24. September 2019

DGU 2019

Haben Ärzte keine gesunden Grenzen?

Ob in Klinik oder Praxis: Ärzte führen häufig ein Leben, von dem sie ihren Patienten dringend abraten. Dr. Holger Uhthoff über Bürokratie, Digitalisierung und wirtschaftlichen Druck.

Lesedauer: 2 Minuten

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. und dem Vortrag von Dr. Holger Uhthoff bei der Pressekonferenz des DGU-Kongresses. 1

Auch Ärzte dürfen krank werden

Ständig unter Druck, Warnsignale missachtend, Grenzen überschreitend. Das Patientenwohl steht im Selbstverständnis an allererster Stelle. Die eigene Gesundheit wird dabei häufig vernachlässigt.

Aber auch Ärzte dürfen krank werden. Sie scheuen sich jedoch, Schwäche zu zeigen. „Wir als Berufsverband möchten unsere Kolleginnen und Kollegen dazu ermutigen, offener über ihre körperlichen Grenzen zu sprechen, das Thema salonfähig machen und uns kritisch mit unserem ärztlichen Selbstbild vom stets belastbaren, sich unermüdlich kümmernden und eigene Bedürfnisse verleugnenden Helfer auseinandersetzen“, erklärte Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Urologen e.V. anlässlich des 71. DGU-Fachkongresses in Hamburg.

Ärzte sind suchtgefährdet

Typische Krankheitsbilder überlasteter Mediziner sind Depressionen sowie Herz-Kreislauf- und Suchterkrankungen. Ärzte greifen aufgrund ihrer herausfordernden Tätigkeit gegenüber anderen Berufsgruppen häufiger zu Alkohol, Zigaretten, Tabletten & Co. Auch täuschen sich Betroffene oft länger als andere über die Abhängigkeit hinweg. Hilfe, wie etwa Interventionsprogramme für Suchtkranke der Landesärztekammern, nehmen sie eher selten und meist zu spät in Anspruch.

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Gesündere Arbeitsbedingungen notwendig

Weniger Einfluss haben Ärzte natürlich auf ihre Arbeitsbedingungen und den daraus resultierenden krankmachenden Faktoren. Eine Umfrage unter knapp 500 urologischen Assistenzärzten zeigt, dass über 80 Prozent unter hoher Arbeitsverdichtung mit Zeitdruck leiden. Auch Überstunden stehen an der Tagesordnung, nur einem Drittel aller Befragten werden diese vergütet.

„Hieran sehen wir, wie eng die Ärztegesundheit mit den aktuellen berufspolitischen und standespolitischen Debatten verbunden ist“, so BvDU-Präsident Schroeder. „Denn es stellt sich die Frage, wie wir unsere Selbstbestimmung und Selbstverwaltung in einem Gesundheitssystem bewahren können, das zunehmend kommerzialisiert, bürokratisiert und digitalisiert wird.“

Schon beim vergangenen Deutschen Ärztetag in Münster wurde von den Arbeitgebern gefordert, für gesundheitsförderliche ärztliche Arbeitsbedingungen zu sorgen, um Erschöpfung, Depressionen, Burnout oder Sucht vorzubeugen. Angeregt wurden außerdem Resilienzprogramme als Teil von Studium und Fortbildung.

  1. Pressemitteilung des Berufsverbandes der Deutschen Urologen im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Urologie 2019 am 19.09.2019

Titelbild: © Getty Images/Wavebreakmedia
Artikelbild: © Getty Images/Artur

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