29. Februar 2020

Ecstasy in der Trauma-Therapie

Ecstasy ist als gefährliche Partydroge bekannt. Therapeuten aus Amerika und Israel testen den Wirkstoff nun an Trauma-Patienten. Deutsche Experten sprechen von einem vielversprechenden Ansatz.1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Angstmindernde Wirkung

MDMA, der synthetische Wirkstoff in der Partydroge Ecstasy, habe das Potenzial, den therapeutischen Prozess für Menschen mit Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) zu verbessern, erklärt die US-Organisation MAPS (Multidisciplinary Association for Psychedelic Studies), die das therapeutische Potenzial bestimmter Drogen erforscht. Dies könne daran liegen, dass die Substanz Angst verringern, Kommunikation und Selbstbeobachtung verbessern sowie Mitgefühl steigern könne.

Ingo Schäfer, Leiter der Traumaambulanz am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, verweist auf Zahlen, wonach in Europa rund zwei Prozent der Bevölkerung einmal im Leben an einer PTBS leiden. Bei rund jedem Dritten wird die Krankheit chronisch.

Mehrere kleine Studien lieferten Hinweise auf Nutzen

Dass eine Psychotherapie mit MDMA-Unterstützung solchen Patienten helfen kann, hatte unter anderem eine US-Studie gezeigt, die 2018 im Fachblatt „The Lancet Psychiatry“ veröffentlicht wurde. Darin hatte ein Team um Allison Feduccia von MAPS 26 Patienten behandelt, überwiegend Kriegsveteranen und Feuerwehrleute.

Während der Therapie bekamen sie bei zwei bis drei der Sitzungen die Droge verabreicht. Zwölf Monate nach Ende der Therapie erfüllten 16 der 26 Teilnehmer die PTBS-Kriterien nicht mehr. Eine 2019 im Fachblatt „Psychopharmacology“ veröffentlichte Analyse von fünf weiteren solchen Studien bestätigte diese Resultate.

Allerdings sollten die Untersuchungen vor allem die Sicherheit der Therapie prüfen. Zwar erlebten manche Teilnehmer Angst, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schlafprobleme. Die Autoren betonten jedoch, die Therapie sei in dem geprüften Rahmen sicher und könne den Nutzen einer Psychotherapie verstärken.

Das bestätigten auch Andrea Cipriani und Philip Cowen von der Universität Oxford in einem Lancet-Kommentar: „Der nicht erfüllte Bedarf an besseren PTBS-Therapien insbesondere für Kriegsveteranen und Rettungskräfte steht außer Frage“, schrieben die Psychiater. „Doch ob der Nutzen einer MDMA-gestützten Psychotherapie für die psychiatrische Routine verallgemeinert werden kann, muss noch gezeigt werden.“

Internationale Phase-3-Studie an bis zu 300 Patienten

Das soll nun eine aus Spenden finanzierte Phase-3-Studie an bis zu 300 PTBS-Patienten in den USA, Kanada und Israel zeigen. Ziel der Untersuchung, die seit Ende 2018 an insgesamt 15 Zentren läuft, ist die Zulassung des Verfahrens in den USA im Jahr 2021.

Die Psychologin Keren Zarfati leitet den israelischen Teil der Studie. Jeder der 14 Teilnehmer habe insgesamt 15 Therapiesitzungen, immer mit einem männlichen und einer weiblichen Therapeutin, sagt sie. Bei drei Sitzungen erhalten die Patienten eine MDMA-Tablette oder ein Placebo. Die Substanz wirke ungefähr acht Stunden, während beide Therapeuten den Patienten betreuen. Insgesamt seien die Teilnehmer jeweils 24 Stunden im Krankenhaus und unter ständiger Beobachtung. „MDMA schafft einen Zugang“, sagt Zarfati. So könne ein Patient „auf eine kontrollierte Art“ mit seinem Trauma in Kontakt kommen. Gewöhnlich könnten PTBS-Patienten sich ihren Erfahrungen nicht stellen, erläutert sie und betont: „MDMA macht nicht die Arbeit, der Klient macht das mit den Therapeuten.“

Auch hierzulande interessieren sich Experten für die kombinierte Therapieform. „Ich glaube, dass der Ansatz vielversprechend ist, wir aber noch nicht gut genug wissen, für welche Patienten im Speziellen“, sagt UKE-Mediziner Schäfer. Da gebe es Forschungsbedarf. „Wir sind immer froh über jeden potenziell hilfreichen Ansatz, gerade bei Erkrankungen, die durchaus eine hohe Neigung dazu haben, chronisch zu verlaufen.“

  1. dpa, Februar 2020.
  2. Bildquelle: © gettyImages/keira01

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