29. Oktober 2020

DGU-Kongress 2020

Bakteriospermie und Spermienqualität: Antibiose ohne Erfolg?

Die Unfruchtbarkeit beim Mann steht oft im Zusammenhang mit einer chronischen Bakteriospermie. Üblicherweise werden dann Antibiotika eingesetzt. Doch eine auf dem diesjährigen Urologenkongress veröffentlichte Studie lässt Zweifel an diesem Konzept aufkommen.1

Lesedauer: 1,5 Minuten

Häufiges Problem

Die Prävalenz der männlichen Infertilität wird mit 7 % angegeben. Bei jedem zehnten Fall besteht ein Zusammenhang mit einer chronischen Infektion. Unklar ist allerdings, ob und in welchem Umfang eine antibiotische Eradikationstherapie die Spermaqualität verbessert. Dabei muss zwischen venerischen (STI) und nicht venerischen Infekten (Nicht-STI) unterschieden werden.

Schlechte Spermaqualität

In einem retrospektiven Ansatz werteten die Autoren der Hamburger Studie die Daten von 110 Männern mit Bakteriospermie aus (60 STI-assoziiert; 50 Nicht-STI assoziiert). Die Betroffenen hatten sich im Zeitraum von 2015 -19 an der Uniklinik Hamburg in Behandlung begeben. Aufgrund der bei der Spermakultur identifizierten Infektion erfolgte eine resistenzgerechte, siebentägige Antibiotikagabe. Drei Monate nach dieser Intervention wurde die Spermienqualität erneut geprüft.

Differenzierte Antibiose

In der initialen Spermakultur fanden die Untersucher bei den STI-Patienten überwiegend Ureaplasmen (73 %), gefolgt von Chlamydien (23 %) und Mykoplasmen (3 %). Bei den Nicht-STI-Patienten war das Erregerspektrum umfangreicher: Jeweils ein Drittel der Infekte war durch Enterococcus faecalis oder Escherichia coli verursacht worden. Bei 20 % lag ein Streptokokkeninfekt vor. Relativ selten fanden die Forscher Pseudomononas, Staphylokokken und Klebsiellen (jeweils 2 %). Dementsprechend differenzierten sie die Antibiose: Bei STI-Infekten überwogen Tetrazykline (45 %) und Gyrasehemmer (42 %). In der Nicht-STI-Gruppe dagegen dominierten Gyrasehemmer (64 %), Cephalosporine (16 %) und Penicilline (14 %).

Überraschendes Ergebnis

Die erfolgreiche bakterielle Eradikation wurde durch eine zweite Kultur verifiziert. Trotzdem überraschte das Studienergebnis: Die Parameter der Spermaqualität (Spermienzahl, Progressivmotilität und Spermienmorphologie) indizierten keinen statistisch signifikanten Therapieeffekt. Problematisch war die geringe Teilnehmerzahl, gab die Autorin der Studie zu bedenken. Sie verweist gleichzeitig darauf, dass sich die Spermienzahl zumindest nominal verbesserte. Bei venerischer Infektion von 40 auf 51 Mio. pro ml und bei nicht-venerischer Infektion von 51 auf 60 Mio. pro ml. Die fehlende empirische Absicherung der Antibiose bei dieser Indikation sei Anlass, dieses Therapiekonzept kritisch zu überdenken, meint die Hamburger Urologin.

  1. 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e. V. (DGU), Sitzung: Infertilität: Neues in Diagnostik und Therapie, Referat: Einfluss von antibiotischer Therapie bei einer asymptomatischen Bakteriospermie, Patricia John (Köln).

Bildquelle: © gettyImages/AlexRaths

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