02. Oktober 2019

DGU 2019

Interstitielle Zystitis: Was ist neu?

Die interstitielle Zystitis wird nach wie vor zu selten diagnostiziert und bei Männern oft mit einer Prostatitis verwechselt. Wir haben mit dem koordinierenden Autor der ersten deutschen Leitlinie, Professor Thomas Bschleipfer, über die Diagnostik und Therapie der interstitiellen Zystitis gesprochen.

Lesedauer: 2 Minuten

Interview: Marina Urbanietz, Kamera: Andreas Gill

Prävalenz

Die interstitielle Zystitis (IC) ist eine relativ seltene Erkrankung, die mit einem immensen Leidensdruck einhergeht. Die Prävalenz variiert je nach angewandter diagnostischer Methodik zwischen 0,1% und 5% (Fälle je 100.000 Einwohner). Das Geschlechterverhältnis von Frau zu Mann beträgt etwa 8:1. 1

Die IC ist nicht gleichbedeutend mit dem Blasenschmerzsyndrom (BPS – bladder pain syndrome). Laut Prof. Bschleipfer leiden Patienten nicht immer unter Schmerzen, können aber trotzdem eine interstitielle Zystitis haben.

Differenzialdiagnostik & Therapie

  • Interstitielle Zystitis vs. Prostatitis: 00:01 – 01:03
  • Therapie: 01:03 – 02:12
  • Botox als Therapieoption: 02:12 – 03:00

Gesamtdauer: 3 Minuten

Urologie 2019: Alle wichtigen Themen im Überblick

Neue Therapien im Bereich der Uroonkologie, Inkontinenz und Urolithiasis; die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakarzinom oder die Reform der Notfallversorgung – hier finden Sie alle wichtigen urologischen Themen mit Expertenmeinungen und praxisrelevanter Einschätzung der coliquio-Mitglieder.

Cave: IC ist eine Ausschlussdiagnose

Sowohl bei Männern als auch bei Frauen ist im ersten Schritt eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung wichtig. In manchen Fällen können auch Fragebögen hilfreich sein. Als Nächstes sollte eine Klassifikation der IC anhand zystoskopischer und histologischer Veränderungen erfolgen, d.h.  für den Ausschluss oder die Bestätigung einer IC ist grundsätzlich immer eine Zystoskopie erforderlich.  

Mehr zu den juristischen Risiken einer Zystoskopie erfahren Sie in unserem Beitrag Ambulante Zystoskopie: Ein juristisches Risiko?“

Prof. Bschleipfer betont außerdem, basierend auf seiner Praxiserfahrung, dass viele Patienten mit einem Beckenschmerzsyndrom extravesikale Ursachen vorweisen, wie z. B. von der Wirbelsäule ausstrahlende Schmerzen. Dazu kommt natürlich auch eine Menge an Differenzialdiagnosen, die Schritt für Schritt (oft auch interdisziplinär) ausgeschlossen werden sollten. Hierfür wurden in Deutschland neun interdisziplinäre Zentren für interstitielle Zystitis und Beckenschmerz (IC-Zentren) eingerichtet (mehr dazu hier).

Was ist neu bei interstitieller Zystitis?

Vor fast genau einem Jahr wurde die erste deutsche S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der interstitiellen Zystitis (IC/BPS) veröffentlicht. Mittlerweile wurde sie ins Englische übersetzt. Neu ist zudem, dass die Leitlinie auch als Patientenleitlinie verfügbar ist. Die komprimierte Leitlinien-Fassung für Urologen wird demnächst in den urologischen Fachmedien publiziert.

1. Gonsior, A., Neuhaus, J., Horn, L. C., Bschleipfer, T., & Stolzenburg, J.-U. (2017). Interstitielle Zystitis. Der Urologe, 56(6), 811–827. doi:10.1007/s00120-017-0408-2 

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