15. April 2020

Kongress-Organisation im Zeichen der Corona-Pandemie

72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie

Auf ihrer 72. Jahrestagung unter der Leitung des amtierenden DGU-Präsidenten Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler will die Fachgesellschaft vom 23. bis 26. September 2020 im Congress Center Leipzig Aktuelles aus der Urologie diskutieren und setzt alles daran, dies zu realisieren. 1

Lesedauer: 5 Minuten

Andere Erkrankungen verlieren nicht an Dringlichkeit

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, welche Rahmenbedingungen im September herrschen werden. Sicher ist, dass die DGU sich auf alle Szenarien einstellen wird, um den unerlässlichen Wissenschaftsaustausch sowie Fort- und Weiterbildung in ihrem Fachgebiet zu ermöglichen, denn andere Erkrankungen und die urologische Versorgung, besonders unserer Krebspatienten, verlieren nicht an Dringlichkeit“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Dr. Jens Rassweiler angesichts des nahezu weltweiten Lockdowns.

Immun-Onkologie im Vordergrund

Da Urologinnen und Urologen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln, bilden Tumore von Prostata, Harnblase und Nieren, von Hoden und Penis einen Schwerpunkt des Kongressprogramms. „Aktuell steht die Immun-Onkologie im Vordergrund, denn wir werden in naher Zukunft eine Revolution der medikamentösen Therapie von Harnblasenkarzinom und Nierenzellkarzinom erleben“, sagt Prof. Rassweiler.

Die „individualisierte Therapie“ ist ein zentrales Thema, und selbstverständlich geht es auch in der Urologie um eine flächendeckend optimale Versorgung onkologischer Patienten, besonders mit Blick auf eine adäquate Diagnostik und Therapiefestlegung. Mit dem „Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren“, der „Online Entscheidungshilfe Prostatakrebs“ und dem neuen „Netzwerk Hauptstadt Urologie“, das allen Patienten in Berlin und Brandenburg einen frühzeitigen Zugang zu innovativen Behandlungsmethoden ermöglichen soll, gibt es in der Urologie, nach Worten des DGU-Präsidenten, bereits entsprechende innovative Leuchtturm-Projekte.

PSA-Screening: IQWiG-Abschlussbericht erwartet

Mit Spannung wird zum 72. DGU-Kongress auch der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zur Bewertung eines Prostatakrebs-Screenings mittels Bestimmung des prostataspezifischen Antigens (PSA) erwartet. Prof. Rassweiler: „Nach unserer Kritik am negativen Vorbericht des IQWiG bringt sich die DGU in die laufenden Erörterungs- und Anhörungsverfahren des IQWIG und des G-BA ein, um dem PSA-Wert die Bedeutung zukommen zu lassen, die er als elementarer Baustein in der Diagnostik des Prostatakarzinoms zweifellos hat. Neues zur risikoadaptierten individuellen Früherkennung mittels PSA-Test wird in Leipzig unter anderem die PROBASE-Studie liefern.“

Neue Operationsroboter mit CE-Zulassung

„In diesem Jahr werden weitere Operationsroboter ihre CE-Zulassung erhalten, darunter auch ein in Deutschland entwickeltes System. Damit wird eine über zwanzig Jahre bestehende Monopolsituation beendet sein. Sicherlich hat sich der inzwischen etablierte Operationsroboter in vier Generationen weiter entwickeln können und stellt den Gold-Standard dar, aber der Markt auf dem Gebiet der robotischen Chirurgie ist damit eröffnet. Im CCL im Bereich der Industrieausstellung soll ein „Garden of Technology“ eingerichtet werden. Neueste robotische Op-Techniken sollen im Format von Semi-Live-Operationen präsentiert werden.

Berufspolitische Schwerpunkte

Berufspolitisch stehen die Hygienerichtlinien für die Zystoskopie und die Onkologie-Vereinbarung, die intersektorale Versorgung, aber auch das neue DGU-zertifizierte Weiterbildungscurriculum Urologie in Leipzig auf der Agenda.

DGU zur Corona-Krise

In der Corona-Krise hat die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. frühzeitig Verantwortung übernommen und eine Priorisierungsliste urologischer Erkrankungen erstellt, die von ausländischen urologischen Fachgesellschaften übernommen wurde. Die DGU hat zudem appelliert, dass Patienten die eine dringliche urologische Versorgung bedürfen, diese auch bekommen sollen. „Bei einer relevanten Patientengruppe gilt es, eine mögliche gesundheitliche Entwicklung, die teilweise nicht mehr umkehrbar sein kann, abzuwenden“, sagt der Generalsekretär der DGU. „Und natürlich werden wir im Rahmen unseres 72. Kongresses aufarbeiten, welche Auswirkungen die Pandemie auf unsere Patienten in Klinik und Praxis genommen hat und welche Lehren es für unser Fach gibt. “Es gelte, auch in Hinblick auf die noch engere Verzahnung von Praxis- und Klinikabläufen, Potentiale für die Versorgung von urologischen Patienten insbesondere zu Pandemiezeiten zu identifizieren und umzusetzen“, so Prof. Dr. Maurice Stephan Michel weiter.

Aktuelle Informationen für Urologinnen und Urologen zur Coronavirus-Pandemie finden Sie auf der DGU-Webseite >>

Erstmals auch ein Science Slam auf dem Kongress

Das gesamte Kongress-Programm soll spätestens ab Juli abrufbar sein. Dazu gehört erstmals auch das Format eines Science Slams. „Mit Unterstützung des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg und des Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie in Leipzig soll jungen Forschern Gelegenheit gegeben werden, ihr Projekt in humorvoller Weise vorzustellen“, erklärt Prof. Rassweiler. Ab September 2020 soll die Kongress-App mit Informationen zu allen Veranstaltungen heruntergeladen werden können.

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