28. September 2020

Gesunder Umgang mit dem Internet in Zeiten von Covid-19

Viele Menschen haben durch die Pandemie ihre gewohnte Tagesstruktur verloren und füllen ihre Zeit nun mit digitalen Angeboten. Um ein Abrutschen in eine Verhaltenssucht zu verhindern, haben internationale Experten nun praktische Empfehlungen veröffentlicht, die Sie hier downloaden können. 1

Lesedauer: 2,5 Minuten

Dieser Artikel basiert auf der Publikation von Király et al. (2020) in Comprehensive Psychiatry unter der Creative Commons Lizenz. Redaktion: Dr. med. Laura Cabrera.

Wo wären wir ohne das Internet?

Die Rolle des Internets in Zeiten der Pandemie ist zwiegespalten. Einerseits bietet es die Möglichkeit, trotz des Lockdowns mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben und hilft dabei, die Versorgung mit notwendigen Gütern unter Quarantäne sicherzustellen, zum Beispiel mit Supermarkt-Lieferdiensten. Nicht zuletzt dient es der Information der Menschen über die aktuelle Lage und leistet damit einen wichtigen Beitrag, um dennoch ein Gefühl der Selbstwirksamkeit herstellen zu können.

Risiken für soziale Kontakte, Selbstfürsorge und Finanzen

Andererseits besteht die Gefahr im neuen Pandemie-Alltag, das Internet im Übermaß und auf (selbst-)schädigende Weise zu missbrauchen. Durch Schulschließungen und Kurzarbeit fehlt vielen Menschen die Tagesstruktur. Das Internet bietet auf bequeme Art Unterhaltung, Ablenkung von der Realität und kurzfristige Belohnungen. Problematische Verhaltensweisen, die entstehen können, sind:

  • Übermäßiger Konsum von Pornographie
  • Online-Shopping über das eigene Budget hinaus
  • Geldverlust und Suchtentwicklung mit Online-Glücksspielen
  • Schwierigkeiten beim Einschlafen aufgrund ständigen Überprüfens der Social Media-Kanäle
  • Vernachlässigung von sozialen Kontakten und der eigenen Bedürfnisse durch den Überkonsum von Videospielen

Firmen nutzen Situation mit gezielten Marketing-Kampagnen

Erwähnenswert ist hier, dass Online-Firmen die Pandemie derzeit nutzen, um durch gezieltes Marketing ihre Nutzer zu intensiverem Konsum ihrer Angebote zu animieren, was sowohl vorteilhaft sein kann (z.B. bei Fitness-Apps), aber auch riskant (teure Home-Office-Outfits, vergünstigter Zugang zu Online-Spielen und Pornographie).

Checkliste für Patienten

Eine multinationale und -disziplinäre Gruppe aus Experten für problematischen Internetgebrauch hat unter Erstautorin Dr. Orsolya Király von der ELTE Eötvös Loránd Universität in Budapest prägnante Empfehlungen zusammengetragen, die dabei helfen sollen, eine gesunde Tagesstruktur aufrecht zu erhalten und das Internet – besonders während der Pandemie – in einem sinnvollen und produktiven Rahmen zu verwenden.
Diese Tipps finden Sie in der von uns erstellten Checkliste zum Ausdrucken und Verteilen an Ihre Patienten.

Konkrete Tipps für den sinnvollen Internetgebrauch

Bildschirmzeit begrenzen: Es gilt die Zeit, die man am Handybildschirm verbringt, zu begrenzen. Das geht, indem man das Handy außer Reichweite bringt, während man gerade mit etwas anderem beschäftigt ist, und die Benachrichtigungstöne ausschaltet. Apps, die das eigene Nutzungsverhalten aufzeichnen und auch regulieren können ebenfalls hilfreich sein, zum Beispiel durch Sperrung einer App nach einem eingestellten Zeitraum.
Auch für die Einhaltung des Budgets stehen Apps zur Verfügung.

Ablenkung vermeiden: Ein häufiger Zeitfresser liegt darin, dass man das Handy nutzt um auf die Uhr zu schauen, und dann durch App-Benachrichtigungen abgelenkt wird. Analoge Uhren und Wecker schaffen hier Abhilfe.

Regeln gemeinsam festlegen: Kinder sollten einbezogen werden, wenn es darum geht, Regeln für die Begrenzung der Bildschirmzeit zu aufzustellen. Zudem sollte man als Erwachsener mit gutem Beispiel vorangehen und auch das eigene Nutzungsverhalten im Griff haben. Die Autoren empfehlen weiter, auch mal zusammen mit den Kindern Videospiele zu spielen. Die Spiele und ihre Inhalte zu kennen hilft dabei, das Nutzungsverhalten der Kinder sinnvoll zu regulieren. Das gleiche Prinzip gilt für das Surfen im Internet.

Rationalisieren hilft nicht weiter

Viele Menschen vernachlässigen die „Bildschirm-Hygiene“ wider besseren Wissens. Dabei bedienen sie sich häufig dem Argument, dass sie das Surfen/Social Media/Online Shopping als psychische Unterstützung während der Pandemie brauchen. Deshalb betonen die Autoren, dass ein gesunder Umgang mit den neuen Medien gerade jetzt unbedingt gefördert werden müsse.

  1. Király et al. Preventing problematic internet use during the COVID-19 pandemic: Consensus guidance. Jul;100:152180. Epub 2020 May 12.

Titelbild: © Getty Images/Onfokus

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