fälle von Penis-Metastasen handele es sich um Metastasen von primären urogenitalen Tumoren oder von Tumoren des Rektosigmoids. Malignome des oberen Gastrointestinaltrakts mit Metastasierung in den Penis seien eine Rarität. In einer Studie sei nur bei einem Mann von 480 Patienten mit Penis-Metastasen ein Malignom der Zunge als Ursprungstumor festgestellt worden. Auch in der Fachliteratur sei nur ein einziger weiterer Fall eines malignen Tumors der Zunge mit Metastasierung in den Penis geschildert worden. 

Klinisch manifestierten sich Penis-Metastasen als Masse oder Verhärtung des Penis, berichten die Urologin und ihre Kollegen weiter. Am häufigsten seien sekundäre Läsionen am Schaft (71 %), an der Glans (24 %) und an der Vorhaut (6 %) lokalisiert. In 20 bis 53 Prozent der Fälle werde von einem Priapismus berichtet (Ursachen: ein Verschluss der abfließenden Venen oder eine Thrombose der Corpora cavernosa). Andere klinische Symptome seien Miktions-Störungen, Hämaturie und Schmerzen im Bereich des Penis oder am Perineum.

Dieser Beitrag ist im Original auf Univadis.de erschienen.

Bildquelle: © gettyImages/Jun

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