25. September 2019

DGU 2019

Hyperaktive Blase: Botox als First-Line-Therapie?

Die aktuelle Forschung weist den zystoskopischen Einsatz von Botulinumtoxin A bei der idiopathischen, hyperaktiven Harnblase als sicher und effektiv aus. Warum also nicht gleich auf Botulinumtoxin setzen?

Lesedauer: 1,5 Minuten

Dieser Artikel beruht auf dem Vortrag von Prof. Dr. med. Christoph Seif auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Redaktion: Dr. med. Horst Gross

Botulinumtoxin vs. Anticholinergika

Die hyperaktive Blase beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Die Symptomreduzierung setzt bisher primär auf medikamentöse Prinzipien, wie selektive oder unspezifische Anticholinergika. Dieses Konzept konkurriert mit dem zystoskopischen Einsatz von Botulinumtoxin. Bisher erfolgt dies nur als Zweitlinienoption, nach Versagen der anticholinergen Ansätze.

Eine aktuelle Metaanalyse konnte, unter Berücksichtigung von 56 relevanten Studien, die Gleichwertigkeit des Botulinumtoxinkonzepts mit der Anticholinergikatherapie nachweisen. 1 Das betraf nicht nur die Symptomlinderung, sondern auch das Auftreten relevanter Nebenwirkungen. Ein Vergleich der Kosten der beiden Behandlungskonzepte (Botulinumtoxin versus Anticholinergika), 1 der auch Nebenkosten (z. B. zusätzliche Arztbesuche) berücksichtigt, zeigt „dass die Botulinumtoxin-Therapie kostenmäßig irgendwo zwischen spezifischen und unspezifischen Anticholinergika angesiedelt ist”, so der Kieler Urologe.

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Hohe Compliance

Prof. Dr. Christoph Seif (Urologie Zentrum, Kiel) verweist darauf, dass bereits die Zulassungsstudie sehr gute Therapieerfolge für das zystoskopisch applizierte Botulinumtoxin belegt. Es reduziert die relevanten Symptomparameter wie Harndrang und Miktionsfrequenz in der Größenordnung von 50 %. Problematisch ist der geringgradige Anstieg der Harnwegsinfekte. Harnverhalte dagegen zwangen nur bei 6 % der Patienten zu einer, meist einmaligen, Katheterisierung.

Deutlich verbessert hatten sich die Parameter der Lebensqualität. Da bei Wirkungsverlust eine Nachinjektion (ca. zwölf Monate post) möglich ist, eignet sich das Konzept auch für die Langzeitbehandlung. Seif verweist zudem auf die gute Compliance. 70 % der Behandelten würden diese Therapieoption erneut wählen.

Sichere Langzeitanwendung

Auch zur Sicherheit der Langzeitbehandlung mit Botulinumtoxin liegen mittlerweile Daten vor. Eine Review-Analyse ergab, dass ich unter rezidivierenden Injektionen keine histologischen Veränderungen (z.B. Fibrose), nachweisen lassen. 3 Auch beim Aspekt möglicher systemischer Toxineffekte kann Entwarnung gegeben werden, so Seif.

Primär Botulinumtoxin

Der Kieler Experte hält deshalb die zystoskopische Botulinumtoxininjektion mit 100 I. E. für eine probate Therapie. Da die Kosten im Rahmen der medikamentösen Behandlung liegen, dem Patienten aber gleichzeitig die regelmäßige Tabletteneinnahme erspart bleibt, bietet sich das Botulinumtoxinkonzept demnach als Firstline-Therapie an, gibt Seif zu bedenken.

  1. Cui, Yu, et al. „Botulinum toxin-A injections for idiopathic overactive bladder: a systematic review and meta-analysis.“ Urologia internationalis 91.4 (2013): 429-438.
  2. Giannantoni, Antonella, Marilena Gubbiotti, and Vittorio Bini. „Botulinum Neurotoxin A Intravesical Injections in Interstitial Cystitis/Bladder Painful Syndrome: A Systematic Review with Meta-Analysis.“ Toxins 11.9 (2019): 510.
  3. Mohee, Amar, et al. „Long‐term outcome of the use of intravesical botulinum toxin for the treatment of overactive bladder (OAB).“ BJU international 111.1 (2013): 106-113.

71. Jahreskongress der Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), 2019 FUNKTIONELLE UROLOGIE: FAKE NEWSRELOADED: Referat: Botulinumtoxin ist die beste Therapie bei hyperaktiver Blase!, Prof. Dr. Christoph Seif (Urologie Zentrum, Kiel)

Bildquelle: © Getty Images/Rapid Eye; Symbolbild mit Modellen

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