21. September 2019

DGU 2019

Organspende: “Kein Land macht es so schlecht wie wir”

Noch in diesem Jahr könnte der Bundestag über eine Neuregelung der Organspende in Deutschland entscheiden: Angesichts der jüngsten Entwicklung bei der Organspende und -transplantation erneuert die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) ihre Forderung nach Einführung der doppelten Widerspruchslösung. 1

Lesedauer: 2 Minuten

Die aktuelle Datenlage wurde am Donnerstag von Dr. Paolo Fornara auf der Pressekonferenz des DGU-Kongresses vorgestellt. 1

Spendenbereitschaft sank erneut

Es gibt keine Entwarnung, im Gegenteil: Der Blick auf die aktuellen Statistiken zur Entwicklung der Organspende und -transplantation zeigt, dass die Spendebereitschaft, nach einer initialen Erholung im Jahr 2018, in den ersten fünf Monaten 2019 erneut zurückgegangen ist. Damit haben sich alle Hoffnungen auf eine Kehrtwende zerschlagen.

Im Vergleich zu 2018 (Januar bis Mai) ist die Zahl postmortaler Organspender in Deutschland 2019 um 4,3 Prozent zurückgegangen. Das ist ein stärkerer Rückgang als 2017 (3,3 %), dem Jahr mit dem bis dahin geringsten Spenderaufkommen.

Die Zahl der postmortal gespendeten Organe sank im Vergleichszeitraum um 3,3%. Mit Blick auf die postmortal gespendeten Nieren in Deutschland müssen wir im Vergleich zu 2018 einen Rückgang um 5,1% konstatieren. Hinzu kommt, dass circa 10 bis 12 % der gespendeten Organe aus medizinischen Gründen – in der Regel wegen der grenzwertigen Funktion – nicht transplantiert werden können.

Der erste Schritt ist gemacht, doch ein zweiter muss folgen

Dass die DGU Anfang 2018 die jetzige Debatte anstoßen konnte, dass der Gesetzgeber Konsequenzen gezogen hat und unsere Forderungen nach Systemkorrekturen Eingang in das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der Strukturen bei der Organspende gefunden hat, war ein wichtiger erster Schritt. Seine Wirksamkeit muss das Gesetz, das am 1. April 2019 in Kraft getreten ist, erst entwickeln und zukünftig unter Beweis stellen. Im Sinne unserer Patienten auf der Warteliste für eine Organspende sollte Deutschland deshalb auch den zweiten Schritt gehen.

Urologie 2019: Alle wichtigen Themen im Überblick

Neue Therapien im Bereich der Uroonkologie, Inkontinenz und Urolithiasis; die Sinnhaftigkeit des PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakarzinom oder die Reform der Notfallversorgung – hier finden Sie alle wichtigen urologischen Themen mit Expertenmeinungen und praxisrelevanter Einschätzung der coliquio-Mitglieder.

Deutschland unter den Schlusslichtern

Der internationale Vergleich ist ernüchternd. In 24 von 30 Ländern in Europa gilt die Widerspruchslösung, in den Niederlanden tritt sie 2020 in Kraft. Mit der derzeit gültigen Entscheidungslösung steht Deutschland international allein. Im Vergleich der Mitgliedsländer von Eurotransplant belegt Deutschland mit nur 9,7 postmortalen Organspendern pro einer Million Einwohner den letzten Platz und rangiert international, hinter dem Iran und vor Rumänien, auf Platz 30.

Widerspruchslösung muss kommen!

Vor diesem Hintergrund und der anstehenden Entscheidung im Bundestag bekräftigt die DGU ihre Forderung nach Einführung der doppelten Widerspruchslösung, mit der wohlgemerkt keine Pflicht zur Organspende entsteht. Vielmehr ist jederEinzelne gefordert, persönlich Stellung zu beziehen, was Angehörige in der Stunde der Not entlastet. Wer seine Organe nicht spenden möchte, hat das Recht, aktiv zu widersprechen. Überdies haben im Rahmen der angestrebten doppelten Widerspruchslösung auch Angehörige im konkreten Fall ein Einspruchsrecht.

  1. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie zur Pressekonferenz vom 19.09.2019

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