Metabolit aus rotem Fleisch erhöht Risiko für CKD
Trimethylamin-N-oxid (TMAO) ist ein Metabolit, der durch die Verstoffwechselung von Phosphatidylcholin und Carnitin aus tierischer Nahrung entsteht. Da TMAO in Tierexperimenten Nierenschäden und tubulointerstitielle Fibrose verursacht, hat eine US-amerikanische Forschungsgruppe nun die Effekte auf den Menschen untersucht – mit einem beunruhigenden Ergebnis.
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Autorin: Miriam E. Tucker | Übersetzung & Redaktion: Dr. Annukka Aho-Ritter
Das in rotem Fleisch, aber auch in Fisch, Eiern und anderen tierischen Lebensmitteln enthaltene Carnitin und Cholin wird von bestimmten Darmbakterien zu Trimethylamin (TMA) umgesetzt, welches in der Leber zu TMAO oxidiert wird. TMAO schädigt in experimentellen Modellen nachweislich die Nieren und führt zu tubulointerstitieller Fibrose. Ob TMAO beim Menschen ähnlich schädlich wirkt, hat nun eine US-amerikanische Studie untersucht.
Verdoppeltes Risiko für Nierenerkrankung
Die Studienpopulation bestand aus 10.564 Teilnehmenden aus 2 gemeindebasierten, prospektiven Kohorten ohne chronische Nierenerkrankung (CKD), d. h. mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) ≥ 60 ml/min/1,73 m2. Neu aufgetretene CKD war definiert als eine Abnahme der eGFR um ≥ 30 % gegenüber dem Ausgangswert, resultierend in einer eGFR < 60 ml/min/1,73 m2.
Während eines medianen Zeitraums von 9,4 Jahren traten 979 CKD-Ereignisse auf. Nach Bereinigung um soziodemografische, Lebensstil-, Ernährungs- und kardiovaskuläre Risikofaktoren war ein höherer TMAO-Plasmaspiegel mit einer mehr als doppelt so hohen CKD-Inzidenz assoziiert, die Hazard Ratio betrug 2,24 für das oberste gegenüber dem untersten Quintil.
Mindestens so gefährlich wie traditionelle Risikofaktoren
Höhere TMAO-Werte gingen auch mit einer stärkeren jährlichen Abnahme der eGFR einher (oberstes vs. unterstes Quintil: -0,43 mL/min/1,73 m2 pro Jahr).
Im Vergleich zu anderen wichtigen CKD-Risikofaktoren war die Assoziation für das oberste gegenüber dem untersten TMAO-Quintil ähnlich wie die Assoziation, die man pro 10 Jahre höherem Alter (-0,43) und beim Vorhandensein von Diabetes (-0,51) beobachtet, und größer als die Assoziation für je 10 mmHg systolischen Blutdruck (-0,16).
Fazit
In dieser Studie erwies sich TMAO als unabhängiger Risikofaktor für das Auftreten einer chronischen Nierenerkrankung (CKD) und einer schnelleren Verschlechterung der Nierenfunktion beim Menschen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass TMAO ein neuer Angriffspunkt für die Prävention und Behandlung von CKD sein könnte. Denn den Autorinnen und Autoren der Studie zufolge lässt sich der TMAO-Spiegel sowohl durch die Ernährung als auch durch pharmakologische Interventionen stark verändern. Neben dem Einsatz neuartiger Medikamente zur Senkung des TMAO-Spiegels könnte ihrer Ansicht nach die Anwendung von Ernährungsmaßnahmen zur Senkung des TMAO-Spiegels in der Allgemeinbevölkerung eine kosteneffiziente und risikoarme Präventionsstrategie für die Entwicklung einer chronischen Nierenerkrankung sein. Allerdings seien noch weitere Studien nötig, die untersuchen, ob Lebensstil und pharmakologische Maßnahmen zur Senkung des TMAO-Spiegels die Entwicklung und das Fortschreiten von CKD tatsächlich verhindern können.
Dieser Beitrag ist im Original auf Medscape.com erschienen.




