16. Februar 2021

Junger Mann mit akut geschwollenem Skrotum

Bei einer Skrotum-Schwellung muss auch an ein akutes idiopathisches Skrotalödem (AISE) gedacht werden, wie eine Krankengeschichte zeigt, über die Urologen vom Klinikum Nürnberg Nord in einem Fallbericht schreiben. Das AISE sei eine Ausschlussdiagnose, so Erstautor Andreas Frodl und seine Kollegen. 1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

Autor: Dr. med. Thomas Kron

Anamnese des Patienten unauffällig

Bei dem Patienten handelte es sich um einen 28-jährigen Mann, der sich wegen einer akuten skrotalen Schwellung mit Rötung in der urologischen Notaufnahme der Klinik in Nürnberg vorstellte. Anamnestisch keine Dys- und Polliakisurie, kein Fieber oder Schüttelfrost.

Labor-Diagnostik und Ultraschall ebenfalls unauffällig

Das Skrotum war beidseits deutlich geschwollen, gerötet und überwärmt, die Skrotalhaut druckempfindlich – Krepitationen wurden nicht festgestellt. Hoden waren beidseits tastbar, nicht schmerzhaft, inguinale Lymphknoten nicht vergrößert und es gab keinen Hinweis auf eine inguinale Hernie.

Die Labor-Diagnostik über Mittelstrahlurin ergab keinen Hinweis auf eine Entzündung oder auf einen Harnwegsinfekt. Der Ultraschall-Befund zeigte, dass beide Hoden gut perfundiert waren und gab keinen Hinweis auf eine Abszedierung. Auch Nebenhoden und Nieren waren unauffällig.

Diagnose AISE: stationärer Aufenthalt und Antibiotika-Therapie

Der Verdacht auf AISE entstand nach dem Ausschluss möglicher anderer Ursachen. Der Patient wurde einen Tag stationär aufgenommen mit einer Antibiotika-Therapie (Cefuroxim), Skrotum-Hochlagerung und -Kühlung und antientzündlicher Therapie mit Diclofenac. Im Verlauf kam es zur vollständigen Remission der skrotalen Schwellung.

Medikamentöse Therapien bei AISE kritisch hinterfragen

Differenzialdiagnostisch seien bei dem 28-jährigen Mann zunächst vor allem die Torsion und eine Epididymitis als wichtigste Ursachen des Skrotum-Befundes infrage gekommen, erklären die Autoren. Das AISE werde bei Erwachsenen dagegen deutlich seltener beobachtet als bei Kindern. Ein konkretes Therapieverfahren werde in der wissenschaftlichen Literatur nicht genannt. Da die Symptome zu meist nach 72 Stunden verschwunden seien, bieten sich den Autoren zufolge die antiphlogistische Therapie und ein „watchful waiting“ als Methode der Wahl an.

Ein operativer Eingriff sollte vermieden werden. Medikamentöse Therapien mit Antihistaminika, Steroiden oder Antibiotika hätten sich als nicht effektiv erwiesen. Die Behandlung des jungen Mannes mit einem Antibiotikum sei daher kritisch zu hinterfragen. Eine entzündliche Ursache habe jedoch zu Beginn nicht sicher ausgeschlossen werden können, so dass die Autoren ihre Entscheidung zu einer Antibiotika-Therapie „unter diesen Umständen als gerechtfertigt“ ansehen. 

Dieser Beitrag erschien im Original auf univadis.de, 08.02.2021

  1. Ein junger Mann mit einem akut geschwollenen Skrotum; Univadis, 08.02.2021
  2. Andreas Frodl et al: Das Skrotalödem – Ein Urologisches Chamäleon; Akt Urol 2021; 52: 73–75; DOI 10.1055/a-0881-2598

Bildquelle: © Getty Images/Korrawin

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