25. März 2021

Update der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom

Die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) erneut überarbeitet. Neu hinzugekommen sind Empfehlungen etwa zur Früherkennung, zum multiparametrisches MRT in der Primärdiagnostik, zur Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms sowie zum PSMA-PET/CT in der Ausbreitungsdiagnostik.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

„Mit der nunmehr sechsten und sehr umfangreichen Aktualisierung erfüllt die Leitlinie zum Prostatakarzinom alle Anforderungen an das angestrebte Prinzip einer Living-Guideline“, sagte der Leitlinienkoordinator und DGU-Vorstandsmitglied Marc-Oliver Grimm in einer Mitteilung. 

Update Früherkennung

Die Empfehlung zur digital-rektalen Untersuchung (DRU) in der Früherkennung wurde in der neuen Version hinsichtlich des Empfehlungsgrades abgeschwächt. Die Leitlinienautoren weisen explizit darauf hin, dass die DRU als alleinige Früherkennungsuntersuchung unzureichend ist. Das primäre Verfahren zur Früherkennung sei aufgrund der höheren Sensitivität nach wie vor die PSA-Wert-Bestimmung. Auch bildgebende Verfahren haben eine geringeren Sensitivität sowie eine deutlich geringere Spezifität, heißt es in der Leitlinie.

Update multiparametrisches MRT

Neuerungen betreffen auch den Einsatz des multiparametrischen MRT (mpMRT) in der Primärdiagnostik. So empfiehlt die Leitlinie bei Prostatakarzinomverdacht die Kombination aus mpMRT-gestützter, gezielter Biopsie und systematischer Biopsie. Diese erreiche bessere Detektionsraten als die jeweiligen Methoden allein. Außerdem sollte nach negativer systematischer Biopsie ohne vorherige MRT bei fortbestehendem Karzinom-Verdacht eine Bildgebung mittels mpMRT erfolgen. Die Autoren sprechen ebenfalls eine starke Empfehlung für eine ergänzende MRT-Untersuchung bei Patienten aus, die eine aktive Überwachung (Active Surveillance) erwägen. Damit könne die Sicherheit erhöht werden, dass kein Tumor mit höherem Risikoprofil in der systematischen Biopsie übersehen wurde. Analog dazu sollten suspekte Areale gezielt biopsiert werden.

Update Einsatz PSMA-PET-CT

Aufgrund einer aktuellen Studie zum PSMA-PET/CT sahen die Leitlinienautoren ebenfalls die Notwendigkeit, die bisherige Empfehlung zum PSMA-PET/CT zu überarbeiten. Danach wird der Einsatz des PSMA-PET/CT explizit zur Ausbreitungsdiagnostik beim High-Risk Prostatakarzinom (Gleason-Score 8-10 oder T-Kategorie cT3/cT4 oder PSA≥20ng/ml) empfohlen. Grund dafür sind eine randomisierte Studie sowie mehrere systematische Übersichtsarbeiten.

Update Therapie nach PSA-Rezidiv

Weitere Neuerungen betreffen Empfehlungen zur Therapie des PSA-Rezidivs: Hier hat die aktualisierte Leitlinie die Definition der günstigen prognostischen Kriterien spezifiziert, der Empfehlungsgrad für die Empfehlung zur perkutanen Salvage-Strahlentherapie als Therapieoption nach radikaler Prostatektomie bei PSA-Anstieg angehoben sowie drei neue Empfehlungen zur Salvage-Strahlentherapie in Kombination mit einer Androgendeprivation eingeführt.

Update systemische Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms

Die Kapitel zur systemischen Therapie wurden auf Basis der neuen Evidenz zu den Wirkstoffen Apalutamid, Darolutamid, Enzalutamid, Abirateron sowie Olaparib vollständig überarbeitet sowie neue Inhalte eingefügt. Dies betrifft einerseits das metastasierte hormonsensitive Prostatakarzinom, andererseits das metastasierte kastrationsrefraktäre Stadium. Bei Letzterem wurden die vorherige Definition von Erst- und Zweitlinientherapie aufgelöst und neue Therapiepfade dargestellt.

Experten, Betroffene und Interessierte haben bis zum 12. April die Möglichkeit, Einblick zu nehmen: Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Hinweise können an das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) geschickt werden. „Stellungnahmen und Änderungsvorschläge werden berücksichtigt, sofern sie begründet und mit Literatur hinterlegt sind“, ergänzt die DGU.

Dieser Beitrag ist im Original erschienen auf univadis.de.

  1. Aktualisierung der S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom; univadis; 23.03.2021.

Bildquelle: © gettyImages/CIPhotos

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