05. Februar 2020

Prostata-Ca: Ernährungsumstellung ohne Wirkung

Aufgrund epidemiologischer Daten wurde vermutet, dass eine Ernährungsumstellung das Fortschreiten eines Prostatakarzinoms möglicherweise positiv beeinflussen könnte. Eine jetzt in den USA durchgeführte randomisierte klinische Studie konnte dies allerdings nicht bestätigen (JAMA 2020; 323(2):140-148). 1,2

Lesedauer: 1,5 Minuten

478 Patienten in die Studie eingeschlossen

In vielen Leitlinien zum Prostatakarzinom wird eine Ernährungsumstellung empfohlen – dies stützt sich aber nur auf Expertenmeinungen, epidemiologische Untersuchungen und kleinere präklinische Studien.

Urinjet bei Prostata-Carcinom. © 2020 Immanuel Albertinen Diakonie gGmbH

In der „Men’s Eating and Living“, oder MEAL-Studie, nahmen zwischen 2011 und 2015 an 91 US-Zentren 478 Patienten (50 bis 80 Jahre) mit einem Prostatafrühkarzinom (Stadium bis cT2a) teil. Die eine Hälfte erhielt eine intensive telefonische Ernährungsberatung (insgesamt 22 Anrufe), die andere bekam keine besonderen Empfehlungen. Empfohlen wurde in der Beratung eine sehr gemüsehaltige Kost (7 Portionen Gemüse pro Tag, darunter 2 Kreuzblütler wie Brokkoli und Rosenkohl und 2 Tomatenprodukte), plus jeweils 2 Portionen Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Obst. 

Beratung zeigt Wirkung

Die Beratung war offensichtlich erfolgreich. In der Interventionsgruppe nahmen die Patienten nach 12 Monaten im Mittel 2,48 mehr Gemüseportionen zu sich. Der Anteil der besonders empfohlenen Gemüsesorten sowie die Zufuhr von Carotinoiden und Lycopenen waren deutlich erhöht.

Doch kein signifikanter Unterschied bei Tumorwachstum

Die gesündere Kost wirkte sich aber nicht auf das Tumorwachstum aus. Den primären Endpunkt der Studie (erneute Tumorprogression definiert als ein PSA-Wert von mindestens 10 ng/ml oder eine PSA-Verdopplungszeit von weniger als 3 Jahren oder eine Zunahme des Tumorvolumens bzw. des Tumorgrades) erreichten im Interventionsarm 124 Patienten gegenüber 121 Patienten in der Kontrollgruppe. Nach 24 Monaten waren 43,5 % der Patienten in der Interventionsgruppe ohne Progress, gegenüber 41,4 % in der Kontrollgruppe. Der Unterscheid war nicht signifikant.

Fazit der Autoren

An mangelnder Adhärenz kann es nicht gelegen haben, schreiben die Autoren. Die Ernährungsumstellung war hier so substanziell, dass sie eigentlich einen Effekt haben sollte. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass sich Beobachtungen aus epidemiologischen Studien in randomisierten klinischen Studien nicht bestätigen.

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