25. März 2021

Rezidivierende Depression: Sequenz-Strategie hilft gegen Rückfälle

Der Verlauf von depressiven Erkrankungen ist häufig durch Residualsymptome und Rückfälle gekennzeichnet – insbesondere wenn auch noch Komorbiditäten wie Angststörungen vorliegen. In einer Metaanalyse wurde jetzt untersucht, ob sich das Outcome verbessert, wenn antidepressive Medikation und Psychotherapie von Anfang an im Rahmen eines sequentiellen Modells kombiniert werden.1

Lesedauer: 2 Minuten

Redaktion: Maria Weiß, Dr. med. Laura Cabrera

Zwei Therapiemethoden strategisch kombinieren

Der sequentielle Ansatz in der Behandlung rezidivierender Depressionen wurde in den 90er Jahren entwickelt. Er hat zum Ziel, Residualsymptome, die manchmal in einen Rückfall münden, sowie Komorbiditäten, besonders Angststörungen, durch die gezielte Therapie mit zwei unterschiedlichen Strategien abzufangen. Der Ansatz richtet sich dabei an das Erkrankungsstadium, in dem sich der Patient gerade befindet.

Das sequentielle Modell beinhaltet die geplante Aufeinanderfolge von zwei verschiedenen Therapiemodalitäten: Erst Psychotherapie, dann Medikation oder umgekehrt, und die Verwendung von zwei unterschiedlichen Formen der Psychotherapie oder Pharmakotherapie nacheinander. Es geht nicht um einen zweiten Versuch bei Therapieversagen. Auch die Erhaltungstherapie zur Verlängerung des rezidivfreien Intervalls ist damit ausdrücklich nicht gemeint.

In einer aktuellen Metaanalyse haben Jenny Guidi von der Universität Bologna und ihre Kollegen untersucht, welchen Einfluss die sequenzielle Therapie in Form einer Pharmakotherapie gefolgt von einer Psychotherapie auf das Outcome bei akuten Depressionen hat. Dabei baut die Evidenz auf drei vorherige Analysen auf, die bereits 2011 und 2016 veröffentlicht wurden.

Sequenztherapie hilft gegen Rückfälle

17 randomisierte klinische Studien zu dieser Fragestellung mit insgesamt 2283 Patienten (im Mittel 45,9 Jahre, 69,2 % Frauen) gingen in die Analyse ein. 1208 Patienten erhielten eine sequentielle Therapie, wobei die kognitive Verhaltenstherapie in verschiedenen Formen immer ein Element der Behandlung war. Die Kontrollgruppe (n= 1075) erhielt eine alleinige Psychopharmakotherapie oder andere psychotherapeutische Angebote. Die methodische Qualität der Studien wurde als hoch bewertet.

Insgesamt zeigte sich hier ein deutlicher Vorteil der Sequenztherapie mit einer um 17 % niedrigeren Rate an Rückfällen und erneuten depressiven Episoden (RR 0,835). Dabei schien es keinen wesentlichen Unterschied zu machen, ob die antidepressive Medikation während der Psychotherapie in voller Dosierung fortgesetzt, reduziert oder ganz abgesetzt wurde – allerdings existierte für diesen Vergleich nur eine einzige Studie. Umgekehrt profitierten Patienten von einer Psychotherapie, wenn sie weiterhin ein Antidepressivum nahmen.

Die Hauptlimitation der Analyse ist die sehr heterogene Zusammensetzung der eingeschlossenen Studien.

Was bedeutet das konkret?

Für die Behandlung von Patienten mit rezidivirenden Depressionen schlagen die Autoren folgenden Ansatz vor:

  • Zunächst Antidepressiva in der Akutphase
  • Nach 3 Monaten Untersuchung auf Residualsymptome. Entscheidung, ob die Medikation beibehalten oder so langsam wie möglich ausgeschlichen wird.
  • Kognitiv-behaviorale Therapie mit zwei Schwerpunkten – einerseits die Residualsymptome, andererseits der Lebensstil (chronischer Stress, Schlaf, Überarbeitung etc.)
  • 1 Monat nach Ende der Psychotherapie erneute Evaluation des Patienten.

Ein ausführliches Paper über den sequentiellen Ansatz finden Sie hier.

  1. Jenny Guidi et al; Sequential Combination of Pharmacotherapy and Psychotherapy in Major Depressive Disorder  - A Systematic Review and Meta-analysis; JAMA Psychiatry (2021);78(3): 261-269; doi:10.1001/jamapsychiatry.2020.3650

Bildquelle: © Getty Images/tadamichi

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