24. März 2020

Klinische psychosoziale Notfallversorgung im Rahmen von COVID19

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat Handlungsempfehlungen für die psychosoziale Notfallversorgung im Rahmen von COVID-19 erarbeitet.1-6

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Autoren: Teresa Deffner und Anke Hierundar für die Sektion Psychologische Versorgungsstrukturen in der DIVI und Dagmar Arndt und Dominik Hinzmann für die Sektion Perspektive Resilienz der DIVI.
Die Originalpublikation finden Sie auf der Website der DIVI.

Problematik

Im Zusammenhang mit der aktuellen COVID19-Pandemie können Behandlungs- und Betreuungssituationen von Patienten, Angehörigen sowie Professionellen im Gesundheitswesen psychisch belastend, sogar traumatisierend erlebt werden und kurz- sowie langfristig zur Ausbildung psychischer Belastungsfolgen führen.

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Empfehlungen

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Konkrete Empfehlungen für Kliniken

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  • aus dem in der Klinik verfügbaren psychosozialen Fachpersonal bzw. Leitungspersonen in den Bereichen Klinikseelsorge, psychosoziale kollegiale Peers, innerklinische Krisenintervention, psychologische, psychotherapeutische, psychiatrische, psychosomatische Versorger, palliativmedizinischer Dienst, Arbeitsmedizinischer Dienst, Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM)
  • Festlegung von Ansprechpartnern, Erreichbarkeiten, Verantwortungsbereichen
  • Integration und Vertretung des Sachgebietes im COVID19-Krisenstab der Klinik

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  • mit Differenzierung der Maßnahmen und Benennung von Verantwortlichen für Betroffene und für innerklinisches Personal
  • Maßnahmen für Betroffene (Patienten, Angehörige, Zugehörige, Hinterbliebene, etc.) können sich an den Maßnahmen für Betroffene bei Notfällen und Großschadenslagen orientieren (BBK, 2012)
  • Maßnahmen für klinisches Personal können sich an den Maßnahmen für Einsatzkräfte in der Präklinik (BBK, 2012) und den DGUV-Empfehlungen (2017a, 2017b) orientieren.
  • mit bedürfnis- und bedarfsgerechten, gestuften Maßnahmen entsprechend der Belastungs- und Bewältigungsverläufe mit und ohne Krankheitswert
  • Ziele sind die psychische Stabilisierung in der Situation, Unterstützung konstruktiver Bewältigungsstrategien, Gewährung von und Weitervermittlung in adäquate Hilfen, Vermeidung von psychosozialen Belastungsfolgen und Entlastung des klinischen medizinischen Personals

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  • aus den in 1. genannten Personen
  • zur Entlastung klinischer Ressourcen sowie in Kliniken ohne Möglichkeit der psychosozialen Versorgung (wie in 1. genannt) wird die Prüfung der Kooperation mit Anbietern von PSNV in der Stadt, Landkreis, Bundesland empfohlen
  • mit der Sicherstellung einer definierten Verfügbarkeit, die sich aus dem in 2. entwickelten Versorgungskonzept ergibt:
  • Strukturierung der Arbeit des Teams mindestens durch Festlegung einer (temporären) Leitung
  • Festlegung von Einsatzkriterien, z.B. Begleitung von Angehörigen sterbender Patienten in Isolation (auch telefonisch, per Video), individuelle Unterstützung für Mitglieder des Teams der Isolationsstation, Unterstützung von Mitarbeitern, die überdurchschnittlich viele Versterbende begleiten
  • Klärung versicherungsrechtlicher Fragen, der Freistellung für die Aufgaben und Vergütung der Mitarbeiter der klinischen psychosozialen Notfallversorgung
  • Kompetenzen der Mitarbeiter bzw. Schulung: Mitarbeiter der klinischen psychosozialen Notfallversorgung sollten neben ihrer psychosozialen Grundprofession über Fachwissen in Anlehnung an bestehende Ausbildungscurricula bzw. Empfehlungen verfügen (vgl. BBK, 2012; Hinzmannet al., 2019; EFPA)
  • eine standardisierte Dokumentation und Evaluation jedes Einsatzes
  • engmaschige kollegiale verbindliche Supervision
  1. Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (2012). Psychosoziale Notfallver-sorgung: Qualitätsstandards und Leitlinien. Teil I & II (Praxis im Bevölkerungsschutz, Band 7). Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Bonn.DGUV (2017a). DGUV Information 206-023. Standards in der betrieblichen psychologischen Erstbetreuung (bpE) bei traumatischen Ereignissen. Verfügbar unter: www.dguv.de/publikationen
  2. DGUV (2017b). DGUV Grundsatz 306-001. Traumatische Ereignisse –Prävention und Rehabi-litation. Verfügbar unter: www.dguv.de/publikationen
  3. EFPA Standing Committee on Disaster, Crisis and Trauma Psychology. Proposal for quality standards for psychosocial interventions in disasters and crisis. Verfügbar unter: http://disaster.efpa.eu/information/recommendations-concerning-psychosocial-support-after-disasters/
  4. Hinzmann D, Schießl A, Koll-Krüsmann M, Schneider G, Kreitlow J. Peer-Support in der Akut-medizin. Anästhesiologie & Intensivmedizin, 2019, DOI: 10.19224/ai2019.095
  5. Inter-Agency Standing Committee (IASC) (2007). IASC Guidelines on Mental Health and Psy-chosocial Support in Emergency Settings. Geneva: IASC.
  6. NATO (2008). Psychosocial Care for people affected by disasters and major incidents. A model for designing, delivering and managing psychosocial services for people involved in ma-jor incidents, conflict, disasters and terrorism. Verfügbar unter: http://disaster.efpa.eu/information/recommendations-concerning-psychosocial-support-after-disasters/

Bildquelle: © gettyImages/Phynart Studio

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