12. Mai 2020

Covid-19

Europäische Empfehlungen zur Priorisierung in der Urologie

Die European Association for Urology (EAU) hat auf Grundlage der verschiedenen Leitlinie Empfehlungen herausgegeben, wie man in urologischen oder uroonkologischen Abteilungen und Praxen mit der aktuellen Situation umgehen soll. Ziel ist es dabei, den Ärzten Entscheidungshilfen bei der Betreuung ihrer Patienten während der Corona-Pandemie zu geben und das Risiko für Patienten zu minimieren.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

4 Kategorien im Überblick

Die EAU empfiehlt, alle Eingriffe nach ihrer Priorität in vier Kategorien einzuordnen.

1. Geringe Priorität (grün)

Bei einer Verschiebung des Eingriffs um sechs Monate sind negative Folgen wie Progression, Metastasenbildung oder Verlust an Organfunktion unwahrscheinlich.

Beispiele sind:

  • transurethrale Resektion der Blase (TURB) bei kleinen (< 1 cm) Low-Risk-Karzinomen der Blase
  • Abklärung von LUTS
  • chirurgische Behandlung von Stressinkontinenz

2. Mittlere Priorität (orange)

Bei einer Verschiebung sind negative klinische Folgen für den Patienten zwar unwahrscheinlich, aber möglich. Der Eingriff sollte höchstens um drei Monate verschoben und bei wieder vorhandenen Kapazitäten vorgezogen werden.

Beispiele:

  • TURB von Blasenkarzinomen ohne Hämaturie und High-Risk-Situation
  • nicht dringliche Nierentransplantation bei erwarteter langer Wartezeit
  • Urolithiasis ohne Obstruktion und Infektion

3. Hohe Priorität (rot)

Diese Eingriffe sollten die letzten sein, die verschoben werden und keinesfalls um mehr als sechs Wochen.

Beispiele:

  • TURB bei Blasentumoren mit intermittierender makroskopischer Hämaturie oder High-Risk-Histologie
  • Doppeltransplantationen (Leber und Niere oder Herz und Niere)
  • Inkontinenz mit Blasenleerungsstörungen

4. Notfalleingriffe (schwarz)

Hier ist unabhängig von der Corona-Pandemie sofortiges Handeln innerhalb von 24 Stunden erforderlich.

Beispiele:

  • TURB von Blasentumoren mit anhaltender makroskopischer Blutung und Retention von Blutgerinnseln in der Blase, die eine Katheterisierung erforderlich machen
  • Nierentransplantation bei Problemen mit der Dialyse
  • Sepsis durch obstruierende Steine
  • Urosepsis

In einer detaillierten Liste können Urologen ablesen, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen bei den einzelnen Krankheitsbildern und klinischen Situationen während der Covid-19-Pandemie empfohlen werden. Die Evidenz der Empfehlung ist dabei naturgemäß relativ gering.  

Kriterien

Zahlreiche Kriterien gehen neben einer möglichen Verschlechterung der Grundkrankheit in den Priorisierungsprozess ein. Dazu gehören z.B. das Vorhandensein alternativer weniger invasiver Therapiemöglichkeiten, Komorbiditäten oder ein erhöhtes Risiko für Komplikationen – aber auch die lokale Covid-19-Infektionsrate, die Kapazitäten an medizinischen Personal und Intensivbetten, der Gesundheitsstatus und damit das Covid-19-Infektionsrisiko des Patienten, die Covid-19-Testkapazität, die vorhandenen Entlüftungsbedingungen im OP, die erwartete Länge der Hospitalisierung und das Vorhandensein von Schutzmaterial bei der Behandlung von bereits infizierten Patienten.

Sicherheitsmaßnahmen

Ist ein chirurgischer Eingriff nicht mehr aufzuschieben, sollten folgende Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des medizinischen Personals beachtet werden:

  • Ausreichende Schutzkleidung
  • Durchführung des Eingriffs mit einem Minimum an besonders erfahrenem Personal
  • Keine externen Zuschauer wie Studenten oder Praktikanten
  • Möglichst geringer Einsatz der Elektrokauterisation
  • Bei laparoskopischen Eingriffen sollte der intraabdominale Druck so gering wie möglich sein und das insufflierte CO2 möglichst absorbiert sein, bevor der Trokar gezogen wird
  • besondere Vorsicht im Umgang mit Urin, da eine Übertragung der Coronaviren nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann 

Patienten mit Verdacht auf Covid-19

Alle Patienten mit Symptomen wie Fieber und Husten und/oder möglichen Kontakt zu Covid-19-Patienten sollten vor dem Eingriff oder auch vor einer Hochdosis-Chemotherapie getestet werden und bis zum Eintreffen der Ergebnisse so behandelt werden, als seien sie positiv.

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