Rote-Hand-Brief zu Ocaliva (Obeticholsäure)

Seit Dezember 2016 hatte die modifizierte Gallensäure eine bedingte Zulassung. Der Hersteller informiert nun über die Empfehlung zum Widerruf der Genehmigung für das Inverkehrbringen von Ocaliva (Obeticholsäure).1
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Zusammenfassung
- Die konfirmatorische Phase-III-Studie 747-302 (COBALT) mit Ocaliva bei Patienten mit primär biliärer Cholangitis (PBC) hat den klinischen Nutzen von Ocaliva nicht bestätigt.
- Infolgedessen ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Ocaliva nicht mehr positiv, und es wird empfohlen, die Genehmigung für das Inverkehrbringen in der EU zu widerrufen.
- Außerhalb einer klinischen Studie sollten keine neuen Patienten mit Ocaliva behandelt werden. Für Patienten, die derzeit mit Ocaliva behandelt werden, sollten die verfügbaren Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden.
Hintergrundinformationen zu den Sicherheitsbedenken
Obeticholsäure ist ein Antagonist des Farnesoid-X-Rezeptors (FXR) und eine modifizierte Gallensäure, die unter dem Markennamen Ocaliva zugelassen ist.
Im Dezember 2016 erhielt das Arzneimittel eine bedingte Genehmigung für das Inverkehrbringen in der EU zur Behandlung der primär biliären Cholangitis (PBC). Diese bezieht sich auf Erwachsene, die unzureichend auf Ursodeoxycholsäure (UDCA) ansprechen, in Kombination mit UDCA oder als Monotherapie für diejenigen, die UDCA nicht vertragen.
Diese Erstzulassung basiert auf den Ergebnissen einer Phase-III-Studie (POISE), die eine statistisch signifikante und anhaltende Senkung der alkalischen Phosphatase (ALP) nachwies. Zum Zeitpunkt der Zulassung herrschte noch Ungewissheit darüber, inwieweit die beobachteten Veränderungen dieser Laborparameter mit den leberbezogenen klinischen Ergebnissen korrelieren.
Die Genehmigung für das Inverkehrbringen wurde daher unter der Bedingung erteilt, dass das Unternehmen zusätzliche Daten aus der COBALT-Studie vorlegt, um die Wirksamkeit und Sicherheit des Arzneimittels zu bestätigen.
COBALT-Studie kann klinischen Nutzen von Ocaliva nicht bestätigen
Die COBALT-Studie ist eine multizentrische, doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Untersuchung zur Bewertung des klinischen Nutzens von Ocaliva bei PBC-Patienten, die nicht auf UDCA ansprechen oder diese nicht vertragen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA überprüfte Ocaliva unter Berücksichtigung der COBALT-Ergebnisse und aller verfügbaren Daten.
Die Studie zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen Ocaliva und Placebo hinsichtlich der primären Endpunkte Tod, Lebertransplantation oder hepatische Dekompensation. Auch in der Subgruppe der kompensierten PBC-Patienten waren die Ergebnisse zwischen beiden Studienarmen nahezu identisch.
Somit konnte die Studie keine Wirksamkeit der Ocaliva-Behandlung in Bezug auf relevante klinische Endpunkte und für das gesamte Spektrum der PBC-Patienten, einschließlich einer PBC-Subpopulation im Frühstadium, nachweisen und war daher nicht in der Lage, den klinischen Nutzen von Ocaliva zu bestätigen. Die unterstützenden Daten aus dem Versorgungsalltag wurden als nicht ausreichend angesehen, um die negativen Ergebnisse von COBALT aufzuwiegen.
Da der klinische Nutzen nicht bestätigt wurde, kam der CHMP zu dem Schluss, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Ocaliva nicht mehr positiv ist, und empfahl, dass die bedingte Genehmigung für das Inverkehrbringen in der EU widerrufen werden sollte. Sollte diese Empfehlung von der Europäischen Kommission bestätigt werden, wird Ocaliva in der EU nicht mehr zugelassen sein.
Maßnahmen
Außerhalb einer klinischen Studie sollten keine neuen Patienten mit Ocaliva behandelt werden. Für Patienten, die derzeit mit Ocaliva behandelt werden, sollten die verfügbaren Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden.
Weitere Informationen sowie die Kontaktdaten der Zulassungsinhaber können dem Rote-Hand-Brief zu Ocaliva (Obeticholsäure) entnommen werden.
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