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Rote-Hand-Briefe

09. Okt. 2024

Rote-Hand-Brief zu Medroxyprogesteronacetat

Rote Hand Brief zu NOXAFIL® (Posaconazol)

Die Zulassungsinhaber von medroxyprogesteronacetathaltigen Arzneimitteln informieren in Abstimmung mit der EMA und dem BfArM über das erhöhte Risiko für Meningeome und Maßnahmen zur Risikominimierung. 1

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Zusammenfassung

Es besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Meningeoms bei hohen Dosen von Medroxyprogesteronacetat (alle injizierbaren Formulierungen und Darreichungsformen zum Einnehmen mit ≥100 mg), hauptsächlich nach längerer Anwendung (mehrere Jahre).

Patientinnen, die mit hochdosiertem Medroxyprogesteronacetat behandelt werden, sollen entsprechend der klinischen Praxis auf Anzeichen und Symptome eines Meningeoms überwacht werden.

Zur Empfängnisverhütung oder bei nicht-onkologischen Indikationen

  • Arzneimittel, die hochdosiertes Medroxyprogesteronacetat enthalten, sind bei Patientinnen mit Meningeom oder einem Meningeom in der Vorgeschichte kontraindiziert.
  • Wenn bei einer Patientin, die mit hochdosiertem Medroxyprogesteronacetat behandelt wird, ein Meningeom diagnostiziert wird, muss die Behandlung abgebrochen werden.

Bei onkologischen Indikationen

  • Wenn bei einer Patientin, die mit hochdosiertem Medroxyprogesteronacetat behandelt wird, ein Meningeom diagnostiziert wird, sollte die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Behandlung sorgfältig unter Berücksichtigung des individuellen Nutzens und Risikos abgewogen werden.

Hintergrund zu den Sicherheitsbedenken

Medroxyprogesteronacetat ist sowohl in injizierbaren als auch in Darreichungsformen zum Einnehmen für gynäkologische (einschließlich Empfängnisverhütung) und onkologische Indikationen erhältlich. Die beigefügte Tabelle enthält detaillierte Informationen zu den in Deutschland zugelassenen Arzneimitteln mit Angaben zur Darreichungsform und Indikation.

In Deutschland zugelassene Arzneimittel, die hochdosiertes (≥ 100 mg) Medroxyprogesteronacetat enthalten

Unternehmen Bezeichnung der Arzneimittel
und Darreichungsform
Indikation
Pfizer Pharma GmbHDepo-Clinovir 150 mg
Injektionssuspension;

SAYANA 104 mg/0,65 ml Injektionssuspension
Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung
axicorp Pharma GmbHDepo-Clinovir 150 mg
Injektionssuspension;

SAYANA 104 mg/0,65 ml Injektionssuspension
Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung
kohlpharma GmbHDepo-Clinovir 150 mg
Injektionssuspension;

SAYANA 104 mg/0,65 ml Injektionssuspension
Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung
EMRA-Med
Arzneimittel GmbH
Depo-Clinovir 150 mg
Injektionssuspension;

SAYANA 104 mg/0,65 ml Injektionssuspension
Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung
Hexal AGMPA 250 mg HEXAL
Tabletten

MPA 500 mg HEXAL
Tabletten
Onkologie
Palliative Behandlung bei
folgenden hormonabhängigen Tumoren:

metastasierendes Mammakarzinom;

fortgeschrittenes Endometriumkarzinom
EurimPharm
Arzneimittel GmbH
Depo-Clinovir 150 mg/ml
Fertigspritze mit
Injektionssuspension;

Depo-Clinovir 150 mg/ml Injektionssuspension
Empfängnisverhütung

Empfängnisverhütung
Pharma GerkeDepo- Provera 150 mg
Injektionssuspension i.e.
Fertigspritze
Empfängnisverhütung
Abacus MedicineDepo- Clinovir 150 mg
Injektionssuspension i.e.
Fertigspritze
Empfängnisverhütung
European Pharma B.V.Sayana 104 mg/ 0,65 ml
Injekt.-Suspension i.e.
Fertigspritze
Empfängnisverhütung

In Deutschland zugelassene Arzneimittel, die niedrigdosiertes (2,5 und 5 mg) Medroxyprogesteronacetat enthalten

UnternehmenBezeichnung der
Arzneimittel und
Darreichungsform
Indikation
Orion Pharma
GmbH
Indivina
(Estradiolvalerat/
Medroxyprogesteron)

1 mg/2,5 mg Tabletten

1 mg/ 5 mg Tabletten

2 mg/5 mg Tabletten
HRT

Prävention einer Osteoporose bei
postmenopausalen Frauen mit hohem
Frakturrisiko, die eine Unverträglichkeit
oder Kontraindikation gegenüber anderen,
zur Osteoporoseprävention zugelassenen
Arzneimitteln aufweisen
Hexal AGMPA GYN 5 mg TablettenZur Behandlung von Zyklusstörungen als
Folge hormonaler Störungen (Gestagenmangel)
ohne organische Erkrankung

Zur Ergänzung einer Estrogenbehandlung
in den Wechseljahren

Was ist ein Meningeom?

Ein Meningeom ist ein seltener, meist gutartiger Tumor, der sich aus den Meningen (Bindegewebsschichten, die das ZNS umschließen) bildet. Klinische Anzeichen und Symptome eines Meningeoms können unspezifisch sein und Sehveränderungen, Hörverlust oder Ohrensausen, Geruchsverlust, sich mit der Zeit verschlimmernde Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust, Krampfanfälle oder Schwäche der Extremitäten umfassen. Während Meningeome in der Regel gutartig sind, kann ihre Lage zu schwerwiegenden Folgen führen und eine Operation erfordern.

Französische Studie zeigt Meningeom-Risiko auf

Basierend auf den Ergebnissen einer französischen epidemiologischen Fall-Kontroll-Studie wurde ein Zusammenhang zwischen Medroxyprogesteronacetat und Meningeomen beobachtet.

Diese Studie basierte auf Daten des französischen nationalen Gesundheitssystems (SNDS - Système National des Données de Santé) und umfasste eine Population von 18.061 Frauen, die wegen eines Meningeoms intrakranial operiert wurden. Jedem Fall wurden fünf Kontrollen pro Geburtsjahr und Wohngebiet zum Vergleich zugeordnet (90.305 Kontrollen). Die Exposition gegenüber injizierbarem Medroxyprogesteronacetat 150 mg/3 ml wurde zwischen Frauen, die wegen eines Meningeoms operiert wurden, und Frauen ohne Meningeom verglichen. 

Die Analysen zeigten ein übermäßiges Meningeomrisiko bei Verwendung von Medroxyprogesteronacetat 150 mg/3 ml (9/18.061 Fälle (0,05%) vs. 11/90.305 Kontrollen (0,01%), Odds Ratio (OR) 5,55 (95%-KI 2,27 bis 13,56)). Dieses übermäßige Risiko scheint durch eine längere Anwendung (≥3 Jahre) von Medroxyprogesteronacetat 150 mg/3 ml bedingt zu sein. Obwohl das relative Risiko von Meningeomen bei der Anwendung von hochdosiertem Medroxyprogesteronacetat signifikant erhöht ist, sind die absoluten Risiken sehr gering.

Kein erhöhtes Risiko bei niedriger Dosierung

Es wurden derzeit keine neuen Sicherheitsbedenken hinsichtlich eines Meningeomrisikos im Zusammenhang mit der Anwendung von niedrig dosiertem (<100 mg) Medroxyprogesteronacetat und Kombinationsprodukten, die Medroxyprogesteronacetat enthalten, festgestellt. Daher gelten die Empfehlungen nicht für niedrig dosierte Medroxyprogesteronacetat-haltige Darreichungsformen zum Einnehmen.

Aktualisierung der Produktinformationen

Die Produktinformationen für alle relevanten Medroxyprogesteronacetat-haltigen Arzneimittel werden entsprechend aktualisiert und „Meningeom“ wird als Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von "nicht bekannt" hinzugefügt.

Weitere Informationen sowie die Kontaktdaten der Zulassungsinhaber können dem Rote-Hand-Brief zu Medroxyprogesteronacetat entnommen werden.

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